Jäger empfiehlt  Nutria – wird der Schädling zur Delikatesse?

| 14.01.2026 18:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Nutria wird auch Sumpfbiber genannt. Foto: Patrick Pleul/dpa
Die Nutria wird auch Sumpfbiber genannt. Foto: Patrick Pleul/dpa
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Nutrias sind eine Gefahr für die Sicherheit der Deiche. Ein Jäger aus Wittmund schwört auf die Nagetiere als Delikatesse.

Wittmund - Aus einem Schädling könnte ein Nützling werden – und zwar für die heimische Speisekarte. Gemeint ist damit die Nutria, die ursprünglich aus Südamerika stammt und sich inzwischen im Nordwesten Deutschlands so stark ausbreitet, dass sie zunehmend zur Gefahr für den Hochwasser- und Artenschutz wird: Das Nagetier untergräbt Flussufer, Böschungen ebenso wie Deiche, und es vernichtet Schilfgürtel – wichtige Kinderstuben für Vögel, Fische oder Amphibien. Die Nutria fällt unter das Jagdrecht – für die Jäger im Landkreis Wittmund ist längst klar, dass sie diese invasive Art im Zaum halten müssen.

Nutria-Fallen lösen einen elektronischen Impuls aus und informieren den Jäger per App über den Fang. Foto: Peter Groot
Nutria-Fallen lösen einen elektronischen Impuls aus und informieren den Jäger per App über den Fang. Foto: Peter Groot

„Allein im zurückliegenden Jahr habe ich an der Harle mit Nebengewässern mehr als 90 Tiere erlegt“, sagt Peter Groot, Jäger aus Isums. Er stellt Lebendfallen direkt an den Uferböschungen auf. Sie sehen aus wie längliche Röhren; die Tiere werden mit einem Köder – meistens Apfel – angelockt. Die Fallen schließen sich und setzen das Tier lebend fest. Dabei wird ein Signal ausgelöst, das beim Jäger über einen elektronischen Melder auf der Handy-App ankommt. So erfährt Groot umgehend, wenn ein Tier in die Falle getappt ist. Ist es eine Nutria, wird sie mit einem gezielten Schuss getötet. Viele weitere Jäger aus den heimischen Revieren beteiligen sich.

Zahl der erlegten Nutrias hat sich seit 2022 jährlich verdoppelt

„Die Jagdstrecken haben sich seit 2022 jährlich verdoppelt“, berichtet Kreisjägermeister Harald Dirks. Waren es im Jagdjahr 2021/22 lediglich 61 Nutrias, so stieg die Zahl kontinuierlich auf 113, dann auf 228 und im Jahr 2024/25 auf 512. Dirks: „Die Nutrias kommen im gesamten Kreisgebiet vor, in 90 Prozent der Reviere werden Fallen eingesetzt. Es werden aber auch viele Nutrias mit der Waffe erlegt.“ Ohne strenge Winter werde es sicherlich schwer, die Bestände zu reduzieren. „Wir sind sehr gespannt, wie sich die Fangzahlen jetzt nach dem Wintereinbruch entwickeln“, so Dirks. Landesweit sind 53.748 der Nager allein 2024/2025 in Niedersachsen erlegt worden. Das sind 19,5 Prozent mehr als in der Vorsaison.

Der Jäger Peter Groot aus Isums verarbeitet die erlegten Nutrias verzehrfertig. Foto: Manfred Hochmann
Der Jäger Peter Groot aus Isums verarbeitet die erlegten Nutrias verzehrfertig. Foto: Manfred Hochmann

Die Nutria wird also als Wild bejagt und sollte nach Ansicht von Peter Groot auch so verarbeitet werden – also als Wildbret für den Kochtopf. Teller statt Tonne: Der Jäger aus Isums, der auch das Fleisch von Rehen, Wildschweinen und anderen heimischen Arten verarbeitet, bietet inzwischen auch geschlachtete Nutrias an. „Für mich ist das Jagen nur dann nachhaltig und vernünftig, wenn das Tier auch verwertet wird“, sagt er. Das Fleisch der Nutria sei zart, gut zu verarbeiten und erinnere an den Geschmack von Hühnchen oder Kaninchen. „Nutrias sind reine Pflanzenfresser“, sagt Groot.

Nutria – küchenfertig abgepackt in Fischläden

In einigen Regionen ist die Nutria durchaus auch Teil von Speisekarten, zum Beispiel in den Niederlanden. Dort wird das Fleisch auch regulär in Geschäften angeboten. Man findet es abgepackt in Fischläden. Es sei helles Fleisch, etwa wie Kaninchen, und könne gegrillt oder als Schmorbraten zubereitet werden, wird dort empfohlen, auch in den Grenzregionen zu Ostfriesland. In den Niederlanden gibt es sogar Eintopf-Gerichte, die über das Internet angeboten werden. In Südamerika wird Nutria im Ofen mit Pfeffer und Öl zubereitet. Die Deutschen aber sind noch sehr zurückhaltend, was den Verzehr von Nutria-Fleisch angeht. „Das ist wohl auch eine Kopfsache“, sagt Peter Groot.

In den Niederlanden wird Nutria-Fleisch sogar in Fischläden angeboten. Foto: Manfred Hochmann
In den Niederlanden wird Nutria-Fleisch sogar in Fischläden angeboten. Foto: Manfred Hochmann

Der Jäger aus Isums findet aber zunehmend Abnehmer für die geschlachteten, eingefrorenen Nagetiere. „Es spricht sich rum, wie gut das Fleisch schmeckt, sozusagen als Mundpropaganda.“ Viele verarbeiten das Fleisch für Burger, als Geschnetzeltes und für Kurzbraten. Auch für den Grill ist es geeignet. „Diejenigen, die das Nutria-Fleisch probiert haben, sagen, es schmecke wie eine Mischung aus Hase und Kaninchen, andere finden eher wie eine Mischung aus Schwein und Huhn. Aber alle finden es lecker.“ Und ihm gehe es genauso, sagt Peter Groot. „Schmeckt hervorragend, etwa als Geschnetzeltes.“

Die Nutria, auch Biberratte oder Sumpfbiber genannt, stammt ursprünglich aus Südamerika und ist mit den Meerschweinchen verwandt. Der Riesennager wurde vermutlich bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Pelztierzucht nach Deutschland eingeführt. Charakteristisch für die Nutria sind die meist gut sichtbaren orangenen Schneidezähne. Nutrias legen ihre Bauten in Uferbereichen und Deichen an und bringen zwei bis drei Mal im Jahr Würfe mit sechs bis acht Jungen zur Welt. Diese wiederum sind nach fünf Monaten geschlechtsreif.

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