US-Zölle und VW-Flaute Autoumschlag im Emder Hafen unter Druck
Es läuft nicht gerade rund in der Autoindustrie. Das bekommt nun auch der Volkswagen-Dienstleister Autoport im Emder Hafen zu spüren. Zum Glück gibt es Licht am Ende des Tunnels.
Emden - Die internationalen Handelsverwicklungen wirken sich unmittelbar auf den Erfolg oder Misserfolg im Emder Hafen aus. Autoport Emden musste am Dienstag bei der Präsentation der Zahlen für 2025 beim Fahrzeugumschlag ein Minus von vier Prozent bekanntgeben. Für dieses Jahr wird mit einem weiteren Minus von 2,9 Prozent gerechnet. Im Jahr 2028 könnte es aber deutlich nach oben gehen.
„Die wechselnden US-Zölle waren 2025 unsere größte Herausforderung“, sagte Autoport-Geschäftsführer Manfred de Vries gegenüber der Presse. „Teilweise mussten wir Fahrzeuge kurzfristig zurückhalten oder die Autos früher rausschicken als geplant, damit sie erst einmal im Land sind.“ Der Autoumschlag über den Emder Hafen sei dadurch zu einem „volatilen Geschäft“ geworden.
Immerhin 50.000 Autos weniger umgeschlagen
Der im zweistelligen Prozentbereich liegende Rückgang im US-Geschäft war laut de Vries auch der Hauptgrund für die sinkenden Zahlen bei Autoport. Insgesamt wurden 2025 immerhin gut 1,189 Millionen Autos über Emden umgeschlagen, also importiert und exportiert – etwa 50.000 Fahrzeuge weniger als 2024. Autoport Emden liegt damit auch hinter seinen selbst gesteckten Zielen. Geplant waren für das vergangene Jahr ursprünglich mehr als 1,2 Millionen Fahrzeuge.
Autoport Emden ist im Kern der Logistikdienstleister für den Volkswagen-Konzern. Autoport ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Volkswagen-Konzernlogistik und der Anker Schifffahrts-Gesellschaft, die ihren Sitz ebenfalls im Emder Hafen hat. 75 Prozent des Personals kommt von der EVAG (Emder Verkehrs und Automotive GmbH). Hier ist die Drehscheibe für Marken wie VW, Audi, Skoda, Seat, Porsche, Lamborghini und Bentley.
Konstant etwa 2.000 Mitarbeiter im Plan
Trotz sinkender Umschlagzahlen und zunehmender Digitalisierung auch im Hafen hält Autoport-Geschäftsführer de Vries an der Zahl von rund 2000 Mitarbeitern auch in diesem Jahr fest. Insgesamt arbeiten im Emder Hafen nach Auskunft von Reinhard Hegewald von der Hafenförderungsgesellschaft etwa 10.000 Menschen.
Die Beschäftigtenzahlen sind für den Industriestandort Ostfriesland von entscheidender Bedeutung, zumal am VW-Standort Emden in den nächsten Jahren bekanntlich Hunderte der insgesamt 8.000 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Mehr als jeder vierte Arbeitsplatz könnte bis Ende 2030 entfallen.
Rund 145.000 Autos bei VW Emden produziert
Hintergrund dafür sind wiederum die Absatzflaute von E-Autos und eine ausbaufähige Effizienz in der Produktion. Die Zahlen von Autoport geben dabei auch einen Einblick in die Produktionsleistung des VW-Werks selbst, also wie viele ID.4 und ID.7 das Werk verlassen. Im Jahr 2025 waren dies 145.000 Autos. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 wurden noch rund 180.000 Fahrzeuge in Emden produziert. Damals lief hier auch noch der Passat vom Band.
Nun ruht die Hoffnung von Autoport erneut auf einem Verbrenner. 2027 soll die Produktion des Golf von Deutschland nach Mexiko verlagert werden. „Wir hoffen dann auf deutlich mehr Importe“, sagte de Vries. „Das wird aber wohl erst 2028 wirksam.“
Seit Jahrzehnten zentraler Autoumschlag für VW
Entsprechend optimistisch zeigte sich auch der Hafen selbst. „Angesichts der weltpolitischen Herausforderungen sind das wieder sehr gute Zahlen für den Emder Hafen“, so Hegewald als Vorstand der Emder Hafenförderungsgesellschaft zum Autoumschlag im vergangenen Jahr im Emder Hafen. Schwankungen von einigen zehntausend Autos gebe es immer mal wieder. Das sei normal und überhaupt kein Grund zur Sorge. „Wir sind sehr froh und dankbar und natürlich auch ein Stück weit stolz auf dieses Ergebnis, das die betroffenen Unternehmen mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern 2025 trotz aller Widrigkeiten erwirtschaftet haben“, so Hegewald. „Wir freuen uns, seit Jahrzehnten der zentrale Autoumschlaghafen an der Nordseeküste für den VW-Konzern zu sein“.
Eine detaillierte Einordnung der Zahlen von VW und aus dem Emder Hafen finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, im kostenlosen Newsletter der Ostfriesen-Zeitung WattWirtschaft, der an diesem Donnerstag erscheint.