Osnabrück Nicht nur Gejammer: Warum man den Bauern zuhören sollte
Wenn Bauernhöfe sterben, verschwindet mehr als nur ein Betrieb – es leidet unsere Kulturlandschaft und das soziale Gefüge im Dorf. Warum das „Meckern“ der Landwirte mehr ist als nur Tradition und uns alle angeht.
Klappern gehört bekanntlich zum Handwerk, und die Klage der Bauern gehört zum Jahreskreis wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Man könnte also meinen, man müsse nicht so genau hinhören, wenn der Bauernverband jetzt vor der Grünen Woche mal wieder ein Klagelied anstimmt.
Doch das wäre weit gefehlt. Zwar sind viele Bauern erfolgreiche und wohlhabende Unternehmer. Doch ebenso gibt es viele Landwirte, vor allem solche mit kleinen Betrieben, die sich Jahr um Jahr fragen, ob sie mit der Landwirtschaft aufhören sollen: weil Bauern gesellschaftlich als Sündenböcke gelten. Und weil sich die viele Arbeit immer weniger lohnt und durch die Politik mit neuen bürokratischen Auflagen und wackeligen Rahmenbedingungen noch weiter erschwert wird.
Die Verteuerung des Lebens in den vergangenen fünf Jahren, die sich stärker anfühlt, als in amtlichen Inflationsindizes abgebildet, tut ihr Übriges: Verbraucher müssen noch stärker als zuvor beim Einkauf auf den Preis achten. Und wenn die Supermärkte Preise reduzieren oder günstige Eigenmarken anbieten, zahlt auch dafür mindestens teilweise der Bauer den Preis – durch niedrigere Erzeugerpreise.
Die starke Marktkonzentration im Lebensmittelhandel macht es möglich. Und auch am Anfang der landwirtschaftlichen Produktion, bei Saatgut oder Brutbetrieben etwa, gibt es nur wenige mächtige Konzerne. Der einzelne Bauer ist eingeklemmt zwischen großen Firmen – und hat häufig das wirtschaftliche Nachsehen.
Nun gehören Marktbereinigungen zur Marktwirtschaft, aber es wäre fatal, zu meinen, die Aufgabe von Bauernhöfen sei halt zu tolerieren. Unsere Kulturlandschaft verdanken wir den Bauern.
Wenn Familien aussteigen und Großbauern oder Agrarkonzerne übernehmen, leidet nicht zuletzt die ökologische Vielfalt. Vom sozialen Gefüge und dem Ehrenamt im Dorf ganz zu schweigen. Deshalb gilt: Zuhören, wenn Bauern meckern. Egal, ob es um Mindestlohn, Energiepreise oder Baurecht für Schweineställe geht.