Berlin  Warum Typen wie Reiner Haseloff erfolgreich sind - und er fehlen wird

Rena Lehmann
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Von Rena Lehmann
| 09.01.2026 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Gibt sein Amt nun doch vorzeitig ab: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (72). Foto: IMAGO/Christian Schroedter
Gibt sein Amt nun doch vorzeitig ab: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (72). Foto: IMAGO/Christian Schroedter
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Reiner Haseloff gibt in Sachsen-Anhalt vorzeitig das Amt des Ministerpräsidenten ab. Von seinem Regierungsstil kann sich auch Friedrich Merz etwas abschauen.

Unbeeindruckt von der Kurzatmigkeit des Berliner Politbetriebs hat Reiner Haseloff in Sachsen-Anhalt sein eigenes Ding gemacht und erfolgreich regiert. Den gängigen Mustern der neuen Politikinszenierung mochte er nicht folgen. Nicht einmal im Abgang. Seine Entscheidung, bis zum Wahltag im September im Amt zu bleiben und seinem möglichen Nachfolger, dem CDU-Spitzenkandidaten und Wirtschaftsminister Sven Schulze, keinen Amtsbonus im Wahlkampf zu gewähren, war angesichts der Höhenflüge der AfD in seinem Bundesland im Rest der Republik ganz überwiegend als fahrlässig bewertet worden. Haseloff aber wertete das Versprechen, das er den Wählern in seinem Bundesland gegeben hatte, als wichtiger. Die Dinge anders zu machen, als es viele erwarten – man kann dem dienstältesten Ministerpräsidenten nach bald 15 Jahren Amtszeit kaum absprechen, dass er damit ziemlich erfolgreich war. Seine letzte Entscheidung hat er nun aber korrigiert – und tritt doch noch vorzeitig ab.

Ob das Wahlkampfmanöver gelingt, ist noch völlig offen. Weigern sich FDP und SPD, Schulze Ende Januar zu seinem Nachfolger zu wählen, wäre der Spitzenkandidat beschädigt. Das Risiko hat sich die CDU in Sachsen-Anhalt nun offenbar vorgenommen, einzugehen. Die AfD wittert ihre Chance, die noch amtierende Landesregierung als uneinig und panisch darzustellen.

Im Umgang mit den Rechtsextremen lässt sich von Haseloff einiges lernen. Schon vor der letzten Landtagswahl 2021 hatten hohe Werte für die AfD die Emotionen vor allem außerhalb von Sachsen-Anhalt hochkochen lassen. Haseloff bewahrte Ruhe, hielt Kurs – und ging am Ende als Sieger mit deutlichem Abstand durchs Ziel.

Der promovierte Physiker, der erst in den Aufbaujahren nach der Wende seinen Weg in die Politik fand und bis heute vom Pragmatismus der 90er-Jahre schwärmt, genoss die wichtigste Währung in der Politik: das Vertrauen seiner Landsleute. Das war auch deshalb so, weil er so glaubwürdig bürgerlich-konservativ, selbstbewusst ostdeutsch ist und sich am Wettbewerb um die schrillste Schlagzeile nie beteiligt hat. Über Parteigrenzen hinweg galt er als verlässlich und unideologisch. Weil er darum wusste, zögerte er wohl bis zuletzt, sein Versprechen, für eine volle Amtszeit zu bleiben, doch noch zu brechen. Ein Typ wie er wird fehlen.

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