Kreis Leer Ledabrücke als Hürde – Winterdienst auf Hochtouren
Schnee und Eis fordern die Winterdienste in Jemgum, in Leer und beim Landkreis Leer heraus. Wie die Teams arbeiten, was sie schon geleistet haben und warum die Ledabrücke zum Problemfall wird.
Jemgum/Leer/Landkreis Leer - Der Januar zeigt sich in Ostfriesland von seiner winterlichen Seite: Schnee in Hülle und Fülle sorgt für Dauereinsatz bei den Räumdiensten. Seit Tagen kämpfen die Teams gegen die weiße Last, um zumindest die wichtigsten Straßen passierbar zu halten. Und ein Ende ist nicht in Sicht – die Wetterprognosen versprechen weiterhin Frost, Schnee und glatte Straßen.
Allein in Jemgum haben die Gemeindemitarbeiter unter Leitung von Bauhofchef Holger Woortmann bereits rund 35 Tonnen Streusalz auf die Straßen gebracht, wie Bürgermeister Hans-Peter Heikens berichtet. Das ursprünglich mit 50 Tonnen gefüllte Salzlager ist damit deutlich geschrumpft. „Mit dem Rest kommen wir noch etwa eine Woche aus“, schätzt Heikens. Doch die Gemeinde ist vorbereitet: 25 Tonnen Nachschub sind bereits bestellt, weitere 25 Tonnen stehen auf Abruf bereit. „Die liegen abrufbereit auf Lager“, versichert der Bürgermeister. Jemgum sieht dem Winter gelassen entgegen.
Warum der Bürgermeister in Jemgum sich über einen Glücksgriff freut
Doch nicht überall können die Räumtrupps gleichzeitig sein. Seit Wochenbeginn ist das Freihalten der Schulwege eine zusätzliche Herausforderung. Glück im Unglück: „Vor ein paar Wochen hatten wir noch für knapp 25.000 Euro ein neues Streugerät für unseren großen Schlepper angeschafft“, berichtet Heikens erleichtert. „Gerade noch rechtzeitig genug.“
Auch in Leer läuft der Winterdienst auf Hochtouren. Die Stadtwerke haben in den vergangenen Tagen 50 Tonnen Salz und 25.000 Liter Sole verbraucht, wie Sprecher Edgar Behrendt mitteilt. In den Silos lagern noch jeweils 75 Tonnen Salz und 52.000 Liter Sole, dazu Sand als abstumpfendes Mittel. „Das lief bislang gut und wie geplant“, zieht Behrendt eine positive Zwischenbilanz. Besonders in diesem Winter: Alle Fahrzeuge sind mit Schneepflügen ausgerüstet, das ist nicht jedes Jahr nötig. Zusätzlich wurde ein weiterer Schlepper mit Schneepflug in den Fuhrpark aufgenommen. „Wir haben üblicherweise drei Lkw und einen Schlepper sowie sieben Kleintraktoren im Einsatz“, so Behrendt. Je nach Wetterlage sind sie mit Kehrbesen oder Schneepflug unterwegs, unterstützt von Handstreuern.
Warum nicht jede Straße in der Stadt Leer geräumt wird
Die Stadtwerke Leer betreuen rund 220 Kilometer Straßen, Wege, Brücken und Plätze. Doch nicht jede Straße wird gestreut: „Die betroffenen Straßen müssen erstens verkehrswichtig und zweitens gefährlich sein“, erklärt Behrendt. Gefährlich sei eine Straße etwa bei schlechter Übersicht oder starkem Gefälle. Auch große Kreuzungen stehen auf dem Streuplan.
Das Straßen- und Tiefbauamt des Landkreises Leer ist für 376 Kilometer Kreisstraßen, 250 Kilometer Radwege und 60 Brücken zuständig. „In diesem Winter hatten wir bereits 22 Streueinsätze. Vom 3. bis 5. Januar wurde zusätzlich viel Schnee geräumt“, berichtet Kreissprecher Philipp Koenen. Zum Vergleich: Im Winter 2024/25 waren es zu diesem Zeitpunkt 16, im Winter 2023/24 nur 17 Einsätze. Bislang wurden rund 550 Tonnen Salz und 145.000 Liter Sole aufgebracht.
Warum es im südlichen Landkreis Leer besonders schwierig ist
Im Süden des Landkreises Leer stellt die Ledabrücke den Winterdienst vor eine besondere Hürde: Seit vergangenem Winter dürfen die schweren Streufahrzeuge wegen der Gewichtsbeschränkung die Brücke nicht mehr passieren. Stattdessen müssen sie einen weiten Bogen über Stickhausen und Papenburg schlagen, um die Straßen in Ostrhauderfehn, Rhauderfehn und Westoverledingen zu erreichen – ein Umweg, der Zeit und Ressourcen kostet.
Der Winterdienst des Straßen- und Tiefbauamts ist in zwei Schichten organisiert, jeweils 13 Mitarbeitende sind pro Schicht im Einsatz. Das Einsatzgebiet ist in sieben Streurouten für Fahrbahnen und drei für Radwege aufgeteilt. Für eine komplette Runde am Morgen brauchen die Teams vier bis viereinhalb Stunden – vorausgesetzt, das Wetter spielt mit. Das Ziel: Die Straßen sollen geräumt sein, bevor der Berufsverkehr anrollt.
Im Bauhof an der Feldstraße in Logabirum lagern derzeit rund 120 Tonnen Salz und etwa 40.000 Liter Sole. Insgesamt bietet das Lager Platz für 460 Tonnen Salz und 65.000 Liter Sole. Die Vorräte sind also gut gefüllt. „Der Nachschub für die gesamte Wintersaison ist gesichert“, betont Kreissprecher Philipp Koenen. Allerdings komme es aktuell zu Wartezeiten bei der Anlieferung, da alle Kommunen gleichzeitig Nachschub benötigten.