Hannover Werbeverbot für Alkohol? Wir haben es doch schon längst verstanden!
Viele Menschen verzichten im Januar freiwillig auf Alkohol, Niedersachsens Gesundheitsminister fordert dazu ein bundesweites Werbeverbot. Das mag gut gemeint sein – aber tut überhaupt nicht Not.
Ja, Alkohol schadet. Fast 15 Prozent der Bevölkerung trinken täglich gesundheitsgefährdende Mengen, zehntausende Menschen sterben jährlich an alkoholbedingten Krankheiten, fast 60 Milliarden Euro Folgekosten lasten durch das Nervengift jährlich auf der Gesellschaft. Eigentlich weiß jeder: Alkohol ist schädlich.
Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) reicht das nicht; er will auch ein Werbeverbot für alkoholische Produkte. Das klingt erst einmal einleuchtend. Auch beim Tabakkonsum bestätigt schließlich jahrelange Forschung: Dank Werbeverboten fangen weniger Menschen an zu rauchen – und hören eher wieder auf, wenn sie es doch tun.
Doch anders als das Rauchen ist der Konsum von Alkohol gesellschaftlich nicht nur akzeptiert, sondern kulturell tief verankert, wie Philippi selbst einräumt. Welches deutsche Fest dreht sich nicht insgeheim um den Konsum großer Mengen der Volksdroge? Ob nun auf Plakaten für Alkohol geworben wird, oder nicht: Auf Volksfesten, Schützenfesten oder beim Karneval werden Nachbarn, Schützenbrüder und Karnevalisten weiterhin dafür sorgen, dass das Bier dort weiterfließt.
Hinzu kommt: Obwohl Werbung für alkoholische Produkte an nahezu jeder Litfaßsäule, zwischen vielen TV-Sendungen und in sozialen Netzwerken omnipräsent ist, sinkt der Alkoholkonsum in Deutschland seit Jahrzehnten – und das sogar deutlich. Jeder fünfte Deutsche trinkt gar keinen Alkohol, unter 18- bis 24-Jährigen ist es sogar jeder vierte. Der Pro-Kopf-Verbrauch sinkt seit Jahren, vor allem unter Männern; besonders beim Bier: Der durchschnittliche Deutsche trinkt heute 88 Liter Bier pro Jahr, im Jahr 2000 waren es noch 126 Liter.
Unter jungen Menschen ist die Abkehr vom Alkohol noch stärker: Nur jeder vierte Jugendliche trinkt überhaupt noch regelmäßig Bier und nur rund 7 Prozent der Mädchen und gut 12 Prozent der Jungen im Alter von 12 bis 17 Jahren geben an, mindestens einmal wöchentlich Alkohol zu trinken – das sind weniger als halb so viele wie noch 2004. Dass Alkohol schädlich ist, haben die Bürger also längst verstanden – auch ganz ohne Werbeverbot.