Berlin Austrittswelle beim ADAC wegen Werbung für CO2-Preis: Ein Irrtum war das nicht
Der ADAC hat es in einem Interview mit unserer Redaktion als sinnvoll bezeichnet, das Tanken von Sprit allmählich teurer zu machen als das Tanken von Strom. Jetzt fühlen sich viele Autofahrer verraten. Warum nur?
Der ADAC galt jahrzehntelang nicht nur als Deutschlands wichtigster Pannenhelfer. Der Automobilclub galt auch als Cheflobbyist des „freien Autofahrers“, als Vorkämpfer für billigen Sprit und als Bollwerk gegen jedes Tempolimit.
Allerdings beschäftigt man sich in der Münchner Zentrale schon seit Langem mit der Frage, wie es zu schaffen ist, dass das Autofahren der Umwelt und dem Klima weniger schadet. Es hat also eine Perspektiverweiterung stattgefunden: weniger Fokus auf PS-zentrierte Autofahrerhirne, mehr Fokus auf die ganze Gesellschaft und künftige Generationen. Deswegen ist der ADAC nicht mehr grundsätzlich gegen Tempolimits. Deswegen ist der ADAC ein Fan des Deutschlandtickets. Und deswegen ist der ADAC ein Fan von E-Autos.
Das hat freilich bislang kaum jemand mitbekommen. Was auch daran lag, dass der ADAC von der Medienöffentlichkeit stur als nationale Warnsirene genutzt wird, wenn es an den Zapfsäulen Ausschläge nach oben (nicht nach unten!) gibt. Vielleicht wäre es auch so geblieben, hätte Verkehrspräsident Hillebrand unserer Redaktion nicht ein tolles Interview gegeben. Toll, weil Herr Hillebrand darin bislang verdrängte Positionen des ADAC wunderbar klar auf den Punkt bringt.
Zwei Schlüsselsätze: „Der ADAC hält die CO2-Bepreisung für ein richtiges Instrument, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Die Leute brauchen den Anreiz, um auf klimaschonende Alternativen zum Diesel und Benziner umzusteigen.“ Die unmissverständliche Botschaft: Der Sprit sollte perspektivisch teurer werden, damit die Leute in E-Autos umsteigen.
Der ADAC vertritt damit grundsätzlich die gleiche Position wie Kanzler Friedrich Merz. Der hat zwar in Brüssel für ein Aus des europäischen Verbrenner-Aus ab 2035 gesorgt, hält aber die Bepreisung von Treibhausgas, die das Tanken und Heizen mit Öl und Gas immer teurer macht, für den Königsweg im Kampf gegen die Erderwärmung.
Das Problem für den ADAC: Der Automobilclub droht gerade genauso unbeliebt wie der Kanzler und seine CDU zu werden. Hillebrands Interview hat jedenfalls eine Austrittswelle ausgelöst. Erzürnte Ex-Mitglieder posten in sogenannten Social-Media-Kanälen ihre Austrittserklärungen.
Betrüblich daran ist, dass die Welle der Empörung mal wieder den Blick auf das Wesentliche verstellt. Natürlich will der ADAC nicht von heut auf morgen den Sprit-Hammer einführen. Natürlich verlangt der ADAC von der Politik und von den Autobauern, viel mehr zu tun, damit klimaschonendes Autofahren für alle erschwinglich und einfach wird. Aber, um noch mal Gerhard Hillebrand zu zitieren: „So zu tun, als gäbe es den Klimawandel nicht, wäre ein fataler Irrweg.“