Breitband  Darf sich Wiesmoor 2026 auf schnelles Internet freuen?

Nicole Böning
|
Von Nicole Böning
| 31.12.2025 09:55 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Unter den 12.500 Breitband-Anschlüssen des Eigenbetriebs Breitbandnetz Landkreis Aurich warten auch 40 Schulen in der zweiten Ausbaustufe auf ihren Glasfaseranschluss. Dürfen sie auf 2026 hoffen? Symbolfoto: Pixabay
Unter den 12.500 Breitband-Anschlüssen des Eigenbetriebs Breitbandnetz Landkreis Aurich warten auch 40 Schulen in der zweiten Ausbaustufe auf ihren Glasfaseranschluss. Dürfen sie auf 2026 hoffen? Symbolfoto: Pixabay
Artikel teilen:

Tausende Haushalte, Unternehmen und Schulen im Landkreis Aurich warten seit Jahren auf schnelles Internet – auch in Wiesmoor. Viele Jahre wurden sie vertröstet. Kommt 2026 endlich der Durchbruch?

Wiesmoor - „Wir meißeln unsere Nachrichten demnächst in Granit und schicken sie dann mit einem Reiter los – das wird vermutlich schneller gehen als per Internet“, schreibt Eike Scherler über WhatsApp. Was den Wiesmoorer aus der Bentstreeker Straße im Ortsteil Marcardsmoor so wütend macht, ist die Frage: „Habt ihr inzwischen schnelles Internet?“

Landrat Olaf Meinen (parteilos) im März 2021 beim ersten Spatenstich zum Breitbandausbau im Landkreis Aurich. Schon damals war das Projekt um eineinhalb Jahre verspätet. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Landrat Olaf Meinen (parteilos) im März 2021 beim ersten Spatenstich zum Breitbandausbau im Landkreis Aurich. Schon damals war das Projekt um eineinhalb Jahre verspätet. Foto: Klaus Ortgies/Archiv

Nein, noch immer nicht. Dabei ist die Hausleitung bereits gelegt und alles bereit für den Empfang. Nur auf die notwendige Fritzbox wartet er noch. Doch statt längst von den Vorzügen eines Breitband-Anschlusses zu profitieren, stößt seine alte Telefonleitung immer mehr an ihre Grenzen. „Das Internet wird gefühlt immer langsamer“, schreibt Scherler.

Frust statt Fortschritt: Alltag ohne schnelles Internet

Der selbstständige Glockengießer ist am Verzweifeln. Die neue Software für elektronische Rechnungen funktioniert nicht, weil die Verbindung zu schwach ist. „Ich zahle ab Januar monatlich für eine Software, die ich nicht einmal nutzen kann. Ich muss alles digitalisieren und kann es nicht, weil wir in diesem Land leben wie in der Wüste“, schildert Scherler. „Ich kann teilweise nicht einmal E-Mails mit PDF-Anhang verschicken.“

Wer im Landkreis Aurich abseits der Zentren lebt, muss Geduld beim Warten auf schnelles Internet haben. Foto: Pixabay
Wer im Landkreis Aurich abseits der Zentren lebt, muss Geduld beim Warten auf schnelles Internet haben. Foto: Pixabay

Die Wut ist groß bei den Wiesmoorern, die mit insgesamt 11.400 anderen Haushalten im Landkreis Aurich noch immer auf schnelles Internet durch die Kooperation des Landkreises Aurich mit dem Internetanbieter Vodafone warten. Die Zahl ergibt sich aus den offiziellen Angaben des Landkreises Aurich zu den beiden Ausbaustufen des Breitbandprojekts.

Zahlen, die ernüchtern: Wer im Landkreis Aurich noch wartet

In der ersten Ausbaustufe sollten eigentlich rund 7.500 Haushalte bereits lange angeschlossen sein, in der zweiten Ausbaustufe weitere 5.000 folgen. Zusammen bekommen also rund 12.500 Haushalte schnelles Internet durch den Eigenbetrieb Breitbandnetz Landkreis Aurich. Laut aktuellen Angaben der Pressestelle sind jedoch in der ersten Ausbaustufe bislang nur etwa 1.100 Anschlüsse freigeschaltet. Seit April 2025 hat sich die Anzahl nicht wesentlich erhöht.

Für weitere rund 2.000 Adressen ist die technische Dokumentation zwar bereits abgeschlossen, die Anschlüsse wurden aber noch nicht an Vodafone als Netzbetreiber übergeben. Sie sind somit noch nicht nutzbar. Besonders tragisch: Allein in der zweiten Ausbaustufe warten noch etwa 900 Gewerbetreibende auf den Breitbandausbau – und 40 Schulen.

Glasfaser-Anschluss in Wiesmoor: Termine werden gerissen

Ursprünglich sollte das schnelle Internet längst verfügbar sein. Als der Mullberger Manfred Kruse (Name geändert) im Klosterweg am 19. September 2019 den Vorvertrag mit Vodafone unterschrieben hatte, hatte es noch geheißen, der Anschluss werde in ein bis zwei Jahren freigeschaltet – also spätestens 2021. Doch mehr als sechs Jahre später wartet er mit Tausenden anderen noch immer.

Schon der Start des Ausbaus verzögerte sich. Er konnte erst im Frühjahr 2021 beginnen, weil die europaweiten Ausschreibungen, die Vergabe der Fördermittel, die Planungen und Genehmigungen sowie die Auswirkungen der Corona-Pandemie das Projekt um rund anderthalb Jahre verzögerten.

Internet-Probleme in Wiesmoor: Familien setzen auf Notlösungen

Danach ging es jedoch schnell: Bei den Kruses im Klosterweg war der Hausanschluss bereits im Februar 2022 fertig. Vor mehr als einem Jahr wurde der Hausübergabepunkt installiert. Hier werden die Lichtsignale der Glasfaserleitung in elektrische Signale umgewandelt. Jetzt fehlt auch bei ihnen nur noch der Router, um das Einfamilienhaus ans Netz zu bringen. Nachdem die Box installiert war, hatten die Kruses noch gehofft, dass es mit dem Internetanschluss schnell gehen würde.

„Wir hatten zwischenzeitlich auf Starlink gesetzt, das System dann aber weiterverkauft“, sagt Manfred Kruse. Die Familie hatte damit gerechnet, jederzeit angeschlossen zu werden. Ein Fehler. Jetzt ringen die Familienmitglieder um die beschränkte Bandbreite per LTE-Funkverbindung. „Filme können wir nicht streamen und wenn die Kinder im Netz sind, bleibt für uns nichts übrig“, sagt Manfred Kruse und lacht bitter.

Warum verzögert sich der Breitbandausbau im Landkreis Aurich?

Warum es so lange dauert, liegt laut dem Landkreis Aurich aktuell vor allem an der Dokumentation. Immer wieder lieferten die beauftragten Tiefbaufirmen fehlerhafte oder unvollständige Dokumentation ab, heißt es. Diese Unterlagen sind jedoch Voraussetzung dafür, dass die Anschlüsse an Vodafone übergeben und freigeschaltet werden können.

Das bestätigte auch der Leiter des kreiseigenen Breitband-Betriebs, Matthias Hayen, im Oktober 2025 im zuständigen Kreistags-Ausschuss. Hinzu kamen laut Hayen ein „enormer Personalwechsel“ bei einzelnen Tiefbaufirmen, sodass die ursprünglich verantwortlichen Mitarbeiter nicht mehr zur Verfügung standen.

Darum übernimmt die öffentliche Hand den Ausbau

Auch Mängel an Straßen, Gehwegen und Grundstückszufahrten sowie eine schleppende Bauüberwachung verzögerten das Projekt. Die Folge war ein „Pingpong-Spiel“ zwischen Bauunternehmen, Planungsbüro und Landkreis, das den Zeitplan immer weiter nach hinten verschob – so die offizielle Darstellung des Landkreises in mehreren Stellungnahmen.

Der Landkreis übernimmt den Breitbandausbau, weil die großen Anbieter die ländlichen Gebiete sonst nicht oder nur sehr langsam erschließen würden. Auf diese Weise sollen die Haushalte im Kreisgebiet auch dort schnelles Internet bekommen, wo der Markt versagt. Doch wie geht es jetzt weiter mit diesem Plan – und können sich die Wiesmoorer 2026 endlich auf schnelles Internet freuen?

Kommt 2026 endlich schnelles Internet nach Wiesmoor?

Der Landkreis Aurich betont, dass die aktuellen Zeitpläne nun belastbar sind. Nach Angaben der Pressestelle sollen bis Mitte 2026 alle noch ausstehenden Anschlüsse an Vodafone übergeben werden. Dann kann der Netzbetreiber die Anschlüsse freischalten. Doch wie schnell das tatsächlich geht, bleibt offen. Denn auch Vodafone muss dafür weitere Firmen beauftragen, was zu Verzögerungen führen kann.

Für Eike Scherler und viele andere Betroffene bedeutet das: Sie müssen sich gedulden. In der offiziellen Bauverlaufsplanung ist für Scherlers Adresse an der Bentstreeker Straße und die Kruses aus dem Klosterweg die Übergabe der Unterlagen an Vodafone ab Februar 2026 geplant. Danach kann es noch Wochen oder Monate dauern, bis der Anschluss tatsächlich nutzbar ist. Es sieht jedoch gut aus, dass es noch im Jahr 2026 mit dem schnellen Internet klappen könnte.

Die Betroffenen bleiben skeptisch – allein in Wiesmoor sind es rund 850 Haushalte. Nach Jahren der Vertröstungen ist das Vertrauen in die Zeitpläne gering. Einige nutzen bereits Internet-Alternativen wie Starlink oder LTE. Die Hoffnung auf schnelles Internet jedoch lebt weiter – aber sie wird weiter auf eine harte Probe gestellt.

Ähnliche Artikel