Emden Zum 14. Mal feiern sie Silvester im Wohnmobil am Delft
Was zieht Wohnmobilisten an den Delft in Emden? Wir haben uns umgeschaut und sind auf ganz besondere Pärchen gestoßen.
Emden - 50 Plätze voll belegt. Mehr geht fast nicht. Und wenn an diesem Montagvormittag zwischen den Jahren doch noch einmal jemand den Stellplatz am Binnenhafen in Emden mit seinem Wohnmobil verlässt, schließt schon das nächste Wohnmobil die Lücke. Die meisten bleiben ohnehin über Silvester. Viele sind schon eine ganze Weile da.
Wie das Ehepaar Ingrid (89) und Uwe Walz (80). Die beiden haben sich nicht nur den besten Stellplatz mit Aussicht aufs Wasser gesichert. Sie sind für diesen Platz oberhalb des Rundweges schon am 1. Dezember 2025 aus Wohltorf bei Hamburg hergekommen. „Das 14. Mal in Folge“, sagen die beiden. „Und wir bleiben bis nach Neujahr. Immer vier Wochen. Silvester in Emden, das ist einfach ein Muss.“
Früher durch die Welt, jetzt in Emden
Früher, so erzählt der ambitionierte und preisgekrönte Tierfotograf Uwe Walz, sei er durch die ganze Welt gereist. 40 Jahre lang überall dorthin, wo Sensationelles zu erwarten war. Für ein gutes Foto von einem Krokodil mit Schmetterling auf der Nase bis nach Brasilien, nach Kanada für spektakuläre Aufnahmen von Eisbären oder in die Wüste nach Namibia. Mit dem Ruhestand als Anlageberater hat er sich auf seine Irmgard besonnen und sein Hobby heruntergeschraubt. „Jetzt gebe ich meiner Frau die Zeit zurück, die ich vorher allein unterwegs war.“
Wirklich weniger aufregend sei es in Emden nicht, lacht er. „Silvester haben wir hier vom Wohnmobil aus das tollste Feuerwerk der Welt.“ Auf dem Steg tummeln sich die Menschen aus dem umliegenden Wohnquartier und die Wohnmobilisten. Der Treffpunkt an Schreyers Hoek ist gut besucht. Und über dem Delft entzünden sich die schönsten Raketen, schwärmen beide. „Wir haben den besten Panoramablick.“
Tourismus für die arme Stadt
Und trotzdem auch einen kritischen Blick auf die Entwicklung in Emden. Uwe Walz vermisst seit Langem seinen Herrenausstatter in der Brückstraße. Auch in der Großen Straße beklagt er Ladenleerstände. Es sei einfach an der Zeit, dass die Stadt Emden jetzt in die Infrastruktur investiere und die Straßen wieder aufbaue. „Wir tragen gerne dazu bei“, sagen die beiden. „Wir kommen, kurbeln den Tourismus an und bringen unser Geld in die Stadt, damit sie wieder schön wird.“
Dabei sind die Kosten für den Stellplatz überschaubar. 20 Euro pro Tag inklusive Strom. Anderswo ist es teurer. Wer duschen will, zahlt einen Euro für sieben Minuten heißes Wasser. Der Toilettenbesuch kostet 50 Cent. Sieht man sich auf dem Platz um, kommt da einiges zusammen. „Aber doch wohl eher für den Betreiber AG Ems als für die Stadt“, wissen die beiden.
Freunde gefunden
Trotzdem: Es ist der Standort mitten in der Stadt, von wo aus man schnell mal essen gehen kann. Der Supermarkt ist nicht weit. Längst haben die beiden auch enge Freundschaften mit Emdern geschlossen. Eine Freundin wohnt hoch oben in Schreyers Hoek. Ein ehemaliger Hafenkapitän weckt die beiden jeden Morgen beim Rundgang mit dem Hund. „Nach Emden zu kommen ist ein bisschen wie nach Hause zu kommen.“
Ganz so verwurzelt sind Burghard und Dagmar Karp aus Marl (Nordrhein-Westfalen) noch nicht in Emden. „Aber wir arbeiten dran“, sagt Burghard Karp. Die beiden sind jetzt schon zum fünften Mal über Silvester in der Stadt. Sie kommen auch regelmäßig im Sommer und genießen Radtouren durch Ostfriesland. „Es ist einfach ideal: Wir sind in zweieinhalb Stunden hier und haben Urlaub.“
Unbezahlbarer Blick
Die Nähe zur Innenstadt, fußläufig zu den Restaurants, direkt am Wasser: Das sind auch die Kriterien für Dagmar und Hardy Tiede, um sich aktuell zum dritten Mal für Emden zu entscheiden. Die beiden aus Kleve (Nordrhein-Westfalen) freuen sich aufs Silvesterfeuerwerk über dem Delft.
Was führt die Wohnmobilisten sonst noch nach Emden? Nicht zu vergessen sei der Engelkemarkt, der in diesem Jahr so wunderbar leuchte wie nie zuvor, betont Uwe Walz. Er kann das beurteilen, sieht er ihn doch schon zum 14. Mal. Das Ehepaar Walz hat etwas übrig für schöne Weihnachtsdekoration. Wer sie auf dem Stellplatz unter all den anderen Urlaubern sucht, wird schnell fündig. „Wir haben das schönste Wohnmobil“, sagen die beiden. „Jedenfalls in der Weihnachtszeit.“ Jeden Abend fotografierten sich vor ihrem weihnachtlich geschmückten Wagen Pärchen. „Das ist kostenlos“, gibt Walz jedem mit auf den Weg. Der Blick aus seinem Wohnwagen sei ohnehin unbezahlbar.