Borro in Leer Chefarzt warnt – Feuerwerk füllt Krankenhäuser
Das Borromäus-Hospital Leer behandelt immer wieder Menschen, die sich beim Umgang mit Feuerwerkskörpern verletzen. Der Chefarzt der Handchirurgie warnt. Besonders eine Entwicklung macht ihm Sorgen.
Leer - Zu Silvester und Neujahr gehören für viele Menschen Böller und Raketen traditionell dazu. Doch die Gefahren werden weiterhin unterschätzt. Das Borromäus Hospital Leer behandelt jedes Jahr Patienten, die sich beim Zünden von Feuerwerk verletzt haben.
„Wir sehen ein breites Spektrum an Verletzungen. Das beginnt bei kleineren Verbrennungen, geht aber auch bis hin zu schweren Verletzungen, bei denen sogar Teile der Hand durch den explosionsartigen Druck vollständig abgesprengt werden können“, betont Dr. Knut Busching, Chefarzt der Abteilung für Plastische-, Hand- und Ästhetische Chirurgie am Borromäus-Hospital. Solche Verbrennungen können bei falscher Handhabung auch durch vermeintlich harmloses Feuerwerk wie Wunderkerzen entstehen, sie erreichen beim Abbrennen Temperaturen um die 1000 Grad Celsius.
Natürlich steht das Borro damit nicht allein da. Die deutschen Krankenhäuser waren in der Silvesternacht 2024/25 durch feuerwerksbedingte Verletzungen wieder übermäßig stark belastet, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit. „Die Zahl der besonders schwer Verletzten, die stationäre Versorgung benötigten, hat sich im Vergleich zum Jahresdurchschnitt vervierfacht.“ Das belege eine Datenauswertung der Deutschen Krankenhausgesellschaft.
Gefahr mit neuer Dimension: Sprengkörper statt Böller
Am vergangenen Jahreswechsel habe sich eine Entwicklung gezeigt: In einigen Städten sind illegale Sprengkörper gezündet worden, die eher an Bomben erinnern als an Silvesterknaller, so Busching. Menschen hatten dabei ihr Leben verloren. Auch in diesem Jahr scheinen manche nicht davor zurückzuschrecken, mit solchen illegalen Sprengkörpern zu hantieren: Zollfahnder haben in einer Wohnung in Schwaben mehr als 200 gefährliche Kugelbomben entdeckt, schreibt die Deutsche Presseagentur am 18. Dezember.
Verdächtig ist ein 26-Jähriger, der die hochexplosiven Sprengkörper für sich und neun weitere Beschuldigte in Osteuropa bestellt haben soll. Die Sprengkörper sind aufgrund ihrer Gefährlichkeit nicht für den Privatgebrauch zugelassen. Der Abtransport und die weitere Lagerung der hochexplosiven Sprengkörper mussten den Angaben nach von einem darauf spezialisierten Unternehmen übernommen werden.
Chefarzt erklärt, wen es am häufigsten trifft – Schlimme Folgen
Besonders häufig seien Jugendliche und junge Erwachsene von solchen Verletzungen betroffen, meist durch Übermut oder eine falsche Einschätzung der Gefahr. Jedoch können auch Unbeteiligte zu Schaden kommen, etwa durch fehlgeleitete Raketen oder Feuerwerkskörper, die aus der Menge heraus geworfen werden.
Auch für Kinder können Böller und Co. eine besondere Gefahr darstellen, warnt Busching: „Oft kommt es vor, dass Kinder am Neujahrstag auf die Suche nach Feuerwerkskörpern gehen, die nicht gezündet haben, um diese dann zur Explosion bringen wollen. Dadurch kann es zu schweren Handverletzungen kommen.“ Verletzungen durch Feuerwerk können nicht selten zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen, „dadurch, dass auch die Sehnen oder Gefäße Schaden nehmen können, kann nach so einer Verletzung ein Taubheitsgefühl, oder eine Einschränkung der Motorik der Finger zurückbleiben“, erklärt der Handchirurg.
Tipps vom Handchirurgen, wie man ihn nicht zu Gesicht bekommt:
• Feuerwerkskörper sollten nur im Fachhandel erworben werden, hierbei ist wichtig, auf das CE-Zeichen und die BAM-Prüfnummer zu achten
• Keine selbstgebauten oder manipulierten Feuerwerkskörper zünden
• Feuerwerkskörper, die nicht explodiert sind, nicht noch einmal zünden
• Wer Alkohol getrunken hat, sollte die Finger von Feuerwerkskörpern lassen
• Feuerwerk sollte nicht aus der Hand, sondern auf dem Boden (Böller) oder aus einer standsicheren Getränkekiste (Raketen) abgeschossen werden