Borro in Leer  Chefarzt warnt – Feuerwerk füllt Krankenhäuser

Vera Vogt
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Von Vera Vogt
| 30.12.2025 10:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dr. Knut Busching ist Chefarzt der Abteilung für Plastische-, Hand- und Ästhetische Chirurgie am Borromäus-Hospital. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
Dr. Knut Busching ist Chefarzt der Abteilung für Plastische-, Hand- und Ästhetische Chirurgie am Borromäus-Hospital. Foto: Klaus Ortgies/Archiv
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Das Borromäus-Hospital Leer behandelt immer wieder Menschen, die sich beim Umgang mit Feuerwerkskörpern verletzen. Der Chefarzt der Handchirurgie warnt. Besonders eine Entwicklung macht ihm Sorgen.

Leer - Zu Silvester und Neujahr gehören für viele Menschen Böller und Raketen traditionell dazu. Doch die Gefahren werden weiterhin unterschätzt. Das Borromäus Hospital Leer behandelt jedes Jahr Patienten, die sich beim Zünden von Feuerwerk verletzt haben.

Ein illegaler Böller explodiert während einer Pressevorführung der Berliner Feuerwehr in der Hand einer Puppe. Foto: Soeren Stache/dpa
Ein illegaler Böller explodiert während einer Pressevorführung der Berliner Feuerwehr in der Hand einer Puppe. Foto: Soeren Stache/dpa

„Wir sehen ein breites Spektrum an Verletzungen. Das beginnt bei kleineren Verbrennungen, geht aber auch bis hin zu schweren Verletzungen, bei denen sogar Teile der Hand durch den explosionsartigen Druck vollständig abgesprengt werden können“, betont Dr. Knut Busching, Chefarzt der Abteilung für Plastische-, Hand- und Ästhetische Chirurgie am Borromäus-Hospital. Solche Verbrennungen können bei falscher Handhabung auch durch vermeintlich harmloses Feuerwerk wie Wunderkerzen entstehen, sie erreichen beim Abbrennen Temperaturen um die 1000 Grad Celsius.

Ein Team führt eine Hand-OP durch. Symbolfoto: Robert Michael/dpa
Ein Team führt eine Hand-OP durch. Symbolfoto: Robert Michael/dpa

Natürlich steht das Borro damit nicht allein da. Die deutschen Krankenhäuser waren in der Silvesternacht 2024/25 durch feuerwerksbedingte Verletzungen wieder übermäßig stark belastet, teilte die Deutsche Krankenhausgesellschaft mit. „Die Zahl der besonders schwer Verletzten, die stationäre Versorgung benötigten, hat sich im Vergleich zum Jahresdurchschnitt vervierfacht.“ Das belege eine Datenauswertung der Deutschen Krankenhausgesellschaft.

Gefahr mit neuer Dimension: Sprengkörper statt Böller

Am vergangenen Jahreswechsel habe sich eine Entwicklung gezeigt: In einigen Städten sind illegale Sprengkörper gezündet worden, die eher an Bomben erinnern als an Silvesterknaller, so Busching. Menschen hatten dabei ihr Leben verloren. Auch in diesem Jahr scheinen manche nicht davor zurückzuschrecken, mit solchen illegalen Sprengkörpern zu hantieren: Zollfahnder haben in einer Wohnung in Schwaben mehr als 200 gefährliche Kugelbomben entdeckt, schreibt die Deutsche Presseagentur am 18. Dezember.

Ein Feuerwerker hält eine Kugelbombe für professionelles Feuerwerk in der Hand. Durch den unsachgemäßen Gebrauch illegal beschaffter Kugelbomben an Silvester sind schwere Verletzungen und schwere Beschädigungen passiert. Foto: Federico Gambarini/dpa
Ein Feuerwerker hält eine Kugelbombe für professionelles Feuerwerk in der Hand. Durch den unsachgemäßen Gebrauch illegal beschaffter Kugelbomben an Silvester sind schwere Verletzungen und schwere Beschädigungen passiert. Foto: Federico Gambarini/dpa

Verdächtig ist ein 26-Jähriger, der die hochexplosiven Sprengkörper für sich und neun weitere Beschuldigte in Osteuropa bestellt haben soll. Die Sprengkörper sind aufgrund ihrer Gefährlichkeit nicht für den Privatgebrauch zugelassen. Der Abtransport und die weitere Lagerung der hochexplosiven Sprengkörper mussten den Angaben nach von einem darauf spezialisierten Unternehmen übernommen werden.

Chefarzt erklärt, wen es am häufigsten trifft – Schlimme Folgen

Besonders häufig seien Jugendliche und junge Erwachsene von solchen Verletzungen betroffen, meist durch Übermut oder eine falsche Einschätzung der Gefahr. Jedoch können auch Unbeteiligte zu Schaden kommen, etwa durch fehlgeleitete Raketen oder Feuerwerkskörper, die aus der Menge heraus geworfen werden.

Reste vom Feste: Auf einer Straße liegen abgebrannte Böller und Raketen der vergangenen Silvesternacht. Foto: Pia Bayer/dpa
Reste vom Feste: Auf einer Straße liegen abgebrannte Böller und Raketen der vergangenen Silvesternacht. Foto: Pia Bayer/dpa

Auch für Kinder können Böller und Co. eine besondere Gefahr darstellen, warnt Busching: „Oft kommt es vor, dass Kinder am Neujahrstag auf die Suche nach Feuerwerkskörpern gehen, die nicht gezündet haben, um diese dann zur Explosion bringen wollen. Dadurch kann es zu schweren Handverletzungen kommen.“ Verletzungen durch Feuerwerk können nicht selten zu einer Einschränkung der Lebensqualität führen, „dadurch, dass auch die Sehnen oder Gefäße Schaden nehmen können, kann nach so einer Verletzung ein Taubheitsgefühl, oder eine Einschränkung der Motorik der Finger zurückbleiben“, erklärt der Handchirurg.

Ein Entschärfer des Kampfmittelräumdienstes zeigt auf einem Gelände der Feuerwehr verbotene Pyrotechnik. Foto: Bodo Marks/dpa
Ein Entschärfer des Kampfmittelräumdienstes zeigt auf einem Gelände der Feuerwehr verbotene Pyrotechnik. Foto: Bodo Marks/dpa

Tipps vom Handchirurgen, wie man ihn nicht zu Gesicht bekommt:

• Feuerwerkskörper sollten nur im Fachhandel erworben werden, hierbei ist wichtig, auf das CE-Zeichen und die BAM-Prüfnummer zu achten

• Keine selbstgebauten oder manipulierten Feuerwerkskörper zünden

• Feuerwerkskörper, die nicht explodiert sind, nicht noch einmal zünden

• Wer Alkohol getrunken hat, sollte die Finger von Feuerwerkskörpern lassen

• Feuerwerk sollte nicht aus der Hand, sondern auf dem Boden (Böller) oder aus einer standsicheren Getränkekiste (Raketen) abgeschossen werden

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