Kreis Pinneberg „Last Christmas“ oder „Stille Nacht“: Was macht ein gutes Weihnachtslied aus?
Was macht ein Lied zum Weihnachtslied? Ist „Last Christmas“ noch zu retten? Und warum sollte jeder Weihnachtslieder singen? Ein junger Komponist erklärt, was es mit der musikalischen Weihnachtsstimmung auf sich hat und welches Lied er wirklich gar nicht mag.
Kein Advent, kein Weihnachtsfest ohne die passende Musik. Für die einen ist das „Last Christmas“ oder „All I Want for Christmas Is You“, für die anderen „Stille Nacht“ und „O du fröhliche“. Aber egal ob Charthit, Kirchen- oder Volksweise: Was macht eigentlich ein gutes Weihnachtslied aus? Wir haben bei einem Musiker nachgefragt.
Freddi Sturm hat gerade selbst ein Weihnachtslied geschrieben. Komponieren gehört zu seinem Beruf. Er ist Musiker, studierte Musikerziehung, Jazzgesang und Komposition, hat in diesem Jahr gleich zwei Alben veröffentlicht, spielt Konzerte mit seinem Quartett und leitet seit sechs Jahren mit viel Energie den Ellerbeker Hardchor. Aus Ellerbek (Kreis Pinneberg, Schleswig-Holstein) stammt er auch selbst.
Sein Weihnachtslied „Wann wird’s mal wieder richtig Winter“ erinnert an Rudi Carells Sommerhit und das soll es auch. Es greift das Lamentieren übers Wetter auf, weist aber darauf hin, dass sich der Mensch nicht seiner Verantwortung entziehen soll. „Weihnachtslieder können fröhlich sein, feierlich, dürfen aber auch nachdenklich machen. Die Gesellschaft braucht Weihnachten“, ist sich der Ellerbeker sicher, „allerdings nicht mit dem Black-Friday-Wahnsinn vorweg.“
Die Atmosphäre in den ersten Tönen sei wichtig und der erste Satz. „Ein Weihnachtslied muss sofort die Stimmung aufmachen“, sagt der 28-Jährige. Es lebe von Kontrasten, von warm und dunkel, von drinnen und draußen. Der unangefochtene Liebling unter den klassischen Weihnachtsliedern, „Stille Nacht“, habe genau das: eine ganz klare Atmosphäre. Auch durch die vielen Wörter, die ihrerseits wieder Klang und Stimmung beschreiben.
Bei Sturms zu Hause wurde früher im Advent Nils Landgren aufgelegt. Das habe ihn geprägt. Der Schwede, einer der erfolgreichsten europäischen Jazzmusiker, bringt seit inzwischen 20 Jahren Weihnachtsalben raus. Auf „Christmas with my friends“ spielen Landgren und seine Freunde eigene Arrangements bekannter und weniger bekannter Weihnachtslieder. Auch das gehöre zu Weihnachtsliedern: dass sie in Gemeinschaft gesungen werden.
Sie seien ein wahrer Schatz, ein Kanon, den alle kennen. „Das sollten wir uns zunutze machen“, rät der Musiker. „Es ist etwas Besonderes, das zusammen zu erleben.“ Wer das Gefühl habe, nicht gut singen zu können und sich deswegen nicht traue, solle einfach leise starten.
„Im Chor singen auch nicht alle gleich laut“, erklärt der 28-Jährige. „Wer aber einmal anfängt, der wird Stück für Stück mutiger.“ Das sei gut so, denn Angst höre man am Klang.
Und einen Tipp gibt er noch mit, um beim Singen richtig Freude zu haben: „Nicht zu doll darauf achten, ob der Text richtig ist.“ Wichtiger sei es, sich auf die Melodie, auf die Stimmung einzulassen. Für Weihnachtslied-Einsteiger rät er zu „Leise rieselt der Schnee“, weil das nicht so eine große Spannweite hat.
Freddi Sturm mag aber nicht nur Klassiker der Weihnachtsmusik. Mit dem jedes Jahr wieder polarisierenden Hit „Last Christmas“ hat er etwas Mitleid. „Es gehört zu den Liedern, die ständig und damit totgespielt werden. Dadurch wurde ihm der Zauber genommen, etwas Besonderes zu sein.“
Und welches Weihnachtslied würde es niemals in Freddi Sturms Playlist schaffen? „Heidi Klum hat 2006 mal ein Lied rausgebracht. Wonderland. Das hat mich nicht überzeugt“, sagt er diplomatisch. An Weihnachten soll man schließlich nett sein.