Osnabrück Was war das für ein Jahr! Trotz allem gibt es Grund zur Zuversicht
Konsumrausch und Kriegsrhetorik führen in den Tagen vor Weihnachten kaum zu besinnlicher Stimmung. Derzeit könnte man gar meinen, Hoffnung und Zuversicht seien fehl am Platz. Doch das stimmt so nicht.
Alle Jahre wieder. Die Innenstädte leuchten, die Kinderaugen ebenfalls. Überall erklingen die vertrauten Aufrufe zu Frieden und Besinnlichkeit, zu Versöhnung und Vergebung.
Und doch wirkt das mitunter schal. Gestern noch Konsumrausch, nachts der Hasskommentar im Internet, morgen die Silvesterparty – dazwischen Kriegsrhetorik und politischer Streit. Wer möchte unter solchen Vorzeichen wirklich Weihnachten feiern? Wer kann sich einlassen auf eine stille, auf eine heilige Nacht und tatsächlich zur Ruhe kommen – in der Familie oder allein?
Neben dem Stress des Alltags begleiten seit 2000 Jahren auch Armut und Elend das Weihnachtsfest. In vielen Teilen der Welt sind der Zugang zu sauberem Wasser, zu ausreichender Nahrung und zu medizinischer Versorgung weiterhin keine Selbstverständlichkeit. Kriege gehören noch immer zur Gegenwart.
Zugleich lohnt ein zweiter Blick auf die Welt – jenseits der düsteren Schlagzeilen. Sie verändert sich, aber anders, als oft behauptet wird. Global wächst die extreme Armut nicht, sie sinkt. Die Lebenserwartung steigt erheblich. Das Umweltbewusstsein nimmt vielerorts zu. Digitale Technologien eröffnen Millionen Menschen Zugang zu Bildung, Information und Kommunikation. Ganze Regionen entwickeln sich wirtschaftlich und kulturell mit bemerkenswerter Dynamik.
Das sind gute Nachrichten. Für Europa kommt es darauf an, klug zu reagieren. Stolz wäre der falsche Weg. Die Weihnachtsgeschichte erinnert eindringlich daran: Maria und Josef sind einfache Menschen. Jesus wird nicht in einem Palast geboren, sondern in einem Stall. Die ersten Zeugen seiner Geburt sind Hirten – gesellschaftliche Randfiguren, keine Mächtigen, keine Influencer, keine Staatenlenker.
Diese Erzählung mahnt bis heute. Außenseiter können die Welt verändern. Deutschland und Europa haben allen Grund, sich nicht auf einem hohen Ross zu wähnen. Und wer mit größerer Achtung auf die ganze Welt blickt, könnte sie auch den Mitmenschen zu Hause entgegenbringen. Die Vielfalt ist groß – die Potenziale sind es ebenso. Zur Feindseligkeit gibt es keinen Anlass, auch in Deutschland nicht. Hoffnung gedeiht in der direkten Umgebung und auch dann, wenn die alltägliche Erzählung eine andere ist. Es gibt auch Grund zur Zuversicht.
Verlag und Redaktion wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest.