Ruhestand  Im Remelser Modehaus ist nach 47 Jahren Schluss

Lars Löschen
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Von Lars Löschen
| 29.12.2025 07:04 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Heinz de Buhr hat 47 Jahre im Modehaus de Buhr in Remels gearbeitet. Foto: Lars Löschen
Heinz de Buhr hat 47 Jahre im Modehaus de Buhr in Remels gearbeitet. Foto: Lars Löschen
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Heinz de Buhr ist in seinem Modehaus in Remels groß geworden. Nun geht er nach fast fünf Jahrzehnten in den Ruhestand. Und was kommt jetzt?

Remels - „Ich könnte auch noch 20 Jahre weiterarbeiten. Aber wenn man nicht früh genug den Absprung findet, dann steht man als alter Haudegen allen anderen im Weg“, sagt Heinz de Buhr. Den Absprung will er während des Jahreswechsels machen. Das habe sich angeboten. Dann will sich der Geschäftsführer vom Modehaus de Buhr in Remels in den Ruhestand zurückziehen. „Ab dem 1. Januar ist Schluss“, sagt er. An der Entscheidung werde nicht mehr gerüttelt.

Heinz de Buhr hat vor allem die Kunden im Modehaus beraten. Foto: Lars Löschen
Heinz de Buhr hat vor allem die Kunden im Modehaus beraten. Foto: Lars Löschen

Heinz de Buhr ist in dem Modehaus groß geworden. Als Kind ging es immer von der Schule zum Betrieb. „Die Verkäufer haben mich mit großgezogen. Meine Eltern hatten nicht immer die Zeit“, sagt der 66-Jährige. Er pflegt noch den Kontakt zu allen Mitarbeitern von damals. „Die eine lebt jetzt in Kanada. Sie hat mich vor ein paar Tagen angerufen“, so de Buhr.

Ein Mitarbeiter ist noch länger dabei als Heinz de Buhr

1952 gründeten die Eltern von Heinz de Buhr – Heinrich und Hilde – das Unternehmen in Siebestock (Holtland). 1955 erfolgte dann der Umzug nach Remels in das Gebäude, das gegenüber vom heutigen Standort an der Höststraße steht. 1959 ist Heinz de Buhr geboren. Als kleiner Junge hat er sich mit den Kindern anderer Familienunternehmen aus Remels angefreundet. „Wir haben damals eine Clique gehabt“, sagt er. Die Kinder von Hoppmann, Bolte und dem alten Elektrogeschäft Hochhaus wuchsen ähnlich eigenständig wie Heinz de Buhr auf. Das verbindet. „Wir treffen uns heute noch“, so de Buhr.

Hilde und Heinrich de Buhr haben das Unternehmen gegründet. Foto: Lars Löschen
Hilde und Heinrich de Buhr haben das Unternehmen gegründet. Foto: Lars Löschen

Als Jugendlicher hat Heinz de Buhr viele Gardinenkästen gebaut. „So habe ich mir ein paar Mark dazuverdient“, sagt er. Nach dem Schulabschluss kam für ihn die Bundeswehr und schließlich die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Die hat er allerdings nicht im eigenen Modehaus gemacht, sondern im Textilgeschäft Georg Bengen in Großefehn. „Das war ganz witzig. Mein Kollege Dieter Hennig hatte eigentlich die Lehrstelle in Großefehn. Da hat mein Vater aber dafür gesorgt, dass Dieter hier anfängt und ich dann bei Bengen die Ausbildung mache“, sagt er. Dieter Hennig ist zwar eigentlich schon in Rente, aber arbeitet immer noch drei Tage die Woche im Remelser Modehaus. „50 Jahre ist er schon hier. Länger als ich“, sagt Heinz de Buhr und lacht. De Buhr hat erst nach seiner Ausbildung in seinem Modehaus angefangen. 47 Jahre war er hier aktiv.

Dieter Hennig (links) arbeitet seit 50 Jahren im Modehaus de Buhr. Anja Kampen ist bereits seit 43 Jahren dabei. Foto: Lars Löschen
Dieter Hennig (links) arbeitet seit 50 Jahren im Modehaus de Buhr. Anja Kampen ist bereits seit 43 Jahren dabei. Foto: Lars Löschen

Geputzte Aschenbecher für die Mode-Vertreter

Über die Jahrzehnte hat sich viel im Modegeschäft geändert. Wenn man heutzutage neue Kleidermarken im Laden haben will, muss man aktiv auf die Anbieter zugehen. Das war früher etwas anders. Bis Mitte der 80er-Jahre kamen die Vertreter noch nach Remels. „Einige haben die ganze Zeit geraucht. Die hatten die Zigarette nicht kalt. Für unseren Mustang-Vertreter hatten wir früher immer einen geputzten Aschenbecher stehen“, erinnert sich de Buhr. Zu dieser Zeit war im Remelser Modehaus auch noch eine Annahmestelle für Wolle. Landwirte konnten ihr Schafsfell vorbeibringen und Heinz de Buhr und seine Familie haben es dann nach Bad Zwischenahn zur Weiterverarbeitung gebracht.

Im Bereich der Treppe hängen mehrere alte Bilder. Foto: Lars Löschen
Im Bereich der Treppe hängen mehrere alte Bilder. Foto: Lars Löschen

1990 erfolgte für das Modehaus de Buhr der Umzug in den heutigen Standort. Von hier an übernahm Heinz de Buhr zusammen mit seinem älteren Bruder Johann die Geschäftsführung. „Vorher war mein Bruder mein Chef“, sagt er. Heute hat das Modehaus rund 30 Mitarbeiter und eine Verkaufsfläche von etwa 1700 Quadratmetern.

Mit 66 Jahren...

Heinz de Buhr macht im Modehaus nicht nur den Verkauf und die Kundenberatung. Wenn Kunden mit kaputten Reißverschlüssen oder abgerissenen Knöpfen kommen, ist er auch zur Stelle. „Ich würde sagen, ich bin ein Allrounder.“ Die Leitung des Geschäfts übernehmen im kommenden Jahr seine Frau Roswitha und sein Sohn Renke. Wer aber künftig die kaputte Kleidung der Kunden flickt, steht noch nicht fest. „Sie können ja sammeln und für mich bereitlegen“, scherzt er. „Aber ich bin ja nicht aus der Welt. Wenn etwas ist, dann verweigere ich mich nicht“, fügt der Noch-Geschäftsführer an.

Sohn Renke de Buhr wird ab dem kommenden Jahr das Modehaus de Buhr in Remels zusammen mit seiner Mutter leiten. Foto: Lars Löschen/Archiv
Sohn Renke de Buhr wird ab dem kommenden Jahr das Modehaus de Buhr in Remels zusammen mit seiner Mutter leiten. Foto: Lars Löschen/Archiv

Ebenso hängt noch in der Schwebe, was Heinz de Buhr in seiner Rente vorhat. „Erstmal muss ich mein Büro aufräumen und dann schauen wir mal“, sagt er. Langweilig werde ihm aber wahrscheinlich nicht. Denn: „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.“ So wie in dem Lied von Udo Jürgens will der 66-Jährige nun in ein neues Kapitel starten. „Vielleicht mache ich einen Motorrad-Führerschein? Nein, das wohl eher nicht“, scherzt Heinz de Buhr.

Heinz de Buhr will es im kommenden Jahr ruhiger angehen lassen. Foto: Lars Löschen
Heinz de Buhr will es im kommenden Jahr ruhiger angehen lassen. Foto: Lars Löschen

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