Hannover  Niedersächsische Schüler bekommen Tablets und Laptops – und wer kümmert sich drum?

Jonas E. Koch
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Von Jonas E. Koch
| 25.12.2025 06:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schüler arbeiten an einem Tablet: Die Digitalisierung in den Schulen schreitet voran. Foto: dpa/ Marcus Brandt
Schüler arbeiten an einem Tablet: Die Digitalisierung in den Schulen schreitet voran. Foto: dpa/ Marcus Brandt
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Ab dem kommenden Schuljahr werden die niedersächsischen Schüler nach und nach mit Tablets ausgestattet. Aber wer kümmert sich eigentlich um die Geräte? Und bekommen alle die gleiche Ausstattung?

Es ist eines der zentralen Projekte der niedersächsischen Landesregierung: Vom nächsten Schuljahr an sollen Schüler ab der siebten Klasse an allen Schulen ein kostenloses Leih-Tablet erhalten. Rund 800 Millionen Euro will die rot-grüne Koalition für tausende iPads und Android-Tablets ausgeben.

Die Beschaffung läuft bereits. Ursprünglich war überlegt worden, den Schulen die Anschaffung selbst zu überlassen. Doch die zentrale Beschaffung sei „Teil des Service“, hört man aus den Regierungsfraktionen dazu. „Für die Schulen bedeutet dies einen erheblichen organisatorischen Vorteil, da ein niedrigschwelliger Bestellvorgang über einen dafür eingerichteten Webshop erarbeitet wurde“, erklärt das Kultusministerium.

Die Ausschreibung für eine erste Charge an Tablets hat der landeseigene IT-Dienstleister ITN bereits Anfang Dezember gestartet. Dazu hatte das Kultusministerium den Haushaltsausschuss erst Anfang des Monats kurzfristig um 250 Millionen Euro gebeten – „wenige Minuten vor Beginn der Sitzung“, wie die CDU kritisiert. Es handelt sich um Geld des Bundes, das über das Sondervermögen für Investitionen an das Land überwiesen werden soll.

Auch, wenn in der öffentlichen Debatte meist von Tablets die Rede war – insgesamt werden vier Gerätetypen beschafft. Neben den Tablets der Betriebssysteme iPadOS und Android bestellt der landeseigene Dienstleister auch Laptops der Google-Marke Chromebook. Besonders für Schüler der berufsbildenden Schulen werden zudem Windows-Notebooks angeschafft.

„Diese Auswahl ermöglicht es den Schulen, das für ihre Bedürfnisse am besten geeignete Gerät zu beschaffen“, erläutert das Kultusministerium. Bis alle Schüler ausgestattet werden können, wird es allerdings noch dauern. Der Rahmenvertrag ermögliche es, im ersten Jahr bis zu 78.679 Schüler und bis zu 89.634 Lehrkräfte mit Geräten auszustatten, erklärte das Kultusministerium auf Anfrage. In den folgenden drei Jahren werden dann Geräte für die jeweiligen Schüler des 7. Jahrgangs und für die neu eingestellten Lehrkräfte beschafft.

Aber: „Es gibt bis heute kein klares Finanzierungskonzept, keine inhaltlichen und keine pädagogischen Konzepte“, kritisierte CDU-Fraktionschef Sebastian Lechner im Landtag die Maßnahme als „sozialdemokratische Gießkannen-Wahlversprechen“.

„Die Nutzung der Geräte trifft die Schulen nicht unvorbereitet, denn die digitale Bildung ist bereits Bestandteil ihrer Bildungsarbeit“, heißt es dazu aus dem Kultusministerium auf Anfrage. Ein sogenannter „Orientierungsrahmen“ gebe Handlungsempfehlungen für den Einsatz der Geräte.

Außerdem werden „die pädagogische Nutzung der Geräte durch ein umfassendes Fortbildungs- und Beratungsangebot unterstützt“, so das Kultusministerium. Beispielsweise bietet das Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung bereits Fortbildungen an. Dessen medienpädagogischen Berater unterstützen die Schulen bei Bedarf zusätzlich.

Eine Handreichung des Ministeriums, das wichtige pädagogische Fragen zur Nutzung der Geräte beantworten soll, ist derzeit in Arbeit. Das Kultusministerium will den Schulen „verlässliche Rahmenbedingungen bieten, die gleichzeitig individuelle Lösungen vor Ort ermöglichen“. Beispielsweise könne jede Schule selbst entscheiden, wann genau sie mit dem Einsatz starte.

Noch offen ist, wer sich um die Geräte kümmern soll. „Die Wartung können auf gar keinen Fall Lehrkräfte zusätzlich übernehmen, diese sind zum Unterrichten da und schon genug mit weiteren, vor allem zusätzlichen bürokratischen Aufgaben überlastet“, betont Torsten Neumann, Vorsitzender der Niedersächsischen Lehrerkräfte (VNL).

Wer die Administration übernimmt, klärt das Kultusministerium derzeit mit den kommunalen Spitzenverbänden. „Wir sind optimistisch, dass wir uns einigen können“, berichtet das Ministerium. „Wir müssen und wollen mit den Kommunen zu Lösungen kommen, die dauerhaft tragfähig sind und die sicherstellen, dass die digitalen Endgeräte in die bestehenden Strukturen effizient eingebunden werden.“

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