Jahresrückblick  VW Emden senkt Fabrikkosten um 30 Prozent

Martin Teschke
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Von Martin Teschke
| 27.12.2025 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Erfolgsmodell mit großem Hoffnungspotenzial: der ID.7 Tourer von VW Emden. Foto: Klaus Ortgies
Erfolgsmodell mit großem Hoffnungspotenzial: der ID.7 Tourer von VW Emden. Foto: Klaus Ortgies
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2025 war für den ostfriesischen Volkswagen-Standort mit seinen 8.000 Mitarbeitern ein Jahr der Extreme. Zum Glück gibt es Grund zur Hoffnung.

Ostfriesland/Wolfsburg - Es sind Nachrichten, die für das kommende Jahr zuversichtlich stimmen: VW Emden hat im Jahr 2025 die Fabrikkosten um etwa 30 Prozent senken können. Gut informierte Kreise haben dies mittlerweile gegenüber unserer Redaktion bestätigt.

„Es ist gut zu sehen, dass die Maßnahmen Wirkung zeigen“, hatte VW-Markenchef Thomas Schäfer bereits Mitte November dieses Jahres mitgeteilt. Die Fabrikkosten an den Standorten Wolfsburg, Emden und Zwickau seien im Schnitt um fast 30 Prozent gesenkt worden. Jedes dritte Gremium innerhalb der Marke sei abgebaut worden, wodurch schnelle Entscheidungen getroffen werden könnten, betonte Schäfer. Zudem habe man gemeinsam mit dem Betriebsrat konkrete Vereinbarungen für alle deutschen Standorte unterzeichnet.

Wie VW Bürokratie abbaut

Was genau beispielsweise für Emden vereinbart worden ist, war nicht in Erfahrung zu bringen. Bestätigt wurden allerdings die um etwa 30 Prozent gesenkten Fabrikkosten – wie in Wolfsburg und Zwickau. Dabei geht es unter anderem darum, wie viel ein Fahrzeug in der Produktion kostet. Werden an einem Standort mehr Fahrzeuge produziert, sinken auch die Kosten pro Einheit. Außerdem wurde für den Standort Emden bestätigt, dass im Lauf des Jahres offenbar mehr als 100 Gremien abgeschafft worden sind. Dabei handelt es sich um Entscheidungsebenen und Aufgaben im Berichtswesen; im Kern geht es also um Bürokratieabbau.

Die Marke Volkswagen kommt auch beim geplanten Stellenabbau in Deutschland voran. Europas größter Autobauer hat nach eigenen Angaben inzwischen mehr als 25.000 Austritte vertraglich fixiert. Damit sind gut 70 Prozent des bis Ende 2030 geplanten Abbaus von 35.000 Stellen fest vereinbart. Seit Ende 2023 sei die Belegschaft bereits um mehr als 11.000 Beschäftigte reduziert worden, hatte ein Sprecher bereits Mitte November gesagt.

Wie viele Jobs verlorengehen

Wie genau der Arbeitsplatzabbau bei VW Emden vorankommt, war ebenfalls nicht in Erfahrung zu bringen. Sowohl die Arbeitgeber- als auch die Arbeitnehmerseite halten sich in dem laufenden Transformationsprozess mit konkreten Zahlen auffallend zurück. VW Emden gilt aber traditionell als ein Standort, an dem der viel zitierte „goldene Handschlag“ eher positiv angenommen wird.

Vor einem Jahr hatten sich Unternehmen und Gewerkschaft nach langem Ringen auf ein Sanierungsprogramm für die Kernmarke VW geeinigt. Bis Ende 2030 soll mehr als ein Viertel der 130.000 Arbeitsplätze an den zehn deutschen Standorten sozialverträglich entfallen. Betriebsbedingte Kündigungen wurden dabei ausgeschlossen, der Abbau soll vor allem über Vorruhestand und Abfindungen erfolgen. Der Konzern hat dafür die Altersteilzeit noch einmal ausgeweitet und bietet daneben Abfindungen für Jüngere an, die freiwillig ausscheiden.

Was der Stellenabbau für Emden bedeutet

In Emden arbeiten etwa 8.000 Menschen. Würde man den prozentualen Arbeitsplatzabbau 1:1 auf den ostfriesischen Standort übertragen, würden hier innerhalb relativ weniger Jahre mehr als 2.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entfallen, für die bislang noch kein Ersatz in Sicht ist.

Im Emder Werk werden der ID.4, die ID.7 Limousine und der ID.7 Tourer gebaut. Der ID.7 zählt zu den am häufigsten neu zugelassenen E-Autos in Deutschland. Kürzlich erhielt er die begehrte Auszeichnung „Das Goldene Lenkrad“.

Wie sich die Krisenstimmung bei VW auswirkt

Unterm Strich war 2025 für das Volkswagen-Werk in Emden ein Jahr voller Gegensätze. Während die Automobilbranche insgesamt unter enormem Druck stand, kämpfte auch der ostfriesische Standort mit massiven Herausforderungen – doch es gab auch Lichtblicke, die Hoffnung für die Zukunft machen.

Die wohl größte Sorge in diesem Jahr war die Bedrohung von Arbeitsplätzen. Bis zu 3000 Jobs in Ostfriesland stehen im Zusammenhang mit der Transformation auf der Kippe, wie CDU-Fraktionsvize Ulf Thiele warnte. Die Unsicherheit am Industriestandort war spürbar, nicht nur bei den Beschäftigten, sondern in der gesamten Region, die stark von VW abhängt.

Welche Rolle Produktionsrückgänge spielen

Hinzu kamen Produktionsrückgänge, die sich in verlängerten Werksferien niederschlugen. Die Nachfrage nach Elektroautos blieb hinter den Erwartungen zurück, was die Produktion drosselte. Glücklicherweise besteht bis 2030 eine Beschäftigungssicherung, doch die Stimmung war angespannt. Ein weiterer Rückschlag traf das Werk mit dem Rückruf des ID.7, der exklusiv in Emden gebaut wird. Solche Rückrufaktionen sind nicht nur ein Imageschaden, sondern belasten auch die Belegschaft zusätzlich.

Trotz aller Schwierigkeiten gab es auch Grund zur Freude. Nach den Werksferien konnte die Produktion von E-Autos wieder aufgenommen werden, und ein besonderes Produktionsjubiläum sorgte für prominenten Besuch im Werk. Solche Ereignisse stärken das Gemeinschaftsgefühl und zeigen, dass der Standort weiterhin eine wichtige Rolle im VW-Konzern spielt.

Wie sich der Nachwuchs auf die Herausforderungen einstellt

Auch beim Nachwuchs gab es Probleme: VW Emden konnte erneut nicht alle Ausbildungsplätze besetzen. Während früher eine Lehrstelle bei VW als Lottogewinn galt, kämpft das Werk heute um geeignete Bewerber. Die Gründe sind vielfältig – von veränderten Berufswünschen bis hin zu den Unsicherheiten der Branche.

Um dem Nachwuchsmangel entgegenzuwirken, startete VW Emden innovative Programme, die jungen Menschen den Einstieg in die Berufsausbildung erleichtern sollen. Mit der „Brücke in die Berufsausbildung“ will das Werk gezielt diejenigen ansprechen, die bisher keinen Ausbildungsplatz gefunden haben.

Was bei VW Hoffnung auslöst

Ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft ist die geplante Verlagerung der ID.4-Produktion nach Emden. Sollte dieser Schritt gelingen, könnte das Werk seine Bedeutung im Konzern weiter ausbauen und Arbeitsplätze sichern.

Auch im internationalen Kontext gab es positive Signale: Trotz der Belastungen durch US-Zölle und die angespannte Weltwirtschaftslage gab es Zeichen der Hoffnung für VW und andere große Arbeitgeber in der Region. Nicht zuletzt konnte das Werk in der aktuellen Chipkrise vorerst wie gewohnt weiterproduzieren – ein Vorteil, den nicht alle Standorte für sich verbuchen konnten.

Fazit – ein Jahr der Extreme

2025 war für VW Emden ein Jahr der Extreme. Die Unsicherheit war groß, Rückschläge und Sorgen um die Zukunft prägten den Alltag. Doch gleichzeitig gab es Initiativen und Entwicklungen, die Mut machen: neue Ausbildungswege, Produktionsjubiläen und die Aussicht auf neue Modelle.

Die Herausforderungen bleiben, aber der Standort Emden hat gezeigt, dass er auch in schwierigen Zeiten nicht aufgibt – und dass es immer wieder Gründe zur Hoffnung gibt.“

Mit Unterstützung der KI

Mit Material von DPA

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