Weihnachten zu siebt  Das erste Fest mit Vierlingen in Emden

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 24.12.2025 12:09 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Vierlinge aus Emden feiern in diesem Jahr ihr erstes Weihnachtsfest. Foto: Klaus Ortgies
Die Vierlinge aus Emden feiern in diesem Jahr ihr erstes Weihnachtsfest. Foto: Klaus Ortgies
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Nach einem außergewöhnlichen Jahr mit Vierlingsgeburt steht für eine Familie aus Emden jetzt ein neuer Abschnitt bevor. Vieles wird sich bald grundlegend ändern.

Emden - Das größte Geschenk für Familie Imbrea aus Emden kam bereits im Februar dieses Jahres: vier kleine Babys – drei Jungen und ein Mädchen. Heute, etwa zehn Monate später, krabbeln die Vierlinge in roten Weihnachtsmannkostümen zwischen Spielzeug und Weihnachtsdeko durch das Wohnzimmer, während der zweijährige Bruder neugierig zuschaut. Wenige Tage vor Weihnachten ist in der Wohnung der Familie Imbrea für das erste Fest zu siebt alles bereit: ein perfekt geschmückter Baum mit rot-weiß gestreiften Schleifen, goldenen Kugeln und einem kleinen Stern auf der Spitze.

Alin und Vasilica-Florentina Imbrea haben in Rekordzeit eine Großfamilie gegründet. Foto: Klaus Ortgies
Alin und Vasilica-Florentina Imbrea haben in Rekordzeit eine Großfamilie gegründet. Foto: Klaus Ortgies

Davor steht ein festlich eingepackter Pappkarton, der an diesem Vormittag für ein Fotoshooting genutzt werden soll. Mutter Vasilica-Florentina Imbrea setzt ihren Nachwuchs in die Schachtel, um festliche Fotos vor weihnachtlicher Kulisse zu machen. Die Bilder möchte sie an die Verwandtschaft in die rumänische Heimat versenden. Für Alin und Vasilica-Florentina Imbrea ist dies das erste Weihnachtsfest mit den Vierlingen – und ein besonders seltenes. Statistisch gesehen werden bundesweit nur einmal im Jahr Vierlinge geboren, also bei einer von rund 600.000 Geburten.

An ihr erstes Weihnachtsfest werden sich die Kinder später sicher nicht erinnern, doch für die Familie ist es ein besonderes. Foto: Klaus Ortgies
An ihr erstes Weihnachtsfest werden sich die Kinder später sicher nicht erinnern, doch für die Familie ist es ein besonderes. Foto: Klaus Ortgies

Viertes Baby erst bei der Geburt entdeckt

Seit 2019 lebt das Paar in Deutschland. Von Süddeutschland über Bielefeld führte ihr Weg sie nach Emden, wo sie sich heute wohlfühlen. Vor knapp drei Jahren wurde ihr erster Sohn geboren. Kurze Zeit später wurde die damals 22-Jährige erneut schwanger. Als die Wehen im Februar 2025 einsetzten, hatte sie noch keine Ahnung, dass sie wenig später Vierlinge zur Welt bringen würde. Bei den Untersuchungen während der Schwangerschaft hatten die Ärzte immer nur drei Kinder entdeckt, zwei Jungen und ein Mädchen. Erst während des Kaiserschnitts entdeckten sie ein weiteres Kind – einen Jungen.

„Zuerst habe ich gelacht“, erinnert sich die Mutter, die während der Operation bei Bewusstsein war. „Ich dachte, die Ärzte machen einen Witz. Aber als ich gesehen habe, dass es wahr ist, konnte ich nicht mehr aufhören zu weinen.“ Ein großes Team aus Gynäkologen, Kinderärzten, einer Hebamme und Kinderkrankenschwestern war im Einsatz. Die Neugeborenen hatten ein Geburtsgewicht zwischen 1120 und 1480 Gramm.

Die Kinder – hier Anais Rebeca – entwickeln sich trotz ihrer Frühgeburt altersentsprechend. Foto: Klaus Ortgies
Die Kinder – hier Anais Rebeca – entwickeln sich trotz ihrer Frühgeburt altersentsprechend. Foto: Klaus Ortgies

Zwei Monate im Krankenhaus

Die ersten Wochen mit den Vierlingen waren geprägt von Sorge. Die zwei Monate zu früh geborenen Kinder mussten mehrere Wochen im St. Marienhospital in Vechta überwacht, beatmet und stabilisiert werden. Vasilica Imbrea wohnte im Elternbegleitzimmer des Krankenhauses, während der zwei Jahre alte Sohn von einer Tagesmutter betreut wurde.

Die Kinder heißen Anais Rebeca, Eric Gabriel, Patrick Mathias und David Cristian. Sich für so viele Namen zu entscheiden sei gar nicht so einfach gewesen, erinnert sich Vasilica-Florentina Imbrea, zumal die Eltern mit „nur“ drei Kindern gerechnet hatten. Auf die Schnelle half eine Schwester mit einem weiteren Namensvorschlag aus. Sie fragte, ob ihnen „Cristian“ gefallen würde. „Mein Mann und ich fanden auch David gut, und so haben wir uns dann für ,David Cristian‘ entschieden.“

Licherketten, Kugeln und andere Weihnachtsdekoration sind vor den Vierlingen inzwischen nicht mehr sicher. Alle vier Kinder krabbeln durch die Wohnung. Foto: Klaus Ortgies
Licherketten, Kugeln und andere Weihnachtsdekoration sind vor den Vierlingen inzwischen nicht mehr sicher. Alle vier Kinder krabbeln durch die Wohnung. Foto: Klaus Ortgies

Wie entwickeln sich die Kinder heute?

Heute sind die Vierlinge kräftig, entwickeln sich normal und zeigen erste eigene Charakterzüge. Sie brabbeln vor sich hin, gucken neugierig und unternehmen die ersten Versuche, sich an Möbeln hochzuziehen. Nach der Geburt zog die Familie zunächst nach Hinte, da die Wohnung in Emden zu klein war. Im Sommer kehrte sie zurück nach Emden, nachdem sie eine auch finanziell besser passende Wohnung gefunden hatte. Immer noch fehlt der Familie ein Auto. Großeinkäufe und Transporte werden vom Bruder des Vaters unterstützt, der die Familie regelmäßig mit seinem Auto begleitet.

Inzwischen habe sich vieles eingespielt, erklärt Mutter Vasilica-Florentina Imbrea. „Ich bin an den Alltag mit den Kindern inzwischen gewöhnt“, sagt sie. „Aber herausfordernd ist es immer noch.“ Fläschchen, Windeln, Beikost, kurze Schlafphasen, Spielzeiten und Kuschelmomente wechseln sich ab. Mal eben kurz für einen Spaziergang an die frische Luft? Für Familie Imbrea ist das ein großer Akt. Es dauert seine Zeit, bis alle Kinder dem Wetter entsprechend angezogen sind. Die Geduld der Kinder, darauf zu warten, ist allerdings meist nicht allzu groß.

Für ein Fotoshooting mit den Babys hat die Familie ihr Wohnzimmer in ein kleines Fotostudio mit weihnachtlicher Kulisse verwandelt. Foto: Klaus Ortgies
Für ein Fotoshooting mit den Babys hat die Familie ihr Wohnzimmer in ein kleines Fotostudio mit weihnachtlicher Kulisse verwandelt. Foto: Klaus Ortgies

Hochzeit und Taufe in der Heimat

„Manchmal ist es ein bisschen wie Jonglieren, aber die Kinder machen alles mit“, sagt Vasilica-Florentina Imbrea. Der große Bruder möchte oft einbezogen werden, testet – wie für sein Alter üblich – aber auch Grenzen aus. Und Streit unter den Kindern gibt es auch schon manchmal – etwa wenn ein Baby eines der Spielzeuge des Älteren beansprucht. Ganz normaler Familienalltag.

Rückblickend war aber nicht nur die Geburt der Vierlinge ein besonderes Ereignis in diesem Jahr: Im Sommer reiste die Familie in ihre Heimatstadt Iași. Eine 30-stündige Autofahrt, anstrengend für alle, brachte die Familie zu den Verwandten, die die Vierlinge endlich kennenlernen durften. Gleichzeitig feierte die gläubige katholische Familie die Taufe der Kinder im Familienkreis. Auch die Hochzeit von Alin und Vasilica-Florentina Imbrea fand dort statt. „Die Reise war hart, aber jeder Moment hat sich gelohnt“, sagt Vasilica-Florentina Imbrea.

Wie geht es im neuen Jahr weiter?

Weihnachten selbst ist in der Familie ein ruhiges Fest. Es geht nicht um aufwendige Rituale, sondern um Nähe und kleine Momente. Ab Januar 2026 beginnt dann wieder ein neues Kapitel für die Familie: Die Vierlinge werden mit ihrem großen Bruder nach einer Eingewöhnungszeit täglich die Krippe besuchen. Für Alin und Vasilica-Florentina Imbrea bedeutet das ein Stück mehr Freiraum. Die fünffache Mutter möchte diesen unter anderem auch nutzen und endlich ihren Führerschein machen.

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