Kiosk oder Klo? Ideen für Chinesentempel und Nordertorkiosk
Für zwei Backstein-Ikonen in Emden soll 2026 alles besser werden. Los geht es mit dem Chinesentempel. Für den Nordertorkiosk gibt es schon drei Bewerber.
Emden - Noch stehen die ungleichen Zwillinge aus der Zeit des Backsteinexpressionismus in Emden leer. Doch es tut sich etwas rund um den Chinesentempel an der Abdenastraße und den Kiosk am Nordertor. Läuft alles nach Plan, werden beide denkmalgeschützten Gebäude im nächsten Jahr nicht nur kernsaniert, sondern auch endlich wieder mit Leben gefüllt. Während schon vage feststeht, wie das im Chinesentempel aussehen könnte, ist die Nutzung für den Nordertorkiosk noch offen. Aber: Jetzt gibt dort schon drei Interessenten.
Jahrelang stand der Kiosk mehr oder weniger leer. Als Bernd Weiser 2010 den Kiosk-Verkauf dort nach über 30 Jahren geschlossen hatte, wurde das kleine Gebäude nur noch als Außen-Ausstellungsfläche vom Künstler Jörn Haut genutzt. Er hatte seinerzeit auch den Chinesentempel gemietet, dort eigene und andere Kunstwerke ausgestellt. Ihm war 2021 von der Vermieterin, der Stadt Emden, gekündigt worden. Seither laufen die Bestrebungen, beide Gebäude wieder sinnvoll zu nutzen, vor allem den Chinesentempel als Teil der Kunstmeile. Saniert werden müssen die um das Jahr 1929 erbauten Gebäude aus der Ära des Architekten Walter Luckau ohnehin, das gibt der Denkmalschutz vor.
Fette Finanzspritze
Einen kräftigen Schub in diese Richtung hat es erst neulich beim Chinesentempel gegeben. Er bekommt eine fette Finanzspritze über 100.000 Euro, von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Doch damit ist es noch lange nicht getan. Nach Planung des Gebäudemanagements der Stadt Emden (GME), das die Sanierung mit dem beauftragten Architekten Ejnar Tonndorf durchführen wird, werden die Kosten für die gesamte Maßnahme auf 360.000 Euro geschätzt.
Dafür werden unter anderem im Kellergeschoss die noch vorhandenen Wand- und Bodenfliesen sowie der darunterliegende Dickbettmörtel von den Wänden entfernt. Es müssen Abflussrohre und Wasserleitungen saniert werden. Anschließend werden die historischen Fliesen wieder angebracht. Da ein Teil der Fliesen Risse aufweist, werden hierfür auch noch Replikate angefertigt. Zudem werden die sanitären Anlagen wie WC und Waschbecken erneuert.
Öffentliches Pissoir ungewiss
Ob das Keller-WC aber jemals wieder als öffentliche Bedürfnisanstalt genutzt wird, wie einst, ist noch offen. Der Chinesentempel diente damals als öffentliches Pissoir. Angesichts des neuen Toilettenkonzepts der Stadt Emden, das beim Bahnhof beginnt, über den Stadtgarten und bis ans Hafentor mehr öffentliche Toiletten in der Stadt vorsieht, würde der Chinesentempel als weitere Option gut passen. Aber: „Eine Entscheidung über eine öffentliche Zugänglichkeit der Toilettenanlagen ist derzeit noch nicht getroffen“, teilt die Stadt auf Nachfrage mit. Und so soll die Herrichtung zunächst nur für die künftige Nutzung des Gebäudes erfolgen.
Da hat das Ostfriesische Landesmuseum das Sagen. „Der Kiosk soll sich zu einem Ort entwickeln, der nicht nur museales Wissen vermittelt, sondern vor allem die Perspektiven, Erfahrungen und das Wissen der Menschen in Emden in den Mittelpunkt stellt“, erklärt die Stadt. Das soll wohl heißen, dass dort künftig keine klassischen Ausstellungen und Veranstaltungen mehr durchgeführt werden. Es gehe eher um Museumsarbeit, an der sich Menschen je nach Projekt beteiligen können. „Konkrete Formate und Themen werden derzeit noch entwickelt.“
Kiosk-Vergabe vorbereitet
Das Dach des Chinesentempels ist noch relativ gut in Schuss, da muss nur wenig gemacht werden. Die Regenentwässerung muss aber erneuert werden. Außerdem sind Ausbesserungen an der historischen Backsteinfassade nötig. Fenster, Türen, Gitterelemente bedürfen auch einer Überarbeitung. Der Innenraum des Gebäudes wird vollständig saniert. Losgehen soll es im Jahr 2026. Ein konkreter Umbaustart ist noch nicht bekannt. Nur, dass die Arbeiten alles in allem etwa acht Monate beanspruchen werden.
So weit in der Planung ist man beim Nordertorkiosk hingegen noch lange nicht. Die Planung muss sich grundsätzlich an der weiteren Nutzung orientieren. Verrückt: Erst wollte den Kiosk lange Zeit niemand haben, dann gab es die Idee für einen Eisverkauf. Erste Umsetzungspläne wurden allerdings gleich wieder zunichte gemacht, weil plötzlich doch ein weiterer Bewerber auftauchte, der aus dem alten Gebäude einen Automatenkiosk machen will. Damit war klar: Die Vermietung des Kiosks muss öffentlich ausgeschrieben werden. Diese Ausschreibung sei jetzt vorbereitet und soll in der ersten Jahreshälfte 2026 öffentlich erfolgen, so die Stadt.
Wer ist der dritte Bewerber?
Bewerben dürfte sich dabei auch ein dritter Interessent, der nun noch dazugekommen ist. Welche Ideen er für den Kiosk am Wall hat, dürfe die Stadt noch nicht verraten, da sich das Verfahren noch in einem laufenden Prüfungs- und Abstimmungsprozess befinde. Nur so viel: „Zwei Interessenten beabsichtigen, dort weiterhin einen kioskartigen Betrieb zu führen“, sagt die Stadt.
Damit sind aber auch die Sanierungskosten des Nordertorkiosks noch völlig offen. Es kann nicht allgemeinverbindlich umgebaut werden. Denn womöglich müssen sanitäre Anlagen in dem ehemaligen Kiosk untergebracht werden – Toiletten könnte man sich vielleicht bei einem Automatenverkauf sparen. Oder man nutzt das Backsteinhäuschen gleich als WC-Anlage auf dem Wall – auch als Teil des neuen Toilettenkonzepts.
Graffiti und Schmierereien
Aber egal, was auf den gerade einmal zehn Quadratmetern passieren wird: Viel günstiger als beim Chinesentempel wird es kaum werden. Denn auf der einen Seite stehen auch hier die Belange des Denkmalschutzes im Vordergrund. Auf der anderen Seite ist dieses kleine Häuschen am Wall schon optisch in einem Zustand, der sich auch in letzter Zeit durch Graffiti und andere Schmierereien noch weiter verschlechtert hat.
Möglicherweise hat dieser eher unscheinbare Zwilling des Backsteinexpressionismus dann aber ähnliche Chancen auf Fördergeld wie der Chinesentempel. Die Stiftung Denkmalschutz und auch andere Optionen würden jedenfalls angefragt, sobald der neue Mieter und damit das Nutzungskonzept feststeht, sagt die Stadt. Mitte nächsten Jahres wissen wir also mehr.