Notdurft in Emden Bezahlschranke bremst Bahnhofsklo-Umzug
Das Bahnhofs-WC in Emden geht in die Verlängerung und dann zur Schule. Am neuen Standort soll es die schlimmste Not lindern.
Emden - Eigentlich hätte das Entree der Stadt Emden auf dem Bahnhofsvorplatz schon vor dem Weihnachtsfest einladender aussehen sollen. Genauer gesagt: Die WC-Container auf dem Vorplatz, die aktuell noch ein kongeniales Ensemble mit dem wenig attraktiven 70er-Jahre Gebäude der Bahn und dem beleuchteten Weihnachtsbaum bilden, sollten in diesen Tagen abtransportiert sein. Jetzt geht das provisorische Klo doch noch einmal in die Verlängerung. Grund: Das Bezahlsystem fürs sanierte WC-Häuschen ist noch nicht eingerichtet. Auch die Bauabnahme steht erst nach den Feiertagen an. Aber ein neuer Stellplatz für die Doppel-WC-Container ist immerhin schon gefunden.
Die Verlängerung auf dem Bahnhofsvorplatz wird nur noch von kurzer Dauer sein, verspricht Stadtsprecher Eduard Dinkela. „Die Einrichtung des Bezahlsystems ist als letzte Restarbeit vorgesehen“, schreibt er auf Nachfrage. Im Anschluss müsse noch die Übergabe der Umbaufirma an das Gebäudemanagement der Stadt Emden erfolgen. Probleme würden dabei nicht erwartet, weil alles so weit fertig sei.
Unisex-WC für 120.000 Euro
In den vergangenen Monaten ist das 1989 erbaute Mini-WC zwischen Bahnhofsgebäude und Taxenverein aufwendig saniert worden. Für 120.000 Euro sei das Rondell jetzt technisch wie optisch auf den neuesten Stand gebracht, hatte die Stadt erklärt. Drinnen gibt es nun wieder ein funktionierendes Pissoir und eine Unisex-Toilette, die zugleich als Behinderten-WC dienen soll. Dabei stecken die für gerade mal zehn Quadratmeter Nutzungsfläche relativ hohen Kosten im Detail. Alles ist neu, von der sanitären Anlage über Boden, Wände, Türen. Alles muss möglichst leicht zu reinigen und vor allem: möglichst vandalismussicher sein.
Tatsächlich war das Rondell unter anderem wegen Vandalismusschäden im Jahr 2021 geschlossen worden. Für die seinerzeit veralteten sanitären Einrichtungen hatte es keine Ersatzteile gegeben. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Stadt Emden noch gegen einen Neuaufbau des kleinen WC-Rondells entschieden. Stattdessen kamen die Container als Zwischenlösung. Seinerzeit gab es noch Gespräche mit der Deutschen Bahn. Sie sollte die vorhandene WC-Anlage in ihrem Gebäude in Emden wieder für Reisende in Betrieb nehmen. Diese Forderung lief aber ins Leere, obwohl die Stadt Emden immer wieder Angebote zur Unterstützung machte. Die Bahn sieht einfach kein Problem bei der Notdurft ihrer Reisenden und verweist stets auf funktionierende WCs im Zug. Stationäre Anlagen sind für die Bahn kein Thema.
Bahn bleibt stur
Die WC-Container auf dem Bahnhofsvorplatz in Emden waren also immer nur als Provisorium gedacht. Erst als Leihcontainer mit horrenden monatlichen Mietkosten, dann wurde die aktuelle Container-Station von der Stadt für 36.000 Euro gekauft. Alles, um Reisenden und Besucherinnen und Besuchern eben doch einen verlässlichen Service zu bieten. Weil die Bahn nicht zum Umdenken zu bewegen ist, richtet die Stadt Emden jetzt wieder ein dauerhaftes öffentliches WC ein.
Auch wenn damit die Sanierungskosten wohl nicht mehr hereinzuholen sind, wird die Nutzung des WCs nicht mehr kostenlos sein. Die Bezahlschranke soll auch gegen Vandalismus schützen. Noch stehen die Türen bei den Behelfs-Containern ständig offen, auch weil Türklinken regelmäßig abgerissen werden. Ins sanierte Rondell kommt dagegen nur, wer den Eintritt per EC-/Kreditkarte (RFID/NFC) oder Smartphone (Apple Pay, Google Wallet) entrichtet. Münzen sind nicht mehr erwünscht – auch so ein Vandalismus-Faktor. Sie sind aber auch nicht mehr erforderlich, was wiederum komfortabel sein kann.
Dorthin kommt das Bahnhofsklo
Alles gut durchdacht also, möchte man meinen. Allein die Frage, warum das modernisierte WC nicht gleich eine Nummer größer gestaltet wurde, ist nicht befriedigend geklärt. Zur Erinnerung: Das Rondell hat lediglich zehn Quadratmeter Grundfläche, auf denen lediglich zwei WCs untergebracht werden können. Die Stadt hatte mit Hinweis auf die geltende Niedersächsische Bauordnung erklärt, dass ein größerer Neubau nicht möglich gewesen wäre, weil dann zwingende Grenzabstände zwischen Taxenverein und Bahnhofsgebäude nicht eingehalten würden – so unsinnig, wie an dieser Stelle Grenzabstände auch sein mögen. Ein größerer Neubau wäre jedenfalls nie genehmigt worden.
Auf die Bauordnungsreform in Deutschland zu setzen, den Bau-Turbo, der alles vereinfachen und alles beschleunigen soll, wäre wohl genauso hoffnungslos, wie auf den WC-Service der Bahn zu warten. So wird also im Januar 2026 das sanierte WC-Rondell am Bahnhof in Betrieb gehen. Gleichzeitig soll die Container-Anlage auf dem Vorplatz abgebaut und an anderer Stelle weitergenutzt werden. Dass diese 36.000-Euro-Investition kein Fehlkauf sein würde, hatte die Stadt schon bei der Anschaffung prognostiziert. Jetzt sollen die Container die größte Not an einer der größten Schulen der Stadt lindern. Sie werden zur Integrierten Gesamtschule gebracht.