Osnabrück Diese prominenten Stimmen kamen 2025 bei der NOZ zu Wort
Wichtige Impulse, spannende Thesen und kernige Aussagen: Im zurückliegenden Jahr haben sich unsere Reporter mit vielen Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft unterhalten und dabei eine Menge für Sie, liebe Leser, herausbekommen.
Zu all den großen Fragen, die die Debatten 2025 geprägt haben, haben wir mit prominenten Akteuren und versierten Fachleuten gesprochen. Sei es zur Bundestagswahl im Februar, der Migrations-Debatte, der Außenpolitik oder den Diskussionen um Rente und Bürgergeld. Die Gesprächspartner stammten aus den unterschiedlichsten politischen Lagern. Zu Wort kamen außerdem Wirtschaftsprofis, Interessenvertreter aus mehreren Bereichen ebenso wie Schauspieler und Sportler.
Zu den gewichtigen Interviewpartnern zählten aus dem Lager der Union unter anderem Außenminister Johan Wadephul, Fraktionschef Jens Spahn, Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer, sein schleswig-holsteinischer Kollege Daniel Günther, Generalsekretär Carsten Linnemann, Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, Kanzleramtschef Thorsten Frei und der neue Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder.
Schnieder äußerte sich zu den Pünktlichkeitszielen bei der Bahn und machte wenig Hoffnung darauf, dass es dort eine schnelle Verbesserung geben könne. Das Ziel, schon 2027 eine Quote von 75 Prozent zu erreichen, sei ein „Wolkenkuckucksheim“. Ambitionierter klang Frei: „Wir brauchen zum einen eine Politik, die auf Wirtschaftswachstum ausgerichtet ist, weil Wirtschaftswachstum auch zu höheren Steuereinnahmen führt. Wir müssen zügig echte Strukturreformen in Angriff nehmen.“
Umsetzen muss die Union diese Reformen gemeinsam mit der SPD, mit der es aber nicht immer eine übereinstimmende Vorstellung gibt. Stellvertretend dafür stand unter anderem das Interview des neuen Generalsekretärs Tim Klüssendorf, der gegenüber unserer Redaktion für eine Erbschaftsteuerreform eintrat: „Es ist keine Erpressung, einzufordern, dass alle ihren gerechten Beitrag leisten, um das Land voranzubringen.“ Interviewpartner aus seiner Partei waren neben ihm auch der inzwischen ausgeschiedene Ministerpräsident Stephan Weil, sein Nachfolger Olaf Lies, Innenministerin Daniela Behrens, Europapolitikerin Katharina Barley, Juso-Chef Philipp Türmer oder der Fraktionschef im Bundestag, Matthias Miersch.
Für viel Aufsehen sorgte der Shootingstar der Linkspartei, Heidi Reichinnek. Im Gespräch mit Chefredakteur Burkhard Ewert erklärte Reichinnek, sie wolle den Kapitalismus stürzen. Ein Satz, der reichlich Aufruhr entfachte. Ihre Parteikollegen wie Bodo Ramelow, Ex-Ministerpräsident von Thüringen, Parteichefin Ines Schwerdtner oder Co-Parteivorsitzender Jan von Aken waren aber auch um unkonventionelle Vorschlägen verlegen. Von Aken forderte eine staatlich geförderte Transformation der Automobilbranche. „Wieso sollte VW nicht anfangen, Straßenbahnen zu bauen?“, so von Aken.
Auch Grüne (unter anderem Franziska Brantner, Felix Banaszak, Winfried Kretschmann) und FDP (unter anderem Wolfgang Kubicki, Konstantin Kuhle, Christian Dürr) waren in Gesprächen mit unserer Redaktion vertreten. Aus der AfD legte Tino Chrupalla kurz nach der gemeinsamen Abstimmung mit der Union über Migrationsthemen im Bundestag Anfang Januar seine Sicht auf die „Brandmauer“ dar.
Aus der Politik am meisten vertreten war in den großen Interviews die Union, die auch die größte Fraktion im Bundestag stellt. 14 verschiedene Vertreter äußerten exklusiv bei uns Positionen, die vielfach bundesweit aufgegriffen wurden. Beim Regierungspartner SPD waren es 11. Es folgten die Grünen mit 6, die Linke und die FDP mit jeweils 5. AfD und BSW erzielten jeweils einmal in vergleichbarer Weise Resonanz.
Neben Politikern befragten wir auch Vertreter aus Wissenschaft und Verbänden. Interviewpartner waren unter anderem Ökonomen wie Moritz Schularick (Institut für Weltwirtschaft), Peter Bofinger (früherer Wirtschaftsweise), Marcel Fratzscher (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) oder Michael Hüther (Institut der deutschen Wirtschaft), aber auch Klaus Reinhardt (Bundesärztekammer), Yasmin Fahimi (Deutscher Gewerkschaftsbund), Rainer Dulger (Arbeitgeberverband), Handwerkspräsident Jörg Dittrich, Klaus Müller (Bundesnetzagentur), Verena Bentele (Sozialverband VdK) und André Berghegger (Städte- und Gemeindebund).
Auto-Ökonom Ferdinand Dudenhöffer forderte ein Ende der Debatte über das Verbrenneraus: „Unsere Politiker spielen mal wieder ‚lieben Gott‘. Kein Mensch weiß, wie es in zehn Jahren aussieht“, sagte er. Zudem kritisierte Dudenhöffer die Stromkonzerne für hohe Preise und machte sie somit dafür verantwortlich, dass die E-Mobilität hierzulande nicht in Gang kommt. Klima-Aktivistin Luisa Neubauer betrachtete das Ganze in einem noch viel größeren Zusammenhang als sie bei uns kritisierte, die Regierung würde sich noch immer dafür einsetzen, dass es billiger und bequemer sei, fossile Fortbewegungsmittel zu nutzen. „Die neue Koalition will Kerosin noch stärker subventionieren, am 49-Euro-Ticket spart man.“
Auch sonst kamen teilweise überraschende Positionen und nicht erwartbare Koalitionen zu Tage: Dass etwa Sahra Wagenknecht und Markus Söder einer Meinung sind, kommt erst einmal unerwartet. Im Interview mit unserer Redaktion aber stimmte die BSW-Chefin dem bayrischen Ministerpräsidenten von der CSU darin zu, dass man Flüchtlingen künftig nicht mehr das reguläre Bürgergeld zahlen solle. Grünen-Chefin Katharina Dröge schlug sich in Sachen Migration auf die Seite von Ex-Kanzlerin Angela Merkel (CDU). „Ich finde es fatal, dass selbst Teile der CDU und Kanzler Merz die Aussage teilen, dass die Politik von Angela Merkel schuld am Aufstieg der AfD sei“, sagte Dröge bei uns im Gespräch.
Auch Merkel selbst gab uns ein Interview, in dem sie über aktuelle Themen und den Rückblick auf ihre Kanzlerschaft sprach – und zu erkennen gab: „Ich weiß, dass ich mit manchen Entscheidungen sehr polarisiert habe.“
Auch wenn wir in diesem Überblick aufgrund der Vielzahl keinen Anspruch auf Vollständigkeit gewährleisten können, so seien auch einige Prominente genannt, die nicht aus dem politischen Bereich stammen. Darunter waren etwa Schauspieler und TV-Stars wie Ina Müller, Linda Zervakis, Jessy Wellmer, Johann Lafer, Anke Engelke und Stromberg-Darsteller Christoph-Maria Herbst sowie Musiker von Howard Carpendale und Peter Maffay bis zu heutigen Reality-Stars wie den Kaulitz-Brüdern und Sarah Engels.
Roland Kaiser bekannte: „Wenn Geschlechtsgenossen von mir sagen, dass sie an der Bar zu der Frau rüber sind, dass sie sie ‚klargemacht‘ haben – dann ist das, glaube ich, alles eher Wunschdenken. Das stimmt einfach nicht.“ NBA-Basketballer Isaiah Hartenstein verriet uns, dass er während der Playoffs Social Media meidet, US-Schriftsteller T.C. Boyle bekannte: „Ich denke seit meiner Kindheit jeden Tag über den Tod nach. Und der kommt näher.“ Youtuber Mirko Drotschmann warnte bei uns vor der „Tiktokisierung des Bundestages“, während Politologe Herfried Münkler vorhersagte, dass Donald Trump „als extrem schwacher Präsident in die Geschichte eingehen“ werde.
Nicht alles kommt in der Form des klassischen Text-Interviews daher. Im Live-Talk-Format „Clasen Talk” fühlt Michael Clasen, Chef vom Dienst und Politik-Experte, prominenten Gesprächspartnern auf den Zahn. Die erfolgreichste Folge war dabei die mit dem Ex-Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn. Alleine bei YouTube erzielte der Talk mehr als 250.000 Views. Sinn ging mit der deutschen Wirtschaftspolitik hart ins Gericht: „Es geht jetzt nicht mehr um glorreiche Zukunftsszenarien, sondern es geht um die Schadensminimierung für die Generation der Enkel.“
Julia Ruhs, die 2025 für eine Kontroverse sorgte, weil sie beim NDR als Moderatorin des Formats “Klar” abgesetzt wurde, sprach über Meinungsfreiheit. Ex-Bundespräsident Christian Wulff kritisierte die Stadtbild-Aussage von Kanzler Friedrich Merz und Linken-Chefin Schwerdtner diskutierte mit Michael Clasen über die Entscheidung ihrer Partei, sich zu dem Rentenpaket der Regierung zu enthalten. Insgesamt waren beim Clasen Talk 6 Gäste von der SPD, 4 von der CDU, 3 von der FDP, 2 von den Grünen sowie der Ex-Grüne Boris Palmer. AfD und Linke entsandten jeweils einen Gesprächspartner, hinzu kamen zahlreiche Experten.
Seit November lassen wir in einem neuen Format prominente Stimmen zu Wort kommen. Bei „360° | Die Kolumne“ haben jede Woche kundige Gastautoren das Wort, um einen Ort für grundlegende Fragen und unterschiedliche Perspektiven zu schaffen. Mit dabei war unter anderem die DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt, die zeigte, wo ihrer Meinung nach Reformbedarf in der Pflege besteht. Oder auch der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Chabad Berlin, Yehuda Teichtal, der die Meinung vertritt: “Die Zukunft der KI hängt von unserem Gewissen ab.”
Auch eine neue Veranstaltungsreihe nahm 2025 ihren Auftakt. Bei „360° | Die Debatte“ trafen Linken-Politikerin Reichinnek und Unternehmerin Anne-Marie Großmann zu einem Live-Gespräch aufeinander.
Zudem leitete Chefredakteur Burkhard Ewert mehrere Gespräche der „Berliner Runde“, bei der Chefredakteure aus ganz Deutschland für informative Hintergrundgespräche auf Politiker aller Parteien, hochrangige Europa-Funktionäre, Wirtschaftslenker, und Aktivisten treffen. Die Treffen fanden in Berlin und Brüssel statt.
Und sogar für die ganz Kleinen gibt es ein Angebot, bei dem sich die Prominenz mit den Fragen auseinandersetzt, die Kinder interessieren: Im Podcast „Ole schaut hin“ waren 2025 Julien Bam, Joris, Torsten Sträter, Christoph Biermann, Grobi, Johannes Strate, Ricarda Lang, BossHoss und mehr zu Gast.