Osnabrück  Kalte Dusche kurz vor Weihnachten: VfL Osnabrück verliert 1:2 gegen VfB Stuttgart II

Susanne Fetter, Benjamin Kraus
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Von Susanne Fetter, Benjamin Kraus
| 20.12.2025 16:10 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Stress für die VfL-Defensive: Bjarke Jacobsen und Lukas Jonsson klären vor dem eigenen Tor. Foto: IMAGO/Leon Frick
Stress für die VfL-Defensive: Bjarke Jacobsen und Lukas Jonsson klären vor dem eigenen Tor. Foto: IMAGO/Leon Frick
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Die 1:2-Niederlage des VfL Osnabrück gegen den VfB Stuttgart II kurz vor Weihnachten in der 3. Fußball-Liga stand irgendwie spiegelbildlich für viele Heimspiele in der Hinrunde. Spielerisch gut, weitestgehend kompakt - aber am Ende nicht effektiv vor dem Tor und hinterher ein Gefühl, dass doch viel mehr drin gewesen wäre.

VfL-Trainer Timo Schultz bot exakt dieselbe Startelf auf wie beim 5:3-Sieg in Ulm - also mit Tony Lesueur als linken Schienenspieler und Fridolin Wagner im Mittelfeldzentrum neben Bjarke Jacobsen. Nicht im komplett zur Verfügung stehenden Kader waren unter anderem Kevin Schumacher als nicht benötigte dritte Option links - und Kevin Wiethaup, dessen Trainingsleistungen die Verantwortlichen zuletzt nicht überzeugt hatten.

Stuttgart-Trainer Nico Willig setzte auf den erst 19-jährigen Maximilian Herwerth im Abwehrzentrum sowie den flinken Justin Diehl auf dem Flügel sowie Mansour Ouro-Tagba im Sturmzentrum. Der VfB startete zunächst besser in die Partie, versuchte, dem VfL mit konsequentem Gegenpressing zuzusetzen und dann mit Tempo am Ball und im Passspiel anzugreifen. So holten die Schwaben einige Freistöße in gefährlicher Position heraus, die aber allesamt verpufften.

Gefährlicher waren die direkt aufs Tor gezogenen Ecken, nach denen VfL-Keeper Jonsson einmal eher wacklig per Faust und dann VfL-Verteidiger Robin Fabinski sehr konesquent per Kopfball klärte. Den klarsten Abschluss lieferte Diehl, der den entstandenen Freiraum rechts nutzte, um Lesueur in die falsche Richtung zu locken und dann mit links aufs lange Eck zielte – dieses aber um einen halben Meter verfehlte.

Der VfL indes arbeitete sich Schritt für Schritt ins Spiel und nahm die Initialzündung gern an, die Herwerth anbot: Einen harmlosen langen Ball von Fabinski ließ der 19-Jährige passieren, David Kopacz spritzte dazwischen, machte sich mit dem ersten Kontakt den Abschlusswinkel aber selbst recht spitz – so schloss er mit rechts ab, traf aber nur den Außenpfosten (23.).

Es war der Startschuss zu einer vom VfL überlegen geführten zweiten Hälfte der ersten Halbzeit, die vier weitere Großchancen für die Gastgeber lieferte: Zuerst verschaffte sich Robin Meißner eine, als er nach einer Flanke von Bjarke Jacobsen seinen Gegenspieler Alexander Groiß clever wegdrückte und den heranfliegenden Ball überragend mit dem Spann in Richtung Tor an- und mitnahm. Stuttgarts Torhüter Florian Hellstern reagierte aber schnell, stürzte heraus und verhinderte den Gegentreffer (27.).

Nicht viel fehlte zudem nach der Ecke von Lars Kehl, die Jacobsen auf seinen rechten Fuß bekam – der Abschluss rutschte dem Dänen aber leicht über den Fuß, deshalb strich er am kurzen Pfosten vorbei (31.). Kurz vor der Pause machte Kopacz einen Konter richtig scharf, als er den Ball vom Flügel sehr stark hinter die Kette platzierte – ein Stuttgarter Abwehrbein war aber noch dran, deshalb wurde Meißner beim Abschluss aus der Drehung weit hinter den zweiten Pfosten abgetrieben und setzte den Ball über das Tor (45.).

Der Führungstreffer indes entstand aus einem überragend gespielten Angriff, den Jannik Müller nach einer Balleroberung mit viel Ruhe und einem Pass auf Lesueur auf links einleitete. Die Stuttgarter versuchten mit mehreren Spielern, im Gegenpressing den Ball zu erobern und liefen die Räume zu – Lesueur aber erkannte die Situation, legte sich den Ball an der Linie an VfB-Verteidiger Michael Glück vorbei und hatte plötzlich ganz viel Platz auf links. Der flinke Flügelspieler lief durch, flankte – und fand Kopacz, der im Rückwärtslaufen volley abschloss und mit etwas Glück zum 1:0 traf, weil er Keeper Hellstern auf dem falschen Fuß erwischte (34.).

Stuttgart eröffnete die zweite Halbzeit mit einer recht merkwürdigen Anti-Fußball-Aktion, indem sie den Ball vom Anstoßpunkt direkt auf Sechzehnerhöhe beim VfL ins Aus schossen, um den folgenden Einwurf der Lila-Weißen zuzustellen. Die Gastgeber kombinierten sich aber wieder aus der Gefahrenzone – und nicht nur VfL-Fans, sondern auch Freunde des feinen Fußballspiels hätten es gefeiert, wenn Kehl nach Vorarbeit von Kopacz direkt getroffen hätte.

Aber Hellstern im VfB-Tor verhinderte den Einschlag mit einem überragenden Reflex – wie auch bei der nächsten VfL-Chance durch Meißner, der sich nach einem langen Ball stark behauptete, ehe Hellstern den Abschluss noch um den Pfosten lenkte und die Osnabrücker zu Unrecht keine Ecke bekamen (51.).

In dieser Phase verpassten es die Osnabrücker, der Partie die richtige Richtung zu geben – die kalte Dusche folgte prompt mit dem Ausgleich. Ein weiter Ball von Nicolas Sessa setzte Kammerbauer auf der rechten Defensivseite auch deshalb unter Druck, weil VfL-Keeper Jonsson ihm keine Rückpassgelegenheit anbot. Die somit zu kurze Kopfball-Rückgabe erlief Leny Meyer, der sofort Ouro-Tagba im Zentrum bediente. Der zwischen Müller und Jonsson freistehende Stürmer hatte keine Probleme, aus Nahdistanz zum 1:1 zu vollenden (57.).

Danach gelang es dem VfL nicht mehr so sehr, dem Spiel den Stempel aufzudrücken: Es blieb temporeich und intensiv, die nächste kleinere Torchance ergab sich erst durch Sessas 23-Meter-Schlenzer, den Jonsson aus dem langen Eck holte (75.). Danach brachte VfL-Coach Schultz Ismail Badjie und Bernd Riesselmann in die Partie – und sofort war Betrieb nachdem Riesselmann erfolgreich einen Tunnel gesetzt hatte, Badjies Schuss abgeblockt wurde und der zuvor ebenfalls eingewechselte Kai Pröger den Nachschuss vorbeisetzte.

Doch dann schlug der VfB zu, nach einer überragenden Kombination über den eingewechselten Dominik Nothnagel und Lauri Penna war der eingewechselte Mohamed Sankoh vor dem Tor völlig frei und drückte den Ball über die Linie – plötzlich stand es 1:2 und die Lila-Weißen schauten sich ratlos an mit der offenen Frage im Gesicht, wie das passieren konnte (82.).

In der Nachspielzeit versuchten die Lila-Weißen noch einmal alles, kamen aber weiterhin nicht an Hellstern vorbei: Robin Fabinskis Direktabnahme landete in den Händen des VfL-Keepers – und Badjie wurde nach seinem Dribbling zur Ecke abgedrängt, die ebenfalls in der vielbeinigen Schwaben-Abwehr hängenblieb. Danach war Schluss – und der junge Schiedsrichter Nicolas Rose, der mit seinen teils wirklich merkwürdigen Zweikampfbewertungen und persönlichen Bestrafungen nicht überzeugen konnte und den VfL schon tendenziell benachteiligte, wurde mit Pfiffen in die Kabine verabschiedet.

Beim Rückrundenauftakt bei Alemannia Aachen wird Fridolin Wagner gesperrt fehlen – seine Gelbe Karte dürfte eine der krassesten von vielen Fehlentscheidungen von Rose gewesen sein. Mit 32 Punkten nach 19 Spielen geht der VfL aus einer Verfolgerposition hinter der Tabellenspitze in die Rückrunde – die Fans, die ihr Team nach der Partie mit Applaus in den Weihnachtsurlaub verabschiedeten, haben nach der fußballerischen Vorstellung der Lila-Weißen auch keinen Grund dazu, die Hoffnung aufzugeben. Es braucht aber an der Justierung einiger Stellschrauben – in diesem Sinne darf man gespannt darauf sein, was im Winter passiert.

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