Kinderbetreuung  Gibt es bald zu viele Kitas im Landkreis Leer?

Karin Lüppen
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Von Karin Lüppen
| 20.12.2025 12:01 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Viele Gemeinden im Landkreis Leer haben schon jetzt eine gute Versorgung mit Kitaplätzen. Foto: Maximilian von Klenze/dpa
Viele Gemeinden im Landkreis Leer haben schon jetzt eine gute Versorgung mit Kitaplätzen. Foto: Maximilian von Klenze/dpa
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Im Landkreis Leer wird es in zehn Jahren deutlich weniger Kinder geben. Das deuten zumindest Daten an. So will der Kreis reagieren.

Landkreis Leer - In den vergangenen Jahren haben alle Städte und Gemeinden im Landkreis Leer viel Geld in den Ausbau von Kindergärten und Krippen investiert. Zahlreiche Einrichtungen sind neu dazu gekommen. Private Träger haben in einigen Kommunen selbst mit Neubauten zur Verbesserung des Angebots zur Kinderbetreuung beigetragen. Jetzt wurden im Jugendhilfeausschuss des Landkreises die neuen Zahlen zur Bedarfsplanung vorgestellt. Die sehen eine radikale Veränderung voraus.

Grundsätzlich sollen bestimmte Quoten eingehalten werden. Der Kindertagesstättenbedarfsplan sieht folgendes vor: Für die Hälfte der Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr soll ein Platz in einer Kindertagesstätte vorgehalten werden. Bei Kindern vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zur Vollendung des sechsten Lebensjahres soll für 95 Prozent ein Vormittags- oder Ganztagsplatz in einer Kindertagesstätte verfügbar sein. Weil nicht jedes Kind bereits mit sechs Jahren eingeschult wird, sollen für zehn Prozent der Kinder im siebten Lebensjahr ein Vormittags- oder Ganztagsplatz in einer Kindertageseinrichtung vorgehalten werden.

Quoten werden unterschiedlich gut erreicht

Diese Quoten werden weiterhin gültig bleiben, deshalb basieren alle Ziele in der Bedarfsplanung darauf. Nach den Angaben, die von der Verwaltung im Jugendhilfeausschuss vorgestellt wurden, werden diese weitgehend erreicht – wobei das Angebot in den Gemeinden unterschiedlich groß ist. Bei den unter Dreijährigen ist die Zielquote landkreisweit mit 43,34 Prozent längst nicht erreicht. 4405 Kindern steht ein Angebot von 1687 Plätzen in Tageseinrichtungen sowie 222 Verträgen in Kindertagespflege gegenüber. Es sind aber bereits 72 weitere Plätze bis zum Kitajahr 2026/2027 und 15 bis zum Kitajahr 2027/28 in Planung.

Besser sieht es bei der Versorgung der Drei- bis Sechsjährigen aus: Dort ist die verlangte Versorgung mit 97,34 Prozent so gut wie erreicht. Es sind zudem schon 121 zusätzliche Plätze in Krippen in Planung bis zum Kindergartenjahr 2026/2027. Hier stehe für aktuell 5341 Kinder ein Angebot von 5111 Plätzen in Kindergärten (Vormittag und Ganztag) gegenüber. Das seien 165 Plätze mehr als im Vorjahr. Außerdem sind bereits 121 weitere Plätze landkreisweit in Planung.

Einige Gemeinden haben bereits ein Überangebot

In einigen Gemeinden gibt es jedoch bereits jetzt ein Überangebot an Kita- und Krippenplätzen. So hat Jemgum die vorgegebene Quote zu fast 40 Prozent übererfüllt – das weisen die im Jugendhilfeausschuss präsentierten Daten aus. Auch auf Borkum sowie in Bunde, Jümme und Uplengen gibt es mehr Kitaplätze als nach der Quote erforderlich wären. Das hat schon jetzt Auswirkungen. So hinkt in Bunde die Nachfrage dem Angebot hinterher.

Von den 120 vorhandenen Plätzen in Bunde sind aktuell nur 61 belegt, wie Harm-Markus van Vügt, Allgemeiner Stellvertreter des Bürgermeisters, kürzlich im Sozialausschuss der Gemeinde berichtete. Für das laufende Kindergartenjahr gibt es zwar bereits 18 weitere Anmeldungen, dennoch wurde zu Beginn des Jahres eine Krippengruppe mit 15 Plätzen geschlossen – die Kapazität liegt nun bei 105 Plätzen.

Prognosen: Deutlich weniger Kinder

Künftig könnte es wohl in weiteren Kommunen zu so einer Situation kommen. Denn die Vorausberechnungen des Landkreises Leer geht von sinkenden Kinderzahlen in den nächsten zehn Jahren aus. Statt der rund 4400 Kinder unter drei Jahren im Jahr 2025/2026 wären es nur noch 3746 im Jahr 2031/2032. Bei den Drei- bis Sechsjährigen ginge die Zahl von 5341 auf 4135 zurück. Eine Entwicklung, die sich bis zum Jahr 2034/35 fortsetzen könnte.

Käme es tatsächlich so, dann gäbe es in nahezu allen Städten und Gemeinden ein Überangebot. Ob das tatsächlich so eintritt, sei schwer zu beurteilen, hieß es im Jugendhilfeausschuss. So könnten der Zuzug von Familien aus anderen Regionen oder eine höhere Geburtenquote die Zahlen verändern. In der Vergangenheit wichen die tatsächlichen Zahlen häufig von der Berechnung ab. Für die Kommunen besteht zudem die Herausforderung, künftig ausreichend Fachpersonal für die Krippen und Kindergärten zu finden.

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