Osnabrück  Reinhard Mey wieder in den Charts – und von Osnabrücker Sängerin bei der Song Night zu hören

Matthias Liedtke
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Von Matthias Liedtke
| 20.12.2025 12:34 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Alle Osnabrücker Künstler waren zum Abschluss der Song Night auf der Bühne, um „Rock Around The Christmas Tree“ zu singen. Seda Devran (3. von links) hatte zuvor mit einem Lied von Reinhard Mey für Gänsehaut gesorgt. Foto: Matthias Liedtke
Alle Osnabrücker Künstler waren zum Abschluss der Song Night auf der Bühne, um „Rock Around The Christmas Tree“ zu singen. Seda Devran (3. von links) hatte zuvor mit einem Lied von Reinhard Mey für Gänsehaut gesorgt. Foto: Matthias Liedtke
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Osnabrücker Musiker interpretieren ihre ganz persönlichen Lieblingslieder, das ist das alljährliche Motto der Benefiz-Song-Night vor Weihnachten in der Lagerhalle. Was diesmal zu hören war und wie die Künstler ihre Auswahl begründen.

Die alte Tante, die neue Liebe oder die wiederentdeckte Sprache: Es gibt viele Gründe, einen Song zum Lieblingslied zu erklären. Osnabrücker Musiker spielen sie bei der weihnachtlichen Jever Song Night Spezialausgabe in der Lagerhalle auf großer Bühne, der Erlös des Abends kommt dem gemeinnützigen Kulturzentrum K.A.F.F. am Hafen zugute. Uns haben Musiker verraten, warum sie welches Stück ausgewählt haben.

Mike Titré ist in Nordengland aufgewachsen und erinnert sich an eine Zeit, als noch nicht jeder einen eigenen Fernseher besaß. Zum Schauen der britischen Musiksendung „Top of the Pops“ in den 1960er-Jahren ging es deshalb zu Tante Lou. Die Beatles waren damals schon salonfähig, auch die Stones wurden toleriert, aber mit den Animals konnte man die Eltern noch schocken. Deshalb spielt der Gitarrist und Sänger der Osnabrücker Blues Company „Little Red Rooster“, begleitet vom Belmer Bio-Bauern Toni Schreiber am Piano.

Eine Verbindung zum Blues Company-Mastermind Todor Todorovic hat auch Stefan „Simmel“ Simon, obwohl der als Kopf der Osnabrücker Rock’n’Roll-Band Buddy and the Hotdogs ganz andere Musik macht. Aber „Tosho“ habe ihn damals als Lehrer am Konservatorium zur E-Gitarre gebracht, erzählt der Gitarrist und Bandleader.

Zusammen mit dem schottischen Sänger Stewart Fowler und „Pianeur“ Christoph Escher intoniert er „You Can Do No Wrong“ von Carl Perkins. Das Lied aus dem Jahr 1956 erzählt von so großer Verliebtheit eines Mannes, der einer Frau alles verzeiht – eine Erfahrung, die „Simmel“ nach eigenem Bekunden seit zwei Jahren selbst erleben darf.

Neben Elif Batman ist Seda Devran eine der im Hintergrund singenden „Soul Sistaz“ bei der Blues Company. Die Osnabrücker Musikschullehrerin hat sich für ein Lied der türkischen Sängerin Sezen Aksu entschieden, weil sie in letzter Zeit Englisch als Gesangssprache nicht mehr „fühlt“, wie sie verrät. Nicht zuletzt über ihr Mitwirken am Theaterstück „Die Brücke vom goldenen Horn“ habe sie gemerkt, dass Türkisch und Deutsch ihre Sprachen seien, sagt Devran und wirkt wie befreit.

Folgerichtig stammt ihr zweites Lieblingslied aus der Feder von Reinhard Mey. Dessen Ballade „In meinem Garten“ ist durch die Doku über den Rapper Haftbefehl 2025 unverhofft in den deutschen Streaming-Charts gelandet. Devran interpretiert das Stück am Flügel und mit starker Stimme – und sorgt für den ersten Gänsehautmoment des Abends.

Der zweite sollte ganz am Ende folgen, als Anne Bischow als letzte von acht Interpreten die Bühne betritt. Die aus Halle an der Saale stammende Osnabrücker Gesangstherapeutin und Jazz-Sängerin hat über ihren Unterricht vor Kurzem Aretha Franklins „Natural Woman“ für sich entdeckt.

Das könnte auch gut eine Beschreibung für „Steffi V“ sein, die mit verrauchter Stimme im Stil von Tom Waits Songs von Patti Smith und Amy Winehouse vorträgt. Zusammen mit K.T. Burg am Piano bildet sie das Osnabrücker Duo „Poolside Gossip“.

Es ist ein denkbar scharfer Kontrast, als danach die in Helsinki aufgewachsene und bekennende Queen-Hörerin Annika Spanuth auftritt, um gemeinsam mit Dainis Medjaniks als Violin-Duo Klassik auf die Bühne der Lagerhalle zu bringen. Er ist seit zwei Jahren Konzertmeister, sie Stimmführerin der zweiten Geigen im Osnabrücker Symphonieorchester.

Gegen die Klassik-Affinität seines Vaters hat Markus „Wecker“ Weckermann seinerzeit Barclay James Harvest ins Spiel gebracht – und nun auch zum Liederabend. „Eigentlich Oeseder“, komplettiert der Leiter der Kita Altes Wasserwerk im Schinkel, „Weckörhead“-Bassist und „OS Feast“-Veranstalter die maximal abwechslungsreiche, von Victoria „Toya“ Semel und Benedikt Schlereth moderierte Song Night.

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