Osnabrück Elektro, Punk und Rockabilly: Osnabrücker Musiker können auch Weihnachtslieder
Zu Weihnachten wird viel gesungen. Auch Osnabrücker Musiker haben Lieder zum Fest komponiert und intoniert – allerdings nicht immer in familientauglichem Gewand. Eine Übersicht.
Berthe Fleißig ist Singer/Songwriterin in Osnabrück. Sie hat sich vor drei Jahren einen Traum erfüllt und ein Album unter ihrem Vornamen veröffentlicht. Doch ihre Träume waren noch nicht ausgeträumt: Sie wollte auch ein Weihnachtslied schreiben. Jetzt ist das Stück „Whispering Wonders (from out of nowhere)“ veröffentlicht worden.
Das Lied ist eine echte „Made in Osnabrück“-Produktion. An den Reglern stand Pascal Thüring, Produzent der Band „The Livelines“, im Background singt Seda Devran, bekannt von den Soulsistaz der Blues Company. Und auch der Chor „Bobeatz“ der Osnabrücker Musikschule, den Janina Ruopp von The Silverettes leitet, ist zu hören.
Was zeichnet ein gutes Weihnachtslied aus? „Es muss von einer persönlichen Weihnachtsstimmung inspiriert sein“, sagt Berthe Fleißig. Für sie gehört neben Klavier und Gitarre sowie bestimmten Akkorden und Tonfolgen auch ein Chor dazu. Und auch eine kleine Glocke spielt eine große Rolle.
Als die 55-jährige Grundschullehrerin bei der NOZ die Liste der liebsten Weihnachtslieder der Redaktion gelesen hatte, fragte sie sich, ob auch Osnabrücker Musiker Weihnachtssongs geschrieben haben. Ja, haben sie – sogar jede Menge. Hier ist eine Liste, die jedoch nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Das 1954 gegründete Medium-Terzett hatte vor allem mit humoristischen Schlagern wie „Ein Loch ist im Eimer“ Erfolg. Doch die drei Herren aus Voxtrup konnten auch besinnlich. 1996, als es schon sehr still um das Trio geworden war, kam das Album „Das schöne große Weihnachtsfest“ heraus. Gleich eine ganze „musikalische Weihnachtsgeschichte“ gibt es vom Medium Terzett bei Youtube.
Als Sänger der „Angefahrenen Schulkinder“ ist Frontmann Heaven ein Urgestein der Osnabrücker Musikszene. Schon 1988 veröffentlichte der wild gelockte Sänger die CD „Heaven sings X-Mas“. Der Mann mit dem himmlischen Namen singt darauf Weihnachtslieder in Punk-Versionen, die wenig besinnlich, dafür aber – wenn man derben Humor mag – sehr lustig sind. Köstlich ist Heavens Interpretation von „Morgen kommt der Weihnachtsmann“, die er mit reibeiserner Stimme stotternd singt.
Wenig besinnlich klingt auch das Weihnachtslied, das die Silverettes diesen November veröffentlicht haben: „Fuck Christmas“ heißt die Nummer, die das Monty Python-Mitglied Eric Idle geschrieben hat. Auch wenn das Osnabrücker Rockabilly-Trio das Lied mit Süße und Anmut interpretiert, bei Youtube ist es nur mit Altersbeschränkung verfügbar. Deshalb zum Vergleich ein anderer Weihnachtsklassiker aus dem Repertoire der drei Osnabrückerinnen.
Obwohl der Titel „Silent Night“ an die „Stille Nacht“ des Weihnachtsklassikers erinnert, ist das Stück der Osnabrücker Blues Company ein ganz anderes Genre. Das Stück erzählt davon, wie es ist, den Heiligabend in einer fremden Stadt zu feiern. Dann hat man – klar – den Blues.
Die Folk-Punks von Mr. Hurley und die Pulveraffen feiern Weihnachten mit Grog. So ist es in dem Video zu sehen, das in der Töpferei Niehenke in Hasbergen gedreht wurde. Im Video zu „Karibische Weihnachten“ gibt es natürlich Streit, so wie in jeder anständigen Familie.
Auf Geschenke freuen sich vor allem Kinder zu Weihnachten. Neben dem Lied „Geschenke“ hat Kinderliedermacher Frank Acker eine ganze Reihe von Weihnachtsliedern im Gepäck – mal besinnlich, mal zum Tanzen.
Beppo Pohlmann war einst Mitglied der Gruppe Gebrüder Blattschuss – Sie erinnern sich, das waren die, die „Kreuzberger Nächte“ feierten. In einem Solo-Lied feiert der Dodesheider Pohlmann das Fest und kommt zu der nicht ganz überraschenden Erkenntnis: „Weihnachten gibt es nur einmal im Jahr“.
Auf der ganzen Welt ist Robin Schulz unterwegs und ein Star, doch auch seiner Heimat Osnabrück ist der DJ noch immer eng verbunden – wie 2024 bei seinem Auftritt beim Schlossgarten Open Air zu erleben war. Und der Elektro-Spezialist kann auch besinnlich: Aus seinem Dance-Track „Speechless“ hat er eine Christmas-Version gemacht, die auch dank der Stimme von Erika Sirola anrührend ist.
Neben Robin Schulz ist Christian Steiffen zum größten Pop-Export Osnabrücks geworden. Seine Version von „Leise rieselt der Schnee“ intoniert er zusammen mit seinem Hund Monty. Das rührte einen Fan so sehr, dass er in einem Kommentar zum Video auf Youtube geschrieben hat: „Mir schießen die Freudentränen aus der Brust!“
Ganz ohne Worte kommt der Osnabrücker Gitarren-Virtuose Peter Finger aus. Er hat „Leise rieselt der Schnee“ in einer instrumentalen Version eingespielt. Zu hören ist das Stück auf Spotify.
Zum Mitsingen oder Mitjaulen oder Mitblöken ist das Stück „Milleni fa“ von Ombre di Luci: Die falschen Italiener aus Osnabrück animieren ihr Publikum bei ihren Weihnachtskonzerten stets, die Laute von Wölfen, Krähen, Schafen, Ziegen und anderen Tieren akustisch darzustellen. Perfekt für alle, die behaupten, sie könnten nicht singen. Das Stück gibt es auf Spotify.
Einen epischen Weihnachtssong haben Jennifer Schotter und Jakob Lübke mit „Christmas Time“ aufgenommen. Das in der Jugendkirche Osnabrück aufgenommene Video kommt wie das Lied zwar zunächst sparsam daher, wird aber zum Ende mit Streichern immer größer.
Nach Hause fährt an Weihnachten nicht nur Chris Rea. „Coming Home“ ist der Titel des Weihnachtslieds des deutschen Soul-Sängers Miles King. Er hat es zusammen mit der Osnabrückerin Elif Batman eingesungen.
Nicht explizit ein Weihnachtslied ist das Stück „Da kommt Jesus“ von Elektro Strothmann. Der Laptop-Punk aus Osnabrück singt darin: „Da kommt Jesus mit dem Chip unter der Haut. Der Atem riecht nach Pommes und die Jacke nach Rauch.“
Und dann ist da noch die Frog Bog Dosenband. Die kommt zwar nicht direkt aus Osnabrück, sondern aus Kloster Oesede. Aber die Kirmes-Rocker halten auch zum Fest nicht ihren Mund. Ihr Weihnachtslied heißt „Weihnachten gibt’s auf die Fresse“. Damit ist alles gesagt.