Akkermanns Ansichten  Rocky Horror Fußballshow

Johannes Akkermann
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Eine Kolumne von Johannes Akkermann
| 19.12.2025 09:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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Bei der Auslosung des Spielplans zur Fußball-WM 2026 stand nicht der Sport im Mittelpunkt. Vielmehr hofierte FIFA-Präsident Infantino US-Präsident Trump mit einem „Friedenspreis“. Ein Tiefpunkt.

In guten alten Zeiten nahmen an einer Fußball-Weltmeisterschaft 16 Nationen teil. Die Auslosung des Spielplans verlief nüchtern und ohne Anteilnahme der Weltöffentlichkeit. Das Staatsoberhaupt des Gastgeberlandes trat frühestens zum Auftakt der WM in Erscheinung, indem es ein paar hölzerne Worte zur offiziellen Eröffnung sprach. Mit steigender Teilnehmerzahl und Kommerzialisierung entwickelte sich die Auslosung zu einem eigenen Event.

Bizarrer Tiefpunkt dieser Entwicklung war die Veranstaltung zur Fußball-WM 2026 im Kennedy-Center in Washington D.C., bei der nicht der Fußball, sondern der Präsident der USA im Mittelpunkt stand. Allein der Veranstaltungsort war eine Kampfansage von US-Regierung und Fußball-Weltverband (FIFA) an das „woke“ Amerika. Das nationale Kulturzentrum Kennedy-Center galt als Speerspitze einer vielfältigen und toleranten USA. Dann übernahm es Donald Trump, um die Kultur auf die Linie seiner MAGA-Bewegung zu bringen.

FIFA nie frei von politischen Verwicklungen

Als Ersatz für den entgangenen Friedensnobelpreis überreichte der FIFA-Präsident dem US-Präsidenten einen hässlichen Goldklumpen, den er als Friedenspreis bezeichnete. Friedenspreis für einen Mann, der mit regulären Truppen Krieg gegen Teile seiner Bevölkerung führt, in der Karibik ohne Gerichtsurteil mutmaßliche Drogendealer hinrichten lässt und die Ukraine für seine wirtschaftlichen Interessen opfern will. Das erweckte den Eindruck, als wenn sich zwei ehemalige Buddies einer Schulhofgang gegenseitig dafür feiern, dass ihr Lebensmodell aus Erpressung, Bedrohung und Korruption von Erfolg gekrönt ist.

Obwohl die FIFA von sich behauptet, unpolitisch zu sein, war sie in ihrer Geschichte nicht frei von politischen Verwicklungen und stand dabei meistens auf der falschen Seite. Der faschistische Diktator Mussolini nutzt die WM 1934 für seine Propaganda und der Titelgewinn Italiens ist bis heute von zweifelhaften Schiedsrichterentscheidungen überschattet. Die argentinische Militär-Junta sonnte sich 1978 in Gastgeberrolle und Titelgewinn und verschaffte sich dadurch ein paar Jahre, bis man sie zum Teufel jagte. Die deutschen Spieler wollten lieber nur Fußball spielen als sich zu äußern, was sie dann auffallend schlecht taten.

Kuschelkurs mit Despoten

Der Kuschelkurs mit Despoten nahm unter Gianni Infantino ab 2016 so richtig Fahrt auf. Ob Russland oder Katar, der FIFA-Präsident fühlte sich zu Hause. Sein Regierungsstil ist dem seiner Vorbilder ähnlich und selbst die europäischen Verbände spielen aus Gewinnsucht mit. Es sind Menschen wie ich, die das System mit Bezahlabos und Einschaltquoten am Laufen halten. Noch ist ihre Liebe zum Fußball größer als ihre Abscheu vor der skrupellosen Gelddruckmaschine der Verbände. Das Erreichen des Kipppunktes ist nur eine Frage der Zeit.

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