Hammerskins Emder bei Neonazi-Treffen in Italien
Ein Mann aus Emden nimmt an einem internationalen Treffen der in Deutschland verbotenen Hammerskins teil. Er spielte schon beim rechten Konzert „Live in Krummhörn 2“ eine Rolle.
Emden/Italien - Rechtsradikale Musik, Hitlergrüße und „Sieg Heil“-Rufe. Und mittendrin: ein Emder. Mitte November fand das sogenannte „Hammerfest“, das internationale Treffen der in Deutschland zu diesem Zeitpunkt verbotenen (siehe Anmerkung am Ende des Textes) rechtsradikalen und gewaltbereiten „Hammerskin Nation“ in Italien statt. Deutschland war besonders stark vertreten – unter anderem mit mehreren Neonazis, die auch bei dem Konzert „Live in Krummhörn 2“ eine Rolle spielten.
Belegt ist das durch eine Recherche von „Exif Recherche“. Das Hammerfest in Italien war in zwei Teile geteilt: es gab ein (halb-) öffentliches Konzert und ein „European Officers Meeting“, „eines von bis zu fünf jährlich geheim organisierten und internen Strategietreffen der Bruderschaft“, so Exif. An beiden nahm der Emder teil.
Hammerskins trotz Verbot weiter aktiv
Die Hammerskins wurden 2023 vom Bundesinnenministerium verboten. Kurz zuvor waren mehrere Mitglieder dieser „Bruderschaft“ an Organisation und Durchführung eines rechten Konzerts in der Krummhörn beteiligt. Neben einem Krummhörner trat damals der Emder Hammerskin als Hauptverantwortlicher für das Konzert auf. Der Mann war vor einigen Jahren aus Potsdam nach Emden gezogen. Zuvor war er aktives Mitglied der Hammerskins in Brandenburg und rechtsextremer Musiker.
Wer sind die Hammerskins?
Das Infoportal Belltower-News der Amadeu-Antonio-Stiftung bezeichnet die Hammerskins als „Terrorbruderschaft im Untergrund“. Der WDR spricht von „Schattenkriegern“. Die Bundeszentrale für Politische Bildung weist darauf hin, dass Hammerskins Verbindungen zum NSU hatten. Seit 1991 lassen sich Anhänger der ursprünglich in den Vereinigten Staaten entstandenen rechtsextremen Bewegung auch in Deutschland nachweisen.
„Die Hammerskin Nation sieht sich als militante Elite der internationalen Naziskinhead-Bewegung“, so die Bundeszentrale für politische Bildung. Das Bundesamt für Verfassungsschutz bezeichnete die Hammerskins vor dem Verbot 2023 als „die einzig verbliebene bundesweit aktive Skinhead-Organisation“. Zu den Aktivitäten der Hammerskins gehören unter anderem die Organisation von rechtsextremen Kampfsportveranstaltungen wie dem „Kampf der Nibelungen“, aber auch die Organisation von Konzerten, mit deren Einnahmen die rechte Szene finanziert wird. So gilt der Rechtsrock-Unternehmer Malte Redeker als Europachef der Hammerskins. Auch Redeker war beim diesjährigen Hammerfest dabei.
Die Vorbereitung auf einen „Tag X“, den gewaltsamen Sturz der Regierung beziehungsweise die gewaltsame Abschaffung des bestehenden Systems, gehört, so sind sich alle Recherchen einig, zum Kern der Hammerskins. Als Leitmotto adaptierten die Hammerskins die bei Neonazis beliebten 14 words des US-Terroristen David Lane („Wir müssen die Existenz unserer Rasse und die Zukunft für die weißen Kinder sichern.“).
Nach Italien reiste der Emder nun mit Hammerskins aus den Niederlanden an. Das Verbot der Neonazi-Gruppierung in Deutschland hat offensichtlich nicht dazu geführt, dass sich der Emder von seinen rechtsradikalen Kameraden losgesagt oder alle Spuren zur „Hammerskin Nation“ (HSN) aus seinem Leben verbannt hat. In Italien scheute er sich laut Exif nicht, „die in Deutschland verbotenen Symbole der HSN offen als Shirt-Motiv zu tragen“. Fotos belegen das.
Verbindungen zwischen Ostfriesland und den Hammerskins
In der Krummhörn war der Emder nicht der einzige Hammerskin, der am Konzert beteiligt war. Und einige der damaligen Helfer finden sich auch auf dem diesjährigen Hammerfest wieder. Beispielsweise der Hammerskin, der in der Krummhörn für die Sicherheit zuständig war. Der zum verbotenen „Chapter Westfalen“ gehörende Neonazi nahm als einziger Vertreter seines Chapters am ansonsten sehr durch deutsche Neonazis dominierten Hammerfest teil.
Anmerkung: Sowohl zum Zeitpunkt des Hammerfests als auch bei Ersterscheinen dieses Artikels waren die Hammerskins in Deutschland verboten. Dieses Verbot hat das Bundesverwaltungsgericht mit Urteil vom 19. Dezember 2025 gekippt. Die Gründe für die gerichtliche Aufhebung des Verbots liegen vor allem in der damaligen Verbotsbegründung. Das Bundesinnenministerium hatte die deutschen Hammerskin-Chapter als Teilorganisationen der bundesweiten Vereinigung „Hammerskins Deutschland“ verboten. Die Existenz dieser bundesweiten Vereinigung sieht das Bundesverwaltungsgericht nicht gegeben. Die „Einordnung der Chapter als Teilorganisationen und damit deren Einbeziehung in das Verbot ohne chapterbezogene Prüfung der Verbotsgründe“ sei laut Gericht nicht zu rechtfertigen. Das Urteil sagt nichts über die Gefährlichkeit der Hammerskins oder über die nachgewiesene Verfassungsfeindlichkeit der Gruppierung aus.