Weihnachten Hasenbraten versetzt Ostfriesin in die Kindheit
In unserer Serie „Früher war mehr Lametta“ beschreibt Anja Zimmermann, wie sie mit vier Geschwistern das Fest erlebte – und welche Tradition bis heute hält.
Hatshausen - Es ist ein spezieller Duft, der Anja Zimmermann von einem Moment auf den anderen in ihre Kindheit versetzt. Der hat mit dem traditionellen Essen an Heilig Abend zu tun, das jedes Jahr in ihrer Familie in Hatshausen serviert wurde. Die heutige Gleichstellungs- und Plattdeutschbeauftragte der Gemeinde Moormerland wuchs mit vier älteren Geschwistern auf. Das Weihnachtsfest habe in jedem Jahr den gleichen Ablauf gehabt, sagt sie.
„Meine Eltern hatten ein Unternehmen, da ging es vor Weihnachten immer hektisch zu“, sagt die 54-Jährige. Deshalb sei das Fest für sie vor allem der Moment gewesen, in dem alle zu Hause waren und Zeit für einander hatten. „Mit meinen Geschwistern habe ich zusammen viel gespielt und jeder von uns hatte einen eigenen bunten Teller“, erzählt Zimmermann. „Nie hätte jemand etwas vom anderen stibitzt, das gab es nicht.“ Die Süßigkeiten seien damals etwas Besonderes gewesen.
Besondere Momente mit der Familie
An Heilig Abend sei die ganze Familie zusammen in die Kirche gefahren. Obwohl ihr Vater mit einem Opel Commodore ein für die damalige Zeit recht großes Auto hatte, passten Eltern und fünf Kinder nicht alle hinein. „Ich erinnere mich daran, dass ich manchmal bei meinem Onkel mitgefahren bin“, sagt sie. Es war nur eine Fahrt von etwa zwei Kilometern gewesen, da habe sie auch mal bei ihrer Mutter auf dem Schoß gesessen. „Heute würde man das nicht mehr machen“, findet Zimmermann.
Nach dem Gottesdienst ging es wieder nach Hause. „Dann roch das ganze Haus nach Hasenbraten“, erzählt sie. Diesen Duft verbinde sie bis heute mit ihrer Kindheit, Weihnachten und dem Elternhaus. Der Tisch war mit dem besten Geschirr eingedeckt. Nach dem Essen begann die Bescherung, zuvor sangen alle gemeinsam. „Als ich etwas älter war, habe ich dazu Klavier gespielt“, sagt die 54-Jährige.
Rituale am Heiligen Abend
Der Weihnachtsbaum leuchtete mit echten Kerzen und Lametta sowie bunten Kugeln. „Es waren immer dieselben“, sagt sie. Nur einmal hätten die Eltern neuen Baumschmuck angeschafft, das sei dann schon etwas Besonderes gewesen. Am 1. Weihnachtsfeiertag seien sie dann zu Opa und Oma gegangen. Der Weg war nicht weit, denn beide Großeltern wohnten direkt nebenan, jeweils links und rechts. „Meine Patentante wohnte auch in der Nachbarschaft, da konnte ich hingehen und mit meiner Kusine spielen“, erinnert sich Zimmermann.
Noch einige Zeit nach dem Tod der Eltern hätten sich die Geschwister zu Weihnachten getroffen, aber inzwischen komme man nicht mehr zum Fest zusammen, sondern eher im Sommer. Einige hätten inzwischen schon Enkelkinder und feierten im eigenen Familienkreis. Anja Zimmermann und ihr Mann Wolfgang feiern mit dem 17-jährigen Sohn Wilke. Einiges sei bei ihnen tatsächlich noch wie früher, zum Beispiel das gemeinsame Singen zum Klavier. Auch der Kirchgang gehöre noch dazu.
Aber der Weihnachtsbaum werde nicht wie früher am Heiligen Abend geschmückt, sondern schon zum 1. Advent. „Wir haben auch eine Lichterkette statt der Kerzen“, sagt sie. Dafür gebe es aber nach wie vor Hasenbraten mit Rotkohl und Kartoffeln zum Abendessen. „Mein Mann ist auch Jäger, genau wie mein Vater“, sagt sie. Denn der leckere Duft, „den verbinden wir mit Weihnachten“.