Rüstungsindustrie TKMS Emden soll mehr Personal bekommen
Dem Rüstungskonzern TKMS geht es blendend. Davon wollen nun auch die Beschäftigten profitieren. Es gibt eine klare Forderung.
Emden - Der Betriebsrat von Thyssenkrupp Marine Systems (TKMS) in Emden verlangt von der Konzernführung in Kiel mehr Personal für den ostfriesischen Standort. Der Grund sind sprudelnde Gewinne und volle Auftragsbücher für den Rüstungskonzern.
„Wir haben momentan 210 Mitarbeiter in Emden“, sagte Amke Wilts-Heuse, die Betriebsratsvorsitzende von TKMS Emden, im Gespräch mit unserer Redaktion. „Hier könnten aber locker 300 Leute sitzen. Wir möchten, dass das Personal bis Ende nächsten Jahres deutlich aufgestockt wird.“
TKMS Emden sucht Auszubildende und Dual-Studierende
Die Arbeitnehmervertreter fordern schon länger mehr Mitarbeiter. Bisher haben sie immerhin erreicht, dass seit vergangenem Jahr wieder pro Jahr zwei Auszubildende zum technischen Produktdesigner eingestellt werden. Außerdem werden nach Angaben von Wilts-Heuse für das nächste Jahr sechs Dual-Studierende im Maschinenbau gesucht. Die neuen Ausbildungsplätze sollen nach dem Willen des Betriebsrates nun vor allem mit viel mehr neuem Fachpersonal ergänzt werden.
Die Mitarbeiter von TKMS Emden sind vor allem an der Konstruktion von Überwasser- und Unterwasser-Schiffen beteiligt. Laut Wilts-Heuse gibt es in Emden aber auch noch den Einkauf, das Controlling und die Logistik.
TKMS wächst rasant
Der Kieler Rüstungskonzern könnte sich rein theoretisch durchaus mehr Personal in Emden erlauben. Die Nachfrage nach konventionellen U-Booten sorgt für einen Auftragsbestand in Rekordhöhe bei Deutschlands größtem Marineschiffbauer TKMS. Die Werftengruppe hat im abgelaufenen Geschäftsjahr 2024/25 wichtige Kennzahlen gesteigert. „Wir haben ein weiteres Rekordjahr für TKMS“, sagte Vorstandschef Oliver Burkhard erst vor anderthalb Wochen. Der Auftragsbestand liege bei 18,2 Milliarden Euro, das seien 55 Prozent mehr als ein Jahr zuvor (11,6 Milliarden Euro).
Der jetzt vorgelegte freiwillige Geschäftsbericht ist der erste eigenständige Bericht der TKMS AG & Co. KGaA, die zum 1. Januar 2025 von der Thyssenkrupp AG abgespalten worden ist. Demnach stieg im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr der Umsatz um 9,3 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,0 Milliarden Euro). Unter dem Strich steht ein Nettogewinn von 108 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es knapp 88 Millionen Euro gewesen. Der Auftragseingang lag im Geschäftsjahr 2024/25 bei 8,8 Milliarden Euro und damit knapp sechsmal so hoch wie im Vorjahr (1,5 Milliarden Euro). Vor allem die Nachbestellung von vier U-Booten im Rahmen des deutsch-norwegischen 212CD-Programms, der Auftrag für den Bau des Forschungseisbrechers „Polarstern“, ein Großauftrag für die Modernisierung von sechs 212A-U-Booten der deutschen Marine und ein Exportauftrag über zwei weitere 218SG-U-Boote nach Asien sorgen für volle Bücher.
TKMS plant mit Millionen-Investitionen
Außer am Stammsitz in Kiel will TKMS im kommenden Jahr am Werftstandort in Wismar die Produktion von U-Booten aufnehmen. 200 Millionen Euro will die Werft im neuen Geschäftsjahr investieren, vor allem für eine Druckkörpertaktstraße in Mecklenburg-Vorpommern. Darunter versteht man eine Fertigungslinie für den Rumpf von U-Booten. Eine solche ist in Kiel bereits in Betrieb.
Von all diesen Investitionen will man nun auch in Emden profitieren. TKMS ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für nicht-nuklear betriebene U-Boote, baut aber auch Fregatten und Korvetten. Das Unternehmen hat mehr als 9.100 Beschäftigte, darunter rund 3.300 in Kiel. Weitere Standorte sind Wismar und Itajaí in Brasilien. Mehrheitsaktionär ist Thyssenkrupp.
Mit Material von dpa