Osnabrück  Künstliche Intelligenz in der Pflege – Helfer oder Gefahr?

Katharina Jarecki
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Von Katharina Jarecki
| 27.12.2025 08:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Technik kann Pflegekräfte entlasten – doch menschliche Nähe bleibt unersetzlich. Der Einsatz von KI im Pflegeheim wirft Chancen und Fragen auf. Foto: Katharina Jarecki
Technik kann Pflegekräfte entlasten – doch menschliche Nähe bleibt unersetzlich. Der Einsatz von KI im Pflegeheim wirft Chancen und Fragen auf. Foto: Katharina Jarecki
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Die Digitalisierung schreitet immer weiter voran – auch in der Pflege. Doch wie sinnvoll ist der Einsatz von künstlicher Intelligenz in einem so menschennahen Berufsfeld wirklich? Mit dieser Frage beschäftigte sich auch Christian Berdelsmann, Leiter des Hauses St. Marien in Belm. Dieser Beitrag entstand im Rahmen des Projekts „Medienlab“ der Neuen Osnabrücker Zeitung mit Schülerinnen der IGS Eversburg.

Die möglichen Aufgabenbereiche von Künstlicher Intelligenz (KI) entwickeln sich stetig weiter. Ziel ist es, Pflegekräfte zu entlasten und die Sicherheit der Patientinnen und Patienten zu erhöhen. So werden Gesundheitsdaten automatisch erfasst, Auffälligkeiten frühzeitig erkannt und bei Stürzen oder gesundheitlichen Beschwerden sofort Hilfe alarmiert.

Auch organisatorische Aufgaben, wie die Dokumentation oder die Dienstplanung, werden durch KI erleichtert. Für die Bewohnerinnen und Bewohner selbst ist der Einsatz Künstlicher Intelligenz ebenfalls denkbar – etwa als Erinnerung an Termine oder an die regelmäßige Tabletteneinnahme. Darüber hinaus befinden sich auch Systeme in der Entwicklung, die Gesellschaft spenden sollen, indem sie Gespräche führen oder sich Geschichten anhören.

Noch, so Christian Berdelsmann, spielt KI in seiner Einrichtung Haus kaum eine Rolle. Zwar gebe es im Haus St. Marien in Belm technische Programme, die im Hintergrund unterstützen, doch echte intelligente Systeme seien noch nicht im Einsatz. Grundsätzlich könne KI in Zukunft Aufgaben erleichtern, insbesondere in organisatorischen Bereichen oder bei einfachen Assistenzfunktionen, führt Berdelsmann aus. Für die zeitintensive Aufgabe – die Körperpflege – brauche es jedoch weiterhin menschliche Hände und menschliche Aufmerksamkeit. Er betont zudem, dass die Menschen immer pflegebedürftiger würden und auf persönliche Hilfe angewiesen seien. Diese lasse sich, zumindest zum jetzigen Stand der Entwicklung, nicht durch KI ersetzen.

Chancen sieht Berdelsmann vor allem dort, wo Technik Zeit schaffen kann – Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner. Aufgaben im Hintergrund, wie etwa die Planung, könnten künftig durch KI übernommen werden, sodass mehr Raum für „das Wort am Menschen“ bleibe. Gleichzeitig warnt er jedoch vor Risiken wie Datenunsicherheit und der Gefahr, sich zu sehr auf KI zu verlassen. Dies könne dazu führen, dass das eigene Handeln nicht mehr ausreichend hinterfragt werde.

Auch eine Bewohnerin des Hauses äußerte sich zu dem Thema. Sie weiß nur wenig über Künstliche Intelligenz und steht dem Thema eher zurückhaltend gegenüber. Der persönliche Kontakt sei für sie unverzichtbar, eine Maschine könne den Menschen niemals ersetzen. Auf die Frage, ob sie sich vorstellen könne, dass KI Trost oder Gesellschaft spenden könnte, antwortete sie entschlossen: „Nein, das ist ja nur ein Gegenstand ohne Gefühle.“

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