Tierschutz Warum Emdens Werftkatzen jetzt Hilfe brauchen
Die Versorgung der kastrierten Katzen auf dem Nordseewerke-Gelände ist gefährdet. Die Katzenfreunde Felix bitten um Spenden – und warnt vor neuen Problemen durch halterlose Tiere.
Emden - Der Emder Tierschutzverein „Katzenfreunde Felix“ schlägt Alarm: Die Futterreserven für die betreuten Katzen auf dem Gelände der ehemaligen Emder Nordseewerke gehen zur Neige. Der Verein bittet um Unterstützung, um die Versorgung der Tiere weiterhin sicherstellen zu können. Der Spendenaufruf lenkt den Blick auf ein Thema, das in Emden seit Jahren präsent ist: den Umgang mit verwilderten Hauskatzen und die Frage, wie wirksam Katzenschutzmaßnahmen tatsächlich sind.
Auf dem weitläufigen Werftgelände leben mehrere Katzen, die dort über Jahre hinweg Teil einer unkontrollierten Population waren. Erst durch gezielte Maßnahmen änderte sich vor wenigen Jahren die Situation. Mitglieder der Katzenfreunde Felix fingen 2019 in aufwendiger ehrenamtlicher Arbeit rund 40 Katzen und Kater ein, ließen sie kastrieren, chippen und registrieren. Zum Einsatz kamen Lebendfallen und Wildkameras. Der Aufwand war groß, der Erfolg messbar: Seit der Kastrationsaktion sind keine neuen Katzen mehr hinzugekommen.
Wie leben die Emder Werftkatzen heute?
Heute gilt die Population als stabil. Auf dem Gelände wurden feste Futterstellen eingerichtet. Außerdem stehen betreute Container zur Verfügung, die den Tieren insbesondere in der kalten Jahreszeit Schutz bieten. Die Betreuung erfolgt durch Ehrenamtliche in Zusammenarbeit mit der Katzenbeauftragten Mareike Pahlow. Auch nach Abschluss der Kastrationsmaßnahmen bleibt die Arbeit jedoch bestehen. Die Tiere müssen regelmäßig versorgt und kontrolliert werden.
Ein zentraler Baustein im Emder Katzenschutz ist die Katzenschutzverordnung, die am 1. Januar 2015 in Kraft trat und damit seit inzwischen mehr als zehn Jahren gilt. Sie verpflichtet Halterinnen und Halter von freilaufenden Katzen dazu, ihre Tiere ab einem Alter von fünf Monaten kastrieren, chippen und in einem Haustierregister registrieren zu lassen. Ziel der Regelung ist es, die unkontrollierte Vermehrung von Katzen einzudämmen und Tierleid zu reduzieren. „Insgesamt kann festgestellt werden, dass sich die Zahl der verwilderten Katzen im Stadtgebiet Emden stabilisiert beziehungsweise verringert hat“, sagt Stadtsprecher Eduard Dinkela auf Nachfrage. Ebenso konnte das Tierheim über einen längeren Zeitraum auf einen Aufnahmestopp wegen Überfüllung verzichten. „Dies sind deutliche Hinweise auf die positive Wirkung der bestehenden Maßnahmen.“
Tierheim am Limit: Stadt verweist auf Bußgelder
Dennoch meldete die Stadt Emden im Jahr 2023, dass das Tierheim aufgrund voller Kapazitäten erneut einen Aufnahmestopp für Katzen verhängen musste, und machte in diesem Zusammenhang auf die geltende Katzenschutz‑Verordnung aufmerksam. Die Stadt verwies auch darauf, dass Bußgelder von bis zu 5000 Euro drohen können. Personen gelten auch als Katzenhalter, wenn sie regelmäßig Katzen füttern.
„Echte Streuner, also völlig verwilderte Katzen mit schlechtem Gesundheitszustand, sieht man inzwischen nur noch selten“, sagt Irene Krieger vom Verein Katzenfreunde Felix. Das sei auch ein Ergebnis konsequenter Kastrationsarbeit. Dennoch bleibt die Situation komplex. Probleme entstehen heute weniger durch große Streunerpopulationen als durch sogenannte halterlose Hauskatzen. Das sind Tiere, die regelmäßig von verschiedenen Menschen gefüttert werden, aber niemandem offiziell gehören. Solche Konstellationen finden sich unter anderem in Schrebergärten, auf Höfen oder auf brachliegenden Flächen. „Sobald man eine Katze füttert, übernimmt man Verantwortung“, betonen die Tierschützer. Bleibt diese Verantwortung aus, entstehen neue Probleme.
Viele Katzenhalter dennoch uneinsichtig
Ein weiteres Thema ist die mangelnde Bekanntheit der gesetzlichen Vorgaben. Noch immer wissen viele Katzenhalter nicht, dass Freigängerkatzen kastriert, gechippt und registriert sein müssen. Besonders verbreitet ist der Irrglaube, dass Wohnungskatzen nicht kastriert werden müssten. Tierschützer widersprechen dem deutlich. Nicht kastrierte Tiere stehen unter dauerhaftem Stress, was aus ihrer Sicht tierschutzrelevant ist. Gelingt es einer solchen Katze, nach draußen zu entkommen, kann sie sich unkontrolliert vermehren.
Der Verein Katzenfreunde Felix hat sich deshalb bewusst auf Prävention und Aufklärung spezialisiert. Neben dem Einfangen und Versorgen verwilderter Hauskatzen unterstützt der Verein auch Katzenhalterinnen und -halter, die von der Grundsicherung leben, finanziell bei der Kastration ihrer Tiere. Ziel ist es, Probleme gar nicht erst entstehen zu lassen.
Wer Futter für die Werftkatzen übrig hat oder etwas spenden möchte, kann sich bei den Katzenfreunden Felix melden unter 0162/4730559.