Osnabrück  Das sind die zehn neuen Hauptrouten für den Radverkehr im Landkreis Osnabrück

Jean-Charles Fays
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Von Jean-Charles Fays
| 17.12.2025 07:32 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Der Radschnellweg von Osnabrück nach Belm ist bereits vorbildlich. Jetzt plant der Landkreis Osnabrück zehn neue Hauptrouten als Rückgrat des Radverkehrs im Osnabrücker Land. Foto: Michael Gründel
Der Radschnellweg von Osnabrück nach Belm ist bereits vorbildlich. Jetzt plant der Landkreis Osnabrück zehn neue Hauptrouten als Rückgrat des Radverkehrs im Osnabrücker Land. Foto: Michael Gründel
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Nach massiver Kritik des Fahrrad-Clubs ADFC am Zustand der Radwege hat der Landkreis Osnabrück vor zwei Jahren ein Radverkehrskonzept auf den Weg gebracht. Nun liegen die Ergebnisse vor. Wir stellen die zehn neuen Hauptrouten im Landkreis Osnabrück vor.

Das Radverkehrskonzept 2025 für den Landkreis Osnabrück markiert einen verkehrspolitischen Kurswechsel. Erstmals liegt eine umfassende, baulastträgerübergreifende Grundlage für den Ausbau der Radverkehrsinfrastruktur vor. Der Weg dorthin war jedoch kein Selbstläufer, sondern das Ergebnis anhaltender Kritik und politischer Debatten.

Auslöser war unter anderem die deutliche Positionierung des ADFC-Kreisvorsitzenden Wolfgang Driehaus. Er hatte das Osnabrücker Land wegen seiner Radwege-Infrastruktur öffentlich als Entwicklungsland bezeichnet. Seine Kritik machte Driehaus unter anderem an der Prioritätenliste des Landkreises für Baumaßnahmen an Kreisstraßen und Radwegen fest, die seit rund 15 Jahren geführt wird.

Nach dieser Liste müssten eigentlich rund 21 Kilometer Radwege an Kreisstraßen erneuert werden. Tatsächlich würden jedoch nur etwa zwei Kilometer pro Jahr saniert. Für den ADFC war damit klar, dass es nicht an Einzelprojekten mangelte, sondern an einer übergeordneten Strategie und an politischer Prioritätensetzung.

Als Reaktion darauf brachte der Kreistag Ende 2023 die Erarbeitung eines neuen, umfassenden Radverkehrskonzepts auf den Weg. Ziel war es, den Radverkehr grundlegend neu zu ordnen und erstmals ein zusammenhängendes Netz für den Alltagsverkehr zu entwickeln, an dem Land, Landkreis und Kommunen gemeinsam beteiligt sind.

Herzstück der Planung ist ein Radhauptroutennetz mit einer Gesamtlänge von rund 837 Kilometern. Zehn dieser Verbindungen wurden besonders detailliert untersucht. Sie gelten als Schlüsselachsen für den Alltagsradverkehr und sollen schrittweise ausgebaut werden.

Die Verbindung von Hagen aTW in Richtung Osnabrück ist eine wichtige Pendlerstrecke aus dem südwestlichen Landkreis. Sie führt über Holzhausen und verläuft vollständig entlang der Kreisstraße 301. In den Ortsdurchfahrten soll der Radverkehr künftig besser sichtbar gemacht und durch Tempo-30-Regelungen sowie verkehrsberuhigende Maßnahmen sicherer geführt werden. Zwischen Hagen und Holzhausen ist der Radweg bereits ausgebaut, in Richtung Stadtgrenze Osnabrück empfehlen die Gutachter eine abgestimmte Weiterführung.

Kosten: 593.000 Euro für Maßnahmen an Kreisstraßen.

Die Verbindung von Bissendorf nach Osnabrück ist eine wichtige Alltagsstrecke für Pendler und Schülerinnen und Schüler. Zwar gibt es entlang der Route durchgehend gemeinsame Geh- und Radwege, sie sind mit rund zwei Metern Breite jedoch oft zu schmal und vielerorts in die Jahre gekommen. Die Gutachter gehen davon aus, dass langfristig umfangreiche Sanierungen nötig werden. Kurzfristig sollen vor allem Engstellen entschärft und die Führung in Ortsdurchfahrten sowie an der Stadtgrenze Osnabrück verbessert werden.

Kosten: 808.000 Euro für Maßnahmen an Kreisstraßen.

Diese Strecke verbindet das Mittelzentrum Bramsche mit Osnabrück und wird bereits heute stark genutzt. Entlang der Route gibt es zwar Radwege, sie sind jedoch häufig zu schmal oder sanierungsbedürftig. Besonders an Kreuzungen und Einmündungen sehen die Gutachter Sicherheitsdefizite. Vorgeschlagen werden gezielte bauliche Verbesserungen und eine klarere Führung, um die Strecke dauerhaft alltagstauglich zu machen.

Kosten: 516.000 Euro für Maßnahmen an Bundes-, Gemeinde- und Gemeindestraßen.

Die Nord-Süd-Verbindung zwischen Bersenbrück und Bramsche ist vor allem für den Berufs- und Schülerverkehr von Bedeutung. Der Zustand der Radwege ist entlang der Strecke sehr unterschiedlich. Teilweise fehlen ausreichende Breiten, teilweise ist der Belag sanierungsbedürftig. Die Gutachter empfehlen deshalb einen umfassenden Ausbau, insbesondere an Engstellen und Knotenpunkten.

Kosten: 3,24 Millionen Euro für Maßnahmen an Kreis- und Gemeindestraßen.

Diese Route durch das Wittlager Land verbindet Bad Essen über Bohmte und Ostercappeln mit Belm. Außerhalb der Ortschaften fehlen vielerorts sichere und komfortable Radwege, innerorts ist die Führung teilweise unklar. Empfohlen werden der Ausbau bestehender Wege, die Schließung von Lücken sowie Verbesserungen an Querungsstellen.

Kosten: 2,45 Millionen Euro für Maßnahmen an Landes- und Gemeindestraßen.

Die Verbindung zwischen Belm und Ostercappeln ist eine wichtige Strecke im östlichen Landkreis. Derzeit fehlen auf mehreren Abschnitten geeignete Radwege, sodass der Radverkehr wenig attraktiv geführt wird. Die Gutachter empfehlen den schrittweisen Ausbau entlang der Strecke sowie eine bessere Abtrennung vom Autoverkehr.

Kosten: 1,6 Millionen Euro für Maßnahmen an Landes- und Kreisstraßen.

Die Route zwischen Melle und Bissendorf verbindet zwei bedeutende Wohn- und Arbeitsstandorte. Heute wechseln sich entlang der Strecke unterschiedliche Führungsformen ab, was die Nutzung unübersichtlich macht. Vorgeschlagen werden durchgängige Lösungen, klarere Markierungen und punktuelle bauliche Anpassungen, um die Verbindung als Radroute für den Alltag zu etablieren.

Kosten: 2,2 Millionen Euro für Maßnahmen an Landes- und Kreisstraßen.

Diese Strecke verbindet den südlichen Landkreis und wird sowohl im Alltag als auch in der Freizeit genutzt. Viele vorhandene Radwege sind jedoch zu schmal oder in schlechtem Zustand. Die Gutachter empfehlen einen umfassenden Ausbau mit ausreichend breiten und komfortablen Wegen, um die Verbindung dauerhaft attraktiv zu machen.

Kosten: 5,15 Millionen Euro für Maßnahmen an Landesstraßen.

Die Verbindung von Hilter über Wellendorf und Georgsmarienhütte nach Osnabrück verläuft teilweise entlang stark befahrener Straßen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an die Sicherheit. Empfohlen werden gezielte bauliche Maßnahmen, eine bessere Führung an Übergängen sowie eine enge Abstimmung zwischen den beteiligten Kommunen.

Kosten: 3,3 Millionen Euro, davon 1,76 Millionen Euro für Landesstraßen und 1,01 Millionen Euro für Gemeindestraßen.

Die südlichste Hauptroute verbindet die beiden Kurorte Bad Rothenfelde und Bad Laer und verläuft überwiegend entlang der Landesstraße 94. Neben dem Alltagsradverkehr spielt hier auch der Gesundheits- und Freizeittourismus eine Rolle. In Bad Laer besteht auf rund zwei Kilometern noch eine Lücke im Radwegenetz, die kurzfristig über eine alternative Führung südlich der Landesstraße geschlossen wird. Langfristig ist ein durchgehender Ausbau vorgesehen. In Bad Rothenfelde sind zwar beidseitig Geh- und Radwege vorhanden, diese sind jedoch zu schmal und sanierungsbedürftig und sollen verbreitert und erneuert werden.

Kosten: 1,9 Millionen Euro, davon 150.000 Euro für Gemeindestraßen und 1,76 Millionen Euro für Landesstraßen.

Diese zehn Hauptrouten bilden künftig das Rückgrat des Radverkehrs im Landkreis Osnabrück. Mit klaren Strecken, konkreten Maßnahmen und erstmals transparent benannten Kosten liegt nun ein belastbarer Rahmen vor. Fraglich ist noch, wann diese Rad-Hauptrouten gebaut werden.

Der Kreistag hat das Radverkehrskonzept am Montag einstimmig beschlossen und die Verwaltung beauftragt, die Umsetzung gemeinsam mit Kommunen und Land in einem Runden Tisch sowie in speziellen Planungsgruppen voranzutreiben. Der Landkreis gibt mit dem Radverkehrskonzept und den Voruntersuchungen die Richtung vor und kann über Maßnahmen an Kreisstraßen selbst entscheiden, die konkrete Umsetzung der vorgeschlagenen Hauptrouten an Gemeindestraßen müssen die kommunalen Parlamente vor Ort jeweils selbst beschließen.

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