Weihnachtshaus 37.655 Lichter bringen Wittmund zum Leuchten
Das Lichterhaus in der Friedeburger Straße in Wittmund entfaltet in der Adventszeit seine Magnetwirkung. Thomas Rexin bringt Jahr für Jahr ein bisschen mehr Licht ins Dunkel der Vorweihnachtszeit.
Wittmund - Stimmungsvoll leuchtende Sterne, aufblasbare Weihnachtsmänner, ein Rentier auf dem Dach – und dazu ein Meer aus bunten Lichtern. Das Wittmunder Weihnachtshaus ist ein fröhlicher und bunter Mix aus klassischer und moderner Dekoration und unzähligen Lichterketten in Rot, Grün, Blau oder sogar Lila. Thomas Rexin hat auch in diesem Jahr wieder alle Register gezogen und erleuchtet mit nunmehr 37.655 LEDs den Abend- und den Morgenhimmel über der Friedeburger Straße. „Vier Kilometer Kabel habe ich verlegt – nur die Lichterketten.“
Zu keiner Zeit des Jahres herrscht in dieser eigentlich recht ruhigen Nachbarschaft so viel Betrieb wie in den Wochen vor dem Jahresende. Thomas Rexin ist es ein Bedürfnis geworden, die Tradition aufrechtzuerhalten. „Für die Leute. Damit die was haben, wo sie in der dunklen Jahreszeit gucken können.“ Besonders aber freut er sich über Reaktionen der Kleinsten: „Wenn die Kinder hier rumwetzen und sich freuen.“ Mit seinem Lichtermeer verbreitet er Freude vor seiner Haustür. Manchmal, erzählt Rexin gerührt, kann er beobachten, wie sehr die Besucher seine Arbeit schätzen.
Das Lichterhaus – über die Jahre gewachsen
Von Jahr zu Jahr ist das Weihnachtshaus der Rexins ein bisschen pompöser geworden. „Das mach ich ungefähr schon das 20. Jahr“, berichtet der Weihnachtsfan. „Irgendwann habe ich angefangen – mit zwei kleinen Bäumchen. Und dann ist jedes Jahr ein bisschen was dazugekommen. Das ist irgendwie zum Selbstläufer geworden.“
Ursprünglich wollte Rexin seinen Kindern eine Freude machen. Mittlerweile sind sie erwachsen, 20 und 23 Jahre alt. Aufhören kommt für den 59-Jährigen, der Produktionsleiter bei Poppinga Käseservice ist, dennoch nicht infrage. „Aus der Nummer werde ich so nicht mehr rauskommen“, sagt er und lacht. „Ich werde teilweise schon im Sommer gefragt.“ Soweit Rexin bekannt ist, hat er das einzige Weihnachtshaus in Wittmund. Bis vor zehn Jahren gab es in der Straße Hohebier ein weiteres Lichterhaus, doch der Besitzer erkrankte schwer und starb.
Kindergartenkinder gucken das Weihnachtshaus an
Eines hat sich in 20 Jahren Lichterhaus nicht geändert: „Ich mach das vor allem für die Kinder.“ Es sind nur eben nicht mehr seine eigenen. Darum sind die Lichter am Haus in der Regel nicht nur in der Zeit von 16.30 bis 21 Uhr an, sondern auch morgens zwischen 7 und 8 Uhr. Damit die Kinder das Haus auf dem Weg zur Kita oder zur Schule sehen können. Die Kinder aus dem benachbarten Kindergarten im Blumenviertel kommen ohnehin seit Jahren geschlossen zum Gucken vorbei. Auch andere Wittmunder Institutionen wie Altenheime nutzten den Anlaufpunkt in der Friedeburger Straße schon als Ausflugsziel. Besonders viel Publikumsverkehr hatte das Weihnachtshaus zu Pandemiezeiten, erinnert sich Rexin.
Langeweile kommt im Wittmunder Lichterhaus so schnell nicht auf. Im Sommer beginnen für Thomas Rexin die Vorbereitungen auf die Adventszeit. Da läuft seine Planung an, was wo platziert wird – und er beginnt mit den Einkäufen. Manches kommt aus dem Baumarkt, vieles aber bestellt er im Internet. Denn Rexin liebt es groß und bunt: „In Deutschland etwas Buntes zu bekommen ist schwer. Das meiste ist weiß.“ Pro Jahr investiert er etwa 200 bis 300 Euro in Ersatzbeschaffungen und neue Liebhaberstücke, überschlägt er. Den halben Dachboden nimmt sein Hobby bereits ein. Ein Neuzugang in diesem Jahr ist der betrunkene Santa Claus. „Aber der steht so, dass die Kinder den nicht sehen können“, sagt der 59-Jährige lachend. Für die Stromkosten hat er eine Spendendose aufgestellt. Besucher können sich daran beteiligen.
Das Weihnachtshaus entschleunigt seinen Macher
Im September beginnt Rexin in der Regel mit der Überprüfung der Lichterketten und mit den notwendigen Reparaturen. Die Beleuchtung auf dem Dach und in den Bäumen lässt er zwar hängen – aber längst nicht alles trotzt dauerhaft der Witterung. Vor allem Stürme setzen der Elektronik zu: „Dann brechen die Kabel.“ Das passiert auch während der Weihnachtszeit immer mal wieder. Täglich kontrolliert Rexin darum, ob alles funktioniert. „Ich hab gerade wieder eine Kette getauscht“, sagt er. Basteln und reparieren liegen ihm. „Ich hab mit vier oder fünf Jahren das erste Mal ein Stromkabel repariert“, erzählt er. „Seitdem hab ich alles auseinandergeschraubt, was ich in die Finger bekommen habe.“
Im Oktober geht es dann los. Nach Feierabend und an den Wochenenden schmückt und dekoriert Rexin, stellt und bläst Figuren auf und setzt das Haus mit den vielen Tausend Lichtern in Szene. Der Zeitplan ist eng: „Ich versuche immer, am Mittwoch vor dem 1. Advent zu starten.“ 62 Stunden Arbeit seien es diesmal gewesen, im Vorjahr 80. „Da war mehr kaputt.“ Der Abbau dauert dafür nur maximal halb so lang. Für Arbeiten in teils schwindelerregender Höhe hat er mittlerweile eine kleine Leitersammlung, erzählt er gut gelaunt. Sein außergewöhnliches Hobby ist zeitaufwendig, aber es gibt ihm auch viel: „Es entschleunigt.“
Bis zum 29. Dezember 2025 erleuchtet Thomas Rexin sein Lichterhaus in Wittmund noch täglich. Wer sich hier oder an einem anderen Weihnachtshaus eine Portion Weihnachtsstimmung abholen möchte, wird am Hopfenzaun in Jever, in der Hauptwieke in Wiesmoor-Wilhelmsfehn und in der Ringstraße in Moordorf fündig.