Weihnachten  Zum Fest nur guten Fisch auf den Tisch

Melanie Hanz
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Von Melanie Hanz
| 16.12.2025 13:03 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Der Dorsch - oder Kabeljau - ist ein beliebter Speisefisch. Er gilt mittlerweile als überfischt. Forschende des GEOMAR untersuchen regelmäßig die Fischbestände in der Ostsee. Foto: Sarah Uphoff, GEOMAR
Der Dorsch - oder Kabeljau - ist ein beliebter Speisefisch. Er gilt mittlerweile als überfischt. Forschende des GEOMAR untersuchen regelmäßig die Fischbestände in der Ostsee. Foto: Sarah Uphoff, GEOMAR
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Viele beliebte Speisefische sind überfischt. Die Liste „Guter Fisch“ zeigt, welche Arten aus nachhaltigem Fang stammen und mit gutem Gewissen verspeist werden können.

Ostfriesland - Lachs oder Seezunge, Steinzunge oder Wolfsbarsch? Zum Weihnachts-Festschmaus soll es etwas Besonderes sein - Fisch auf dem Teller gehört für viele zur Tradition. Doch angesichts der Überfischung der Meere, der Zerstörung von Lebensräumen und hohen Beifangmengen sollte jeder beim Einkauf genau hinschauen und sich für Fisch aus zertifiziertem Fang entscheiden.

Um beim nachhaltigen Einkauf zu helfen, geben die Verbraucherzentralen gemeinsam mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH), dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR), dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) und dem World Wide Fund For Nature (WWF) eine Liste „Guter Fisch“ heraus. Sie umfasst 14 Fischarten, die man nach ökologischen Gesichtspunkten - noch oder wieder - mit gutem Gewissen verzehren kann.

Meeresschützer geben Orientierung beim Fischkauf

„Viele Verbraucherinnen und Verbraucher essen gerne Fisch und kennen gleichzeitig das Problem der Überfischung. Wir werden oft gefragt, welche Fische wir noch empfehlen können. Mit Hilfe unserer Liste kann jede und jeder selbst entscheiden, welcher Fisch zu Weihnachten auf dem Tisch landet“, erklärt Armin Valet von der Verbraucherzentrale Hamburg, was das Ziel der Liste „Guter Fisch“ ist. Die Verbraucher-Nachfrage entscheidet mit, was der Markt liefert. Ein bewusster Einkauf kann helfen, die Umweltverträglichkeit der Fischerei zu beeinflussen. Dazu gibt es jedes Jahr eine Abfrage bei den wichtigsten Händlern und Anbietern zu Arten, Herkunft und Fangmethoden. Für alle Arten gilt, dass sie nur empfehlenswert sind, wenn sie mit akzeptablen Fangmethoden gefischt werden.

Hering, Sprotte und Sardellen: Nur Heringe und Sardellen, die mit akzeptablen Fanggeräten in bestimmten Meeresgebieten gefangen werden, können empfohlen werden. Die Ostsee-Sprotte steht seit zwei Jahren nicht mehr auf der Liste „Guter Fisch“, sie gilt offiziell als überfischt. Foto: Sarah Uphoff, GEOMAR   Foto: Sarah Uphoff, GEOMAR
Hering, Sprotte und Sardellen: Nur Heringe und Sardellen, die mit akzeptablen Fanggeräten in bestimmten Meeresgebieten gefangen werden, können empfohlen werden. Die Ostsee-Sprotte steht seit zwei Jahren nicht mehr auf der Liste „Guter Fisch“, sie gilt offiziell als überfischt. Foto: Sarah Uphoff, GEOMAR Foto: Sarah Uphoff, GEOMAR

Diese Fischarten empfiehlt die Guter-Fisch-Liste:

  • Flunder, Scholle und Kliesche aus der Ostsee
  • Hering aus dem Golf von Riga
  • Seelachs aus der Barentssee
  • Schellfisch aus der Nordsee, westlich Schottlands (Skagerrak)
  • Ketalachs aus dem Nordostpazifik um Alaska
  • Rotlachs aus dem Nordostpazifik um Alaska
  • Weißer Thun, aus allen Meeresgebieten mit Ausnahme des Mittelmeers und Indischen Ozeans
  • Iberischer Stöcker aus portugiesischen Gewässern und der Biskaya
  • Echter Bonito, ein kleinerer Thunfisch, jetzt weltweit
  • Schildmakrele (Pazifische Makrele) aus dem Südostpazifik
  • Sardelle (Anchovy) aus der Biskaya
  • Miesmuscheln aus dem Nordostatlantik und als Leinenkultur
  • Bedingt empfehlenswert ist Alaska-Seelachs aus dem Nordostpazifik und der östlichen Beringsee - weil er mit Schleppnetzen gefangen wird, die teilweise den Meeresboden berühren und damit beschädigen.

    So funktioniert die Liste

    Für unverarbeiteten Fisch und Tiefkühlprodukte sind Angaben zu Fischart, Fangmethode und Fanggebiet verpflichtend. Diese sollten genau mit der Liste verglichen werden, damit am Ende kein Fisch aus einem stark bedrohten Bestand im Einkaufswagen landet. Allerdings ist die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung nicht immer ausreichend detailliert, um bewerten zu können, ob ein Produkt „guter Fisch“ ist. Im Zweifel ist eine gezielte Nachfrage zu empfehlen.

    Neben der Herkunft ist die Fangmethode ein wichtiges Kriterium. Verschiedene Geräte wirken sich unterschiedlich auf die Bestände, den Meeresboden und die anderen Tiere im Ökosystem aus. Besonders schädlich sind häufig Grundschleppnetze, da sie viel Beifang haben und den Meeresboden zerstören. Trotzdem werden sie vielerorts sogar noch in Meeresschutzgebieten eingesetzt. Mehr Infos: www.vzhh.de/guter-fisch-liste

Viele beliebte Speisefische wie der Nordsee-Hering oder der Kabeljau werden weiterhin überfischt. Dr. Philipp Kanstinger, WWF Fischereiexperte: „Überfischung hat viele Bestände geschwächt – die Klimakrise gibt ihnen nun den Rest. Wärmeres, sauerstoffärmeres Wasser setzt insbesondere Fischen wie Hering und Kabeljau zu. Wer auf die ‚Guter Fisch‘-Liste schaut, sorgt dafür, dass übernutzte Bestände entlastet und verantwortungsvoller arbeitende Fischereien unterstützt werden.“ Die Liste steht zum Download im Netz: www.vzhh.de/guter-fisch-liste

Das MSC-Siegel: Orientierungshilfe mit Einschränkungen

Auch das MSC-Siegel gibt einen Hinweis darauf, ob eine Fischart guten Gewissens verspeist werden sollte oder nicht. MSC ist die Abkürzung für Marine Stewardship Council. Der MSC ist eine internationale Einrichtung, die 1997 vom WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever gegründet wurde. Angesichts der dramatischen Überfischung vieler Fischbestände wurden Standards für eine nachhaltige Fischerei entwickelt. Inzwischen ist der MSC eine unabhängige Organisation.

Fisch zum Fest: Frischer Fisch liegt am frühen Morgen in einer Auslage eines Fischhändlers in der Fischmarkthalle im Hamburger Hafen. Foto: Marcus Brandt/dpa
Fisch zum Fest: Frischer Fisch liegt am frühen Morgen in einer Auslage eines Fischhändlers in der Fischmarkthalle im Hamburger Hafen. Foto: Marcus Brandt/dpa

Der MSC-Umweltstandard basiert nach eigenen Angaben auf den drei Grundsätzen Schutz der Fischbestände, Schonung des Lebensraums Meer und wirksames Management. Umweltorganisationen kritisieren das Siegel, weil die Standards zu schwach und unklar formuliert seien, zudem beinhaltet es keine Sozialstandards.

Aus Sicht der Verbraucherzentralen ist das MSC-Label ein Schritt in die richtige Richtung: Es hat dazu beigetragen, den nachhaltigen Fischfang zu fördern und als wichtiges Ziel in der Gesellschaft zu verankern. Somit kann es eine Einkaufshilfe für Verbraucherinnen und Verbraucher sein, denen Umweltaspekte beim Fischfang wichtig sind, so die Verbraucherzentrale Hamburg.

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