Osnabrück Heute „Tatort“ als Doppelfolge: Lohnt sich „Ein guter Tag/Schwarzer Schnee“?
Erstmals schickt der "Tatort" seine Zuschauer auf eine dreistündige Reise. Ob die durchhalten? Die Folgen "Ein guter Tag" und "Schwarzer Schnee" versprechen auf jeden Fall Dramatik und Hochspannung pur mit Ermittler Falke (Wotan Wilke Möhring) und seinem neuen Kollegen Schmitt (Denis Moschitto).
Polizeikommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ist sauer. Stinksauer. Eben mal kurz nach Delfzijl, einem kleinen niederländischen Küstenort in der Nähe von Emden, sollte der BKA-Ermittler fahren. Joe Glauning (Andrei Viorel Tacu), ein deutscher Autohändler aus Emden, sei dort spurlos verschwunden. Man vermutet, die berüchtigte „Mocro-Mafia“ könne ihre blutigen Finger im Spiel haben.
So weit, so normal. Gefahr ist schließlich Falkes Job. Aber es dauert nicht lange, und Falke muss erkennen, dass er von seinen Vorgesetzten hinters Licht geführt wurde. Glauning heißt gar nicht Glauning, sondern Carsten Kellmann und arbeitet als verdeckter Ermittler. Vermutlich ist er als Informant bei einer der Mocro-Banden aufgeflogen. Oder übergelaufen?
Falke bleibt allerdings gar keine Zeit, seiner Wut freien Lauf zu lassen. Zwei Männer geraten in einen tödlichen Hinterhalt, in den sie ganz offensichtlich von Glauning aka Kellmann nach dessen Verschwinden gelockt wurden. Das soll nur der Anfang für eine brutale Mordserie sein, in die Falke gemeinsam mit seinem neuen deutschen Kollegen Mario Schmitt (Denis Moschitto) und seiner niederländischen Kollegin Lynn de Baer (Gaite Jansen) unvermittelt hineingerät.
Mit dem neuen „Tatort: Ein guter Tag/Schwarzer Schnee“ versucht die ARD mal etwas vollkommen Neues: eine Doppelfolge in deutsch-niederländischer Koproduktion, drei Stunden Laufzeit. Ob die Zuschauer da mitmachen und durchhalten? So viel sei verraten: Es lohnt sich. Regisseur Hans Steinbichler gelingen nach dem Drehbuch von Alexander Adolph und Eva Wehrum 180 ausnahmslos spannend inszenierte und mitreißende Minuten rund um eine Bedrohung, die leider realer als die Fiktion im Tatort ist.
Lange Zeit war die sogenannte Mocro-Mafia vor allem in den Niederlanden und Belgien aktiv. Mittlerweile hat diese durch beispiellose Brutalität und Skrupellosigkeit geprägte Bande auch in Deutschland (insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Hamburg) Fuß gefasst. Im vergangenen Jahr kam es unter anderem in Köln und Duisburg zu einer bis dahin nicht gekannten Eskalation der Gewalt, die der Mocro-Mafia zugeordnet wird.
Dabei stehe diese Form der organisierten Kriminalität anders als die klassische Mafia „exemplarisch für eine neue Generation von organisierten, internationalen Drogenbanden, die durch Dezentralität, extreme Gewaltbereitschaft und die gezielte Rekrutierung Jugendlicher geprägt ist“, wie der Hamburger Landesvorsitzende Jan Reinecke vom Bund Deutscher Kriminalbeamter in einem NDR-Pressestatement betont.
Dieser Tatort orientiert sich bei aller Fiktionalität sehr nah an der Realität. Inspiriert ist diese deutsch-niederländische Doppelfolge von Recherchen des „Spiegel“-Reporters Jürgen Dahlkamp. Die skrupel- und gnadenlose Brutalität, die hier in den beiden „Tatort“-Episoden abgebildet wird und selbst auf manche Krimi-Fans verstörend wirken mag, ist leider keine Filmphantasie.
Da gerät die Einführung des neuen, nerdigen Cyber-Kriminalisten – die Berufsbezeichnung gibt es wirklich – schnell ins Hintertreffen. So sehr, wie der Bauchmensch Falke und sein etwas weltfremd wirkender neuer Kollege Schmidt sich zunächst gegenseitig missverstehen, so sehr muss angenommen werden, dass die beiden Schauspieler Möhring und Moschitto auf Anhieb am Set harmoniert haben.
Wobei die Figurenzeichnung des in sich versunkenen Computerspezialisten mit seinen ewigen Ohrstöpseln und seiner „Denkmusik“ zu Beginn nur haarscharf am Klischee vorbeischrammt. Aber das legt sich. Und am Ende möchte man das neue Ermittler-Duo Falke und Schmidt nicht mehr missen.
„Tatort: Ein guter Tag/Schwarzer Schnee“ läuft am Sonntag, 21. Dezember, um 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.