Neue Pläne Ist der Tennet-Hub im Kreis Leer nun Geschichte?
Der geplante Multiterminal-Hub im Landkreis Leer ist ein großes Streitthema. Doch nun gibt es neue Pläne von Tennet. Was passiert jetzt mit dem riesigen Bauprojekt?
Nortmoor/Landkreis Leer - Heiko Claußen ist seine gute Laune anzusehen. „Es gibt gute Neuigkeiten“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) aus Nortmoor im Gespräch mit dieser Zeitung mit einem breiten Grinsen. Die BI hat sich in den vergangenen Monaten immer wieder gegen einen Multiterminal-Hub von Netzbetreiber Tennet in ihrer Gemeinde ausgesprochen. Nun haben die vier größten Netzbetreiber den ersten Entwurf des Netzentwicklungsplans (NEP) veröffentlicht. Und darin ist der Bau eines Multiterminal-Hubs im Landkreis Leer nicht mehr vorgesehen.
Tennet wollte lange Zeit einen Multiterminal-Hub im sogenannten Suchraum „Nüttermoor“ platzieren. Hierzu gehören neben Nortmoor auch Moormerland, die Stadt Leer und Jemgum. Im aktuellen Entwurf heißt es dazu, dass sich das Vorhaben „in der Gesamtabwägung von Kosten und Nutzen in diesem NEP nicht mehr als Teil eines volkswirtschaftlich effizienten Klimaneutralitätsnetzes“ zeigt. Das betrifft vor allem den geplanten Nord-West-Link und Ost-West-Link.
Was sagt Tennet dazu?
„Laut dem ersten Entwurf des Netzentwicklungsplanes werden wir keinen Multiterminal-Hub im Suchraum Nüttermoor bauen“, heißt es von Tennet auf Anfrage. Zurzeit führe das Unternehmen die Trassenvoruntersuchung fort. Im Anschluss werde dann eine geeignete Fläche für ein Umspannwerk im Suchraum Nüttermoor und ein Offshoreanbindungssystem gesucht werden, heißt es. Wie viel Platz dafür gebraucht wird, könne noch nicht gesagt werden. Allerdings ist zu vermuten, dass das neue Projekt deutlich kleiner ausfallen wird als die 60 Hektar, die für einen Multiterminal-Hub nötig wären. Das Umspannwerk in Emden-Ost etwa ist gut 20 Hektar groß. Im Weeneraner Ortsteil Diele soll das alte Umspannwerk in den nächsten Jahren auf einer rund 25 Hektar großen Fläche neu gebaut werden.
Ein Multiterminal-Hub in Ostfriesland wird aber wohl dennoch gebraucht. Im aktuellen Entwurf des NEP ist von einem neuen Multiterminal-Hub im Suchraum Esens die Rede. Der Suchraum wird als küstennah beschrieben. Der Strom fließt dann von den Offshore-Anlagen über Esens in den Westen nach Oberzier (Nordrhein-Westfalen). „Nach Auswertung des NEP wird die Flächengröße ebenso wie ein möglicher neuer Standort für einen Multiterminal-Hub in Esens neu bewertet“, heißt es von Tennet auf Anfrage.
Was sagen die Nortmoorer?
Heiko Claußen feiert diese Entwicklung als Erfolg. „Der Einsatz der BI hat sich gelohnt“, sagt er. Allerdings ist dieser erste Entwurf mit Vorsicht zu genießen: Denn der Suchraum Nüttermoor kann im nächsten Entwurf wieder auftauchen. Claußen hält das aber für sehr unwahrscheinlich. „Wir haben von Anfang an argumentiert, dass Nortmoor kein guter Standort für so einen Hub ist. Und dass es sich auch wirtschaftlich für Tennet nicht lohnt“, sagt er. Die Bürgerinitiative jedenfalls bleibe weiter bestehen.
„Es lohnt sich weiterhin, in Nortmoor wohnen zu bleiben“, sagt Bürgermeister Udo Dänekas. Auch er freut sich über den aktuellen Entwurf. „Das Thema hat uns alle sehr bewegt“, sagt er. Einige Nortmoorer haben wegen der Pläne von Tennet immer wieder mit dem Verkauf ihrer Häuser geliebäugelt. Davon bekam auch Dänekas mit. „Bleibt im schönen Nortmoor wohnen, kann ich jetzt sagen.“
Den neuen Plänen für ein mögliches Umspannwerk in Nortmoor steht Dänekas positiv gegenüber. „Ich glaube, alles, was kleiner und überschaubarer als so ein riesiges Hub ist, können wir annehmen“, so der Bürgermeister. Bis es allerdings so weit kommt, wird noch einige Zeit vergehen. Denn der Netzentwicklungsplan braucht noch einen zweiten Entwurf und muss dann in das Bundesbedarfsplangesetz aufgenommen werden. Erst dann kann Tennet mit dem Bau beginnen.
Im Entwurf ist die Rede von einem Umspannwerk, das im Suchraum Nüttermoor gebaut werden soll. Nortmoor wird hier nicht explizit genannt. Wir haben das im Text korrigiert und bitten, diesen Fehler zu entschuldigen.