Hamburg  Verpflichtende Trinkpausen bei der WM 2026: Die nächste Goldgrube für die FIFA?

Sophie Wehmeyer
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Von Sophie Wehmeyer
| 12.12.2025 06:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Für die WM 2026 werden verpflichtende Trinkpausen eingeführt: Hat die Fifa neuerdings ein Herz für die Fußballspieler? Foto: IMAGO/MIS
Für die WM 2026 werden verpflichtende Trinkpausen eingeführt: Hat die Fifa neuerdings ein Herz für die Fußballspieler? Foto: IMAGO/MIS
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Klingt fast so, als hätte die FIFA den Schutz der Spieler zur Priorität erklärt. Für die WM 2026 führt sie verpflichtende Trinkpausen ein – ausgerechnet dort, wo sich Schutz und Show bestens kombinieren lassen.

Neue Regeln können den Sport verändern. Die neue Trinkpause tut das auch – aber wirklich zum Guten? Bei der Fußball-WM 2026 wird jedes der 104 Spiele nach 22 Minuten für exakt drei Minuten unterbrochen – unabhängig von Hitze, Uhrzeit und Stadionbedingungen.

Offiziell verkauft die FIFA ihre neuen Trinkpausen als Gesundheitsmaßnahme, die Spieler vor Überhitzung schützen soll. Doch was die FIFA aktuell tut, hat wenig mit medizinischer Fürsorge zu tun. Inoffiziell schützen sie vor allem das, was dem Weltverband wirklich am Herzen liegt: zusätzliche Werbeflächen.

Wie der Zufall es will, wurde die Regeländerung beim „World Broadcaster Meeting“ präsentiert. Also bei genau jenem Treffen, bei dem TV-Anbieter über Sendezeiten, Rechtepakete und vor allem Werbeplätze verhandeln – nicht über Hitzeschutz.

Niemand bestreitet, dass Profisportler bei 35 Grad Schutz brauchen, dass kurze Unterbrechungen Konzentration und Belastungssteuerung verbessern können. Und Trainer dürften die taktischen Mini-Auszeiten lieben. Doch zuletzt hat bereits die Klub-WM gezeigt, wie so eine Trinkpause nachher wirklich im TV aussieht.

Diese Strategie fügt sich in ein Gesamtbild ein, das die WM 2026 schon jetzt prägt. Der Weltfußballverband betreibt ein dynamisches Preismodell, bei dem Ticketpreise je nach Nachfrage in Sekunden explodieren können. Auf der eigenen Wiederverkaufsplattform tauchten Finalkarten bereits für bis zu 64.000 Dollar auf – und dort kassiert die FIFA jeweils 15 Prozent Gebühr. Selbst Parktickets für einzelne Stadien kosten bis zu 175 Dollar. Fans sprechen von einer Ausbeutung der Loyalität.

Die WM 2026 soll ein Spektakel werden, nicht zuletzt durch die geplante Halbzeitshow für das WM-Finale, die wohl eher an den Super Bowl erinnern wird.

Gleichzeitig wird das Turnier wegen der Aufstockung auf 48 Mannschaften und durch die drei Gastgeberländer ohnehin zur Belastungsprobe – sportlich, logistisch und klimatisch. Wenn der FIFA tatsächlich am Wohl der Spieler gelegen wäre, würden Reformen eher bei Turnierumfang, Reisedistanzen oder Regenerationsfenstern ansetzen. Stattdessen wird das Argument des Spielerschutzes dort genutzt, wo es sich finanziell gut verwerten lässt.

Wer 2022 eine WM in der Wüstenhitze von Katar verantwortet hat, sollte sich mit fürsorglichen Gesten jedenfalls nicht allzu glaubwürdig fühlen.

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