Mehr Lametta geht nicht  Wiesmoorer Weihnachtshaus toppt alle

Nicole Böning
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Von Nicole Böning
| 11.12.2025 18:25 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 7 Minuten
Sabrina und Klaas Behrends verwandeln ihr Haus in Wilhelmsfehn an der Hauptwieke seit 2018 zur Adventszeit in ein leuchtendes Weihnachtshaus. In diesem Jahr haben sie sich selbst übertroffen. Foto: Klaus Ortgies
Sabrina und Klaas Behrends verwandeln ihr Haus in Wilhelmsfehn an der Hauptwieke seit 2018 zur Adventszeit in ein leuchtendes Weihnachtshaus. In diesem Jahr haben sie sich selbst übertroffen. Foto: Klaus Ortgies
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Jahr für Jahr verwandeln Klaas und Sabrina Behrends ihr Haus in Wiesmoor-Wilhelmsfehn in ein Weihnachtshaus. Mit fast 56.000 LEDs übertrumpfen sie dieses Jahr sogar das Lichterhaus in Moordorf.

Wiesmoor - Den Begriff Weihnachtshaus kennt der Duden gar nicht. Trotzdem machen Weihnachtshäuser in der Adventszeit immer wieder von sich reden. Es sind festlich beleuchtete Häuser – Lichtblicke in der dunklen Jahreszeit. Auch Klaas und Sabrina Behrends aus Wiesmoor-Wilhelmsfehn haben eins. „Wir haben uns immer gefragt, ab wann man ein Haus Weihnachtshaus nennen kann“, sagt Klaas Behrends. „Dann haben wir beschlossen, dass es dann so weit ist, wenn man sich dazu entscheidet“, sagt er und lacht.

Klaas Behrends führt ganz genau Buch über die Anzahl der leuchtenden LEDs. Den aktuellen Stand notiert er auf einer Tafel neben der Auffahrt an der Stelzenwieke. Foto: Klaus Ortgies
Klaas Behrends führt ganz genau Buch über die Anzahl der leuchtenden LEDs. Den aktuellen Stand notiert er auf einer Tafel neben der Auffahrt an der Stelzenwieke. Foto: Klaus Ortgies

Das Paar hat sich im Jahr 2018 dazu entschieden, dass es ein Weihnachtshaus besitzt. Was damals mit ein paar Lichterketten und einer kleinen Tanne begann, ist Jahr für Jahr gewachsen. In diesem Jahr strahlt das Weihnachtshaus der Behrends′ erstmals heller als das bekannteste ostfriesische Weihnachtshaus in Moordorf. Mit fast 56.000 Lichtern haben Klaas und Sabrina Behrends die Messlatte in der Region ein ganzes Stück höher gelegt. Angeschaltet werden die Lichter jeden Tag, etwa von 16.30 Uhr bis 21 Uhr.

Vom ersten Lichterketten-Jahr zum Weihnachtshaus in Wiesmoor

Wie viele LEDs genau brennen, ist tagesaktuell an einer Tafel neben der Auffahrt zu lesen. An diesem Tag sind es genau 55.968. Warum die Zahl so genau bekannt ist? Klaas Behrends zieht eine kleine Kladde hervor. Seit 2020 dokumentiert er jede einzelne Lichterkette akribisch. „Das ist revisionssicher. Wir veranstalten unter den Fans unseres Weihnachtshauses ein Schätzspiel. Deshalb muss ich Rechenschaft ablegen können, falls jemand das Ergebnis prüfen möchte“, sagt er. Mittlerweile füllen die Aufzeichnungen neun Seiten – und der Überblick ist garantiert.

Sabrina Behrends ist wie ihre ganze Familie ein echter Weihnachtsfan. Auch in der Wohnung wird dekoriert: „Die Kinder lieben das.“ Foto: Klaus Ortgies
Sabrina Behrends ist wie ihre ganze Familie ein echter Weihnachtsfan. Auch in der Wohnung wird dekoriert: „Die Kinder lieben das.“ Foto: Klaus Ortgies

„Unsere Beleuchtung war 2018 zwar noch nicht die eines richtigen Weihnachtshauses“, erinnert sich Klaas Behrends. „Aber es war für uns der Startschuss, weil wir gefühlt schon ein bisschen mehr Beleuchtung hatten als alle um uns herum.“ Richtig Fahrt aufgenommen hat das Projekt ab 2020. Damals waren es noch exakt 7638 LEDs. Doch seit dem Jahr trägt das Haus den X-mas-Schriftzug auf dem Dach – das ist die Abkürzung für das englische Wort „Christmas“ (Weihnachten). „Seitdem sagen die Leute auch, ‚Lass uns mal zum X-mas-Haus gehen‘“, sagt Behrends. „Der Name ist seitdem unser Markenzeichen.“

Weihnachtsbeleuchtung in luftiger Höhe – und immer mehr Lichter

In diesem Jahr hat Klaas Behrends trotz seiner Höhenangst auf dem Dach noch einmal aufgestockt. Für die neuen Lichtelemente musste er extra Halterungen anbringen – eine echte Herausforderung. „Es ist jedes Mal eine Überwindung, aufs Dach hochzugehen“, sagt er. Doch der Aufwand lohnt sich: Die zusätzlichen Lichter auf dem Dach haben die Anzahl an LEDs noch einmal heftig in die Höhe getrieben – und dafür gesorgt, dass die Zahl insgesamt noch einmal um 20.000 im Vergleich zum Vorjahr gestiegen ist.

Von der Hauptwieke aus ist das X-mas-Haus nicht zu übersehen. Am besten fährt man von Wiesmoor nach Großefehn, dann ist die Schokoladenseite an der Stelzenwieke zu sehen. Foto: Klaus Ortgies
Von der Hauptwieke aus ist das X-mas-Haus nicht zu übersehen. Am besten fährt man von Wiesmoor nach Großefehn, dann ist die Schokoladenseite an der Stelzenwieke zu sehen. Foto: Klaus Ortgies

Es ist so hell, dass man eigentlich nicht am X-mas-Haus vorbeifahren kann. „Achte mal auf das Auto hinter dem Kanal. Gleich hält es an, dann kurbelt der Fahrer das Fenster herunter oder steigt aus“, prophezeit Behrends. Genau so passiert es. Dass das Weihnachtshaus der Familie ein echter Hingucker ist, zeigt sich nicht nur an den vielen Autos, die immer wieder anhalten. Klaas Behrends erinnert sich an eine besondere Szene: „Einmal hat sogar ein Reisebus gehalten“, erzählt er. Der Bus war auf dem Weg Richtung Ostgroßefehn, als der Fahrer anhielt. „Dann sind etwa 20 Leute ausgestiegen, haben Fotos gemacht und sich das Lichtermeer angeschaut.“

Wilhelmsfehntjer Weihnachtshaus: Ein echter Hingucker für Besucher

„Unseren Garten können wir leider nicht für alle öffnen, dazu ist der Boden hier zu feucht“, sagt Behrends. Doch von der Hauptwieke und der Stelzenwieke aus haben Besucher einen guten Blick auf das Haus. Wer eine Nachricht dalassen möchte, kann den roten Weihnachtshaus-Briefkasten neben der Tafel mit der Zahl der LEDs nutzen. Das Wilhelmsfehntjer Weihnachtshaus hat seit diesem Jahr sogar einen eigenen WhatsApp-Kanal mit 212 Followern. Dort gibt es immer die neusten Infos rund um das Weihnachtshaus und regelmäßig Schätzspiele.

Seit diesem Jahr hat das Weihnachtshaus einen Briefkasten für Fanpost. Er liegt etwas versteckt hinter der Tafel an der Einfahrt und ist von der Stelzenwieke aus zugänglich. Foto: Klaus Ortgies
Seit diesem Jahr hat das Weihnachtshaus einen Briefkasten für Fanpost. Er liegt etwas versteckt hinter der Tafel an der Einfahrt und ist von der Stelzenwieke aus zugänglich. Foto: Klaus Ortgies

Weil man dort nicht antworten kann, hat Klaas Behrends eine E-Mail-Adresse eingerichtet: Auf Nachrichten an weihnachtshaus@online.de freuen sich Sabrina und Klaas Behrends – zusammen mit ihren Töchtern Alina (17), Nele (15), Mia (12), Merle (7) und Lara (3). „Wir alle lieben Weihnachten und das Weihnachtshaus“, sagt Sabrina Behrends. Vom Haus aus haben die sieben den besten Blick auf die Dekoration im Garten. „Wir haben alles so aufgebaut, dass es von den Fenstern aus am schönsten ist“, sagt Klaas Behrends. Dass alle anderen auch etwas davon haben, ist sozusagen ein Kollateralschaden.

Stromverbrauch beim Weihnachtshaus: Was kostet der Lichterzauber?

Und wie sieht es mit der Stromrechnung aus? Klaas Behrends hat auch die genau im Blick: „Die ganze Beleuchtung braucht etwa 1,5 Kilowatt pro Stunde“, sagt er. Bei rund viereinhalb Stunden Leuchtdauer am Tag hält sich der Stromverbrauch in Grenzen, findet er. „Der Betrieb eines Weihnachtshauses ist meiner Meinung nach nicht teuer – teuer ist eher die Anschaffung und die Reparatur der Lichter.“ Doch wer am Weihnachtshaus der Behrends′ eine Spende dalässt, zahlt weder für die Beleuchtung noch für die Stromrechnung. Das Geld ist für einen guten Zweck bestimmt: Die Familie sammelt für die Kinder- und Jugendarbeit der Auferstehungsgemeinde in Ostgroßefehn.

Aus einem Hasenstall hat Klaas Behrends die Kirche St. Wilhelm gebaut – benannt nach dem Wiesmoorer Ortsteil, in dem die Familie wohnt. Foto: Klaus Ortgies
Aus einem Hasenstall hat Klaas Behrends die Kirche St. Wilhelm gebaut – benannt nach dem Wiesmoorer Ortsteil, in dem die Familie wohnt. Foto: Klaus Ortgies

Für die Familie beginnen gleich nach Weihnachten die Vorbereitungen auf das nächste Weihnachtsfest: Kaum ist der letzte Lichtervorhang abgebaut, wird notiert, was kaputtgegangen ist, was repariert und was im nächsten Jahr ersetzt werden muss. „Man hat das ganze Jahr über zu tun, wenn man ein Weihnachtshaus hat“, sagt Klaas Behrends. Im Sommer beginnt die Suche nach günstigen Lichtelementen – am besten gebraucht, damit es nicht zu teuer wird. „Wir kaufen selten etwas neu. Vieles wird recycelt oder umgebaut – unser Motto ist: Nichts verschwenden, wiederverwenden.“

Organisation und Planung: So entsteht das Lichterhaus in Wiesmoor

Der Aufbau ist eine Wissenschaft für sich: 26 Aufbaubereiche hat Klaas Behrends auf einer Skizze gekennzeichnet. „Schematische Darstellung freier Steckdosen“ steht drauf. Dorthin verteilt er den Inhalt der 58 fein säuberlich beschrifteten Kisten, die nach Weihnachten auf dem Dachboden bis zum nächsten Auftritt eingemottet werden. Schon Anfang Oktober beginnt für die Familie die heiße Phase der Vorbereitungen für die nächste Adventszeit.

Bei ihrem Wilhelmsfehntjer Weihnachtshaus setzt Familie Behrends außen vor allem auf Lichter – ein wenig Dekoration ist dort aber auch zu finden. Foto: Klaus Ortgies
Bei ihrem Wilhelmsfehntjer Weihnachtshaus setzt Familie Behrends außen vor allem auf Lichter – ein wenig Dekoration ist dort aber auch zu finden. Foto: Klaus Ortgies

Dann heißt es Kisten schleppen und Inhalt checken. Alles wird gesichtet, sortiert und überprüft – was heil ist, bleibt. Was kaputt ist, kommt auf die Reparaturliste. So entsteht nach und nach der Plan, wie das Haus in diesem Jahr leuchten soll. Erst wenn alles bereit liegt, startet am 27. Oktober der eigentliche Aufbau. „Wir fangen immer mit dem Dach an – das ist das ungeschriebene Gesetz der Weihnachtshausbaumeister“, sagt Klaas Behrends. „Von oben nach unten, von außen nach innen.“ Jedes Jahr ist es so ein wenig mehr geworden.

Lichterwettlauf: Das hellste Weihnachtshaus in Ostfriesland?

Wohin es in den kommenden Jahren noch geht? In diesem Jahr hat das X-mas-Haus der Behrends‘ bereits das Weihnachtshaus der Familie Saathoff in Moordorf um 6000 LEDs überflügelt. Ist das nächste Ziel das bekannte Delmenhorster Weihnachtshaus von Sven Borchart? Dort leuchten laut aktueller Berichterstattung rund 60.000 Lichter. Eine Zahl, die beim Nachschmücken an der Hauptwieke in Wiesmoor noch in diesem Jahr erreicht werden könnte.

Doch damit ist das Ende der Lichterkette noch lange nicht erreicht: In Oberhausen bringen Nicole und Dirk van Acken ihr Weihnachtshaus laut Presseberichten mit 70.000 Birnchen zum Strahlen. Und in Osdorf zwischen Kiel und Eckernförde setzt Birgit Stark mit ihrem Weihnachtshaus und sagenhaften 100.000 Lichtern noch einen drauf. Doch am Ende zählt nicht die Zahl, sondern das Leuchten in den Augen der Menschen, die stehen bleiben, staunen und sich für einen Moment verzaubern lassen. Vielleicht ist das das schönste Geschenk, das ein Weihnachtshaus machen kann.

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