Osnabrück  Im „Tatort: Der Elektriker“ erleben Eisner und Fellner den Pflegenotstand

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 10.12.2025 18:42 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ermitteln im Pflegeheim. Foto: © ORF/Dean Michael Buscher
Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) ermitteln im Pflegeheim. Foto: © ORF/Dean Michael Buscher
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In ihrem drittletzten „Tatort: Der Elektriker" (Sonntag, 14. Dezember, 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek) erhalten Bibi Fellner (Adele Neuhauser) und Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) Einblicke in den Alltag eines Pflegeheims. Der Krimi überzeugt als gelungene Auseinandersetzung mit einem Thema, das jeder so lange wie möglich für sich zu verdrängen versucht.

Ein Feueralarm in der Wiener Seniorenresidenz endet tödlich. Es brennt zwar nicht und der Auslöser für den Alarm war mal wieder ein uneinsichtiger Raucher. Aber der leitende Pfleger Horst Windisch (Michael Edlinger) sieht sich aufgrund der Umstände gezwungen, seinen gebrechlichen Schützling Danijel Filipovic (Roman Frankl) während des Alarms kurz im Hebekran über der Badewanne schweben zu lassen. Als der Pfleger zurückkommt, ist der Heimbewohner tot. Ertrunken in der Badewanne.

Wie konnte das passieren? Hat der sichtlich schockierte Pfleger etwa leichtfertig seine Aufsichtspflicht vernachlässigt? Eher nicht. Der Personalmangel ist auch im renommierten Haus Laetitia allgegenwärtig. Und so ein Hebekran soll absolut sicher sein. Davon kann sich Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) sehr zur Belustigung seiner Kollegin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) höchstpersönlich überzeugen.

Bleibt also Mord. Und an Verdächtigen mangelt es nicht gerade. Da steht zunächst einmal Filipovics Tochter Linda (Gabriela García-Vargas) ganz oben auf der Liste. Sie kam immer nur dann zu Besuch, wenn ihr Vater gerade gebadet wurde. Da konnte die finanziell in Not geratene Bäckereibesitzerin dann in Ruhe sein Zimmer putzen und durchsuchen.

Auch ist nicht auszuschließen, dass sich unter dem Pflegepersonal ein sogenannter „Todesengel“ eingeschlichen hat. Außerdem galt der Tote als schwierig, lag im Clinch mit einem Fußpfleger und ließ sich regelmäßig von einer Prostituierten besuchen. Eisner und Fellner tappen sehr lange im Dunkeln, bevor sie auf eine völlig neue Spur stoßen. Unerwartet trifft Eisner im Pflegeheim auch eine schwer erkrankte alte Jugendliebe (Martina Spitzer) wieder. Ein Wiedersehen, das ihn irgendwie aus der Bahn zu werfen droht.

Regisseur Harald Sicheritz nähert sich nach dem Drehbuch von Petra Ladinigg und Roland Hablesreiter dem Themenkomplex Alter und Pflege mit kammerspielartigen Elementen. Die sorgen für eine intensive Auseinandersetzung mit einer Thematik, die die meisten von uns wahrscheinlich am liebsten für immer ausklammern möchten.

Das geht in diesem Wiener „Tatort: Der Elektriker“ auch an den beiden Ermittlern Eisner und Fellner nicht spurlos vorüber. Insbesondere Eisner stürzt in ein Gefühlschaos, als er mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird. Einst war er unsterblich verliebt in jene Sandra aus der Freibadclique, die er nun als pflegebedürftige Person wieder trifft. Was wäre passiert, wenn er eine Chance bei ihr gehabt hätte? Die beiden geheiratet hätten, mit allen Konsequenzen in guten wie in schlechten Zeiten?

Nun fühlt Eisner sich erleichtert. Erleichtert darüber, dass es nicht so gekommen ist. Darf man so etwas überhaupt auch nur denken? Eisner fühlt sich schuldig wie schon lange nicht mehr und kämpft mit sich selber. Zum Glück hilft ihm seine Kollegin Fellner, die Situation am Ende doch noch zu meistern.

Aber es geht auch um alte Wunden und Lasten, von denen zahlreiche Heimbewohner gezeichnet sind. Um Täter und Opfer schwerster ungesühnter Verbrechen. Dieser Fall, es geht gar nicht anders, endet besonders tragisch.

„Der Elektriker“ markiert den drittletzten Fall mit Krassnitzer und Neuhauser, die seit 2011 gemeinsam für den österreichischen „Tatort“ auf Verbrecherjagd gehen. Krassnitzer ist sogar seit 1999 dabei. Nun heißt es bald Abschied nehmen von den beiden. Mittlerweile hat der ORF die Nachfolger benannt. Miriam Fussenegger und Laurence Rupp („Barbaren“) treten als ganz besonderes Ermittlerpaar die Nachfolge an. Ab 2027 gehen sie als Halbgeschwister Charlotte „Charlie“ Hahn und Alex Maleky auf Mördersuche.

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