Gastronomie Traditionsgaststätte in Rysum schließt dauerhaft
Dieter Schmidt verabschiedet sich nach fast 50 Jahren hinter dem Tresen. Das Gasthaus am Markt in Rysum schließt seine Türen. Ein Blick in die Vergangenheit des Traditionshauses.
Rysum - „Dieter ist Dieter“, sagen die Stammgäste über ihren Wirt. Dieter ist Dieter Schmidt, der seit fast 50 Jahren hinter der Theke des Gasthauses am Markt in Rysum steht. In dritter Generation schon führt er die urige Gaststätte und Kneipe direkt im Zentrum des Warfendorfes. Aber jetzt ist Schluss: Das Gasthaus am Markt hat nun endgültig geschlossen. Die Entscheidung hat gesundheitliche Gründe.
Diese Redaktion hat die Traditionsgaststätte in Rysum vor anderthalb Jahren besucht. Bei unserem Besuch in Dieter Schmidts Gasthaus am Markt machte sich der Gastwirt schon Sorgen um die Zukunft der Kneipe. Früher wären die Gäste oft für ein Feierabendbier vorbeigekommen oder hätten lange an den beiden Skat-Tischen im hinteren Teil des Gasthauses gesessen.
Gasthaus: Knobelabende und norddeutsche Gastfreundschaft
Außerdem war das Gasthaus am Markt in Rysum bekannt für die langen Knobelabende an der Theke. Dadurch seien so tiefe Kerben im Holz der Theke entstanden, dass sie abgeschliffen werden musste, erinnerte sich Schmidt. „Es kam auch die Dorfjugend damals, die heute teilweise schon im Rentenalter ist und immer noch kommt“, so der Gastwirt. Und es sind genau diese Stammgäste, die auch noch bis zum letzten Tag in das Gasthaus kamen.
In dem Gasthaus gehöre man eben zur Familie, so ein Stammgast bei unserem letzten Besuch. Zu diesem Gefühl hat auch der Wirt selbst viel beigetragen, ist man sich sowohl in Rysum als auch im Internet einig: Dieter sei ein norddeutsches Urgestein, „aber sehr nett“, schreibt ein Gast in einer Online-Bewertung der Gaststätte. Der Inhaber sei „ein Original mit friesisch trockenem Humor“, schreibt ein anderer. Und auch die Frau von Schmidt, die das Essen kochte, bekam viel Lob: „Wie wir feststellten, kocht die Chefin selbst und das mit viel Herzblut“, schreibt ein Urlauber über die „urige Dorfgaststätte“.
Gasthaus am Markt Rysum: 180 Jahre Familiengeschichte und Tradition
Das Gasthaus am Markt befindet sich seit jeher in Familienbesitz. Schon vor 180 Jahren wurde es erbaut. Davon finden sich sogar noch schriftliche Nachweise im Niedersächsischen Landesarchiv: „Der dem Handlungsgehilfen Jan A. Peters gestattete Kramhandel in Rysum“ ist dort in einem Verzeichnis aus dem Jahr 1856 vermerkt. Ursprünglich war das Gebäude ein Kolonialwarenladen. Im Jahr 1901 wurde außerdem die Schanklizenz erteilt. Aus dem reinen Kolonialwarenladen wurde also zusätzlich auch noch eine Kneipe. Dieter Schmidts Großvater führte den Laden und die Kneipe bis zu seinem Tod im Jahr 1917. Danach führte Schmidts Großmutter die Geschäfte gemeinsam mit ihren beiden Töchtern weiter, Schmidts Tanten, bis im Jahr 1959 sein Onkel den Laden samt Kneipe übernahm.
Schließlich übernahm Schmidt im Jahr 1978 das Geschäft und führte es seitdem – also in der mittlerweile dritten Generation. Den Lebensmittelladen schloss er, aus dem Gebäude wurde ein reines Gasthaus. Väterlicherseits kommt er eigentlich aus einer Bäckerfamilie. Doch Schmidt stand viele Jahre selbst hinter dem Tresen im Gasthaus am Markt.
Diese Restaurants gibt es jetzt noch in Rysum
Mit dem Ende des Gasthauses am Markt in Rysum sieht es in der gastronomischen Landschaft in dem Warfendorf eher mager aus. Das Restaurant Rysumer Plaats steht aktuell leer. Die Eigentümer suchen nach Betreibern, die dort wieder einen gastronomischen Betrieb führen könnten. Die vorherigen Betreiber hatten das Restaurant vor einigen Jahren übernommen, mussten es aber im Sommer 2024 wieder schließen. Im Rysumer Müllerhus gibt es während der Saison an den Samstagnachmittagen Kaffee, Tee und Kuchen. Das Café wird von Mitgliedern der Interessengemeinschaft Rysum ehrenamtlich betrieben.
Zudem gibt es noch das Café Rundherum im Rysumer Fuhrmannshof. Und auch an weiterer Stelle könnte in dem Ort noch ein Restaurant entstehen: Der eingestürzte ehemalige Gasthof Ohling/Janssen in der Straße Brake Lohne gehört einem Unternehmer aus Köln, der sich in dem Hof neben Ferienwohnungen auch ein gastronomisches Angebot vorstellen kann. Aber zunächst muss er noch auf Entscheidungen des Denkmalschutzes zum weiteren Vorgehen bei der eingestürzten Scheune warten, wie er gegenüber dieser Zeitung verriet. Bis dahin können seine Pläne für den Hof noch nicht verwirklicht werden.