Osnabrück Blumen bis Brot: Warum diese Händler die Wochenmärkte in Osnabrück verlassen
Die Besucher der Wochenmärkte in Osnabrück müssen sich auf den Weggang mehrerer Stände einrichten. Diese Händler hören zum Jahresende 2025 auf.
Obst und Gemüse, Backwaren, Fleisch und Wurst, Blumen – an fünf Tagen in der Woche können sich Osnabrücker auf den Wochenmärkten der Stadt mit frischer Ware eindecken. Doch zum Jahreswechsel stehen Veränderungen an, einige lieb gewonnene Standbetreiber ziehen sich zurück.
„Wir schließen zum 24.12.“ ist auf einem Schild im Stand von Kai-Uwe Jenz zu lesen. 31 Jahre lang hat er auf den Wochenmärkten in Osnabrück Blumen verkauft. Nun hört er zum Jahresende auf: Er ist gesundheitlich angeschlagen, sagt er, brauche eine Pause. Zudem will er sich um seine 84-jährige Mutter kümmern. Sie hat zusammen mit ihrem Mann Ende der 1960er-Jahre das Blumengeschäft gegründet.
Kai-Uwe Jenz hat mehrere Aushilfen und eine ausgebildete Floristin beschäftigt. „Die ist heiß begehrt“, sagt der 60-Jährige. Und spielt damit auf einen weiteren Grund für seine Geschäftsaufgabe an: Personalmangel.
Einen Nachfolger für sein Blumengeschäft auf den Osnabrücker Wochenmärkten werde es nicht geben, sagt Jenz. „Seit 1992 haben wir nur Schwund. Immer, wenn ein Gärtner aufgehört hat, ist keiner nachgekommen.“
Die Stadt allerdings sagt etwas anderes: Ab Januar werde es Nachrücker geben für alle Stände, die aufhören. Und: Diese werden ein ähnliches Sortiment anbieten, so ein Stadtsprecher. „Es wird sich für den Wochenmarkt also im Wesentlichen nichts ändern.“
Heidi Hörnschemeyer bedauert den Weggang von Kai-Uwe Jenz sehr. „Er ist der beste Blumenhändler ever“, sagt die Kundin und lobt seinen persönlichen Service. Sie kaufe jede Woche bei ihm Blumen. Aber nicht nur am Blumenstand macht sie Station, sondern auch an den Ständen, wo Gemüse, Fisch und Käse verkauft werden. „Es ist ganz furchtbar, wenn so viele aufhören. Auf dem Markt findet man frische Waren und hat persönlichen Kontakt.“
Neben Blumen Jenz werden nach Informationen unserer Zeitung auch die Bäckerei Volkmann, der Imbissstand von Claudia Geist und der Gewürzstand Hatke schließen. Wie Kai-Uwe Jenz hat auch die Bäckerei Volkmann keinen Nachfolger gefunden – weder für den Laden in Bad Rothenfelde noch für den Verkaufswagen, der auf diversen Märkten in der Region präsent war. Ihr Mann gehe in den „wohlverdienten Ruhestand“, sagt die 54-jährige Heike Volkmann.
Die Bäckerei Volkmann war auf jedem Wochenmarkt-Standort in Osnabrück – dienstags in der Dodesheide, mittwochs im Schinkel, donnerstags am Ledenhof, freitags am Schölerberg und samstags auf dem Domhof – vertreten. Zusätzlich verkauften die drei Angestellten und studentischen Aushilfen Brot, Brötchen und Kuchen auch in Melle und Halle/Westfalen. Ihre Mitarbeiter, sagt Heike Volkmann, haben alle eine neue Beschäftigung gefunden. Und auch sie selbst kann sich vorstellen, nach einer Pause eine neue Stelle auf dem Wochenmarkt anzutreten.
Das schließt Dirk Dennemann aus. Er steht seit einem Jahr auf dem Wochenmarkt in der Dodesheide und bietet handgemachten Käse an. Doch zu wenige Osnabrücker kaufen ihn, sagt er enttäuscht. „Sie ziehen holländischen Käse vor.“ Zum letzten Mal wird er seine aromatischen Produkte am 23. Dezember in der Dodesheide anbieten.
Die weite Anfahrt aus Bad Bentheim nach Osnabrück lohne sich aufgrund des geringen Interesses nicht mehr, so Dennemann. Zumal, wie er sagt, die Marktgebühr in Osnabrück „deutlich höher als anderswo“ sei. Und: An anderen Standorten sei das Interesse an regionalen Produkten größer. Während der Corona-Pandemie seien viele Menschen willens gewesen, regionale Produkte zu kaufen, die mehr kosten als im Supermarkt. Das aber habe sich verändert, beobachtet Dennemann: „Die Bereitschaft, mehr Geld für gutes Essen zu investieren, ist zurückgegangen.“