Berlin  Jens Südekums Rentenidee ist Quatsch!

Sören Becker
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Von Sören Becker
| 09.12.2025 17:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Ist das Alter für die Rente künftig nur noch zweitrangig? Foto: dpa/Sven Simon
Ist das Alter für die Rente künftig nur noch zweitrangig? Foto: dpa/Sven Simon
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Die Rente mit 67 könnte schon bald Geschichte sein: Jens Südekum möchte den Rentenzugang stattdessen nach Beitragsjahren gestalten. Das wäre falsch.

Es klingt wie eine elegante Lösung: Jens Südekum, Wirtschaftsberater von SPD-Chef, Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil, denkt laut darüber nach, das Eintrittsalter für die Rente abschaffen. „Rente für alle mit 70 ist falsch. Besser ist es, den Renteneintritt nicht an eine starre Alterszahl zu koppeln, sondern an eine Mindestanzahl von Beitragsjahren“, lässt sich der Ökonom zitieren. Heißt übersetzt: Wer nicht genug Beitragsjahre hat, kriegt keine Rente. Wie alt man dann ist, würde keine entscheidende Rolle mehr spielen.

Wer mit 18 das Arbeiten beginnt, könnte also früher in den Ruhestand als jemand, der zum Beispiel noch langwierig studiert hat. Was ist davon zu halten?

Südekum hat einen Punkt. Seine Idee ist auf jeden Fall besser, als die Rente mit 70. Wer in körperlich anstrengenden Berufen, zum Beispiel auf dem Bau, in der Fabrik oder im Krankenhaus arbeitet, ist oft lange vor dem Renteneintrittsalter am Ende. Betroffene müssen dann aus dem Beruf ausscheiden und auch noch im Ruhestand auf Geld verzichten. Käme das Renteneintrittsalter noch später als ohnehin schon, würde der Effekt mehr Menschen härter treffen. Wer körperlich arbeitet, hat nämlich meist nicht studiert. Er zahlt also früher ein und könnte früher in Rente. Alles paletti also? Nein! Denn besser heißt noch lange nicht gut.

Südekums Überlegung funktioniert nur auf dem Papier. Im echten Leben sind lückenlose Lebensläufe selten. Arbeitslosigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder ein Angehöriger, der rund um die Uhr gepflegt werden muss, sind nur einen Schicksalsschlag entfernt und könnten die Planung des eigenen Ruhestandes erheblich durcheinanderbringen. Auch Selbstständigkeit und Minijobs könnten dann den Ruhestand herauszögern.

Ein Jahr ohne Beiträge und andere Ansprüche bedeutet für einen Durchschnittsverdiener im Moment etwas mehr als 40 Euro weniger Rente im Monat. Das ist schlecht, aber für die meisten Menschen relativ leicht zu verkraften. Ein verlorenes Jahr im Ruhestand ist hingegen weg und kommt auch nicht mehr wieder.

Es gibt mehr als 21 Millionen Rentner in Deutschland, Tendenz steigend. Nach einem System, auf das sich so viele Menschen verlassen, muss man einfach die Uhr stellen können. Unter der Südekum-Rente wäre das nicht möglich.

Statt den Rentnern der Zukunft die Rechnung für den demografischen Wandel zu schicken, sollte man lieber Superreiche über zusätzliche Steuern in die Pflicht nehmen und Selbstständige verpflichtend in die Rente einbeziehen. Wenn auf diese Weise mehr Geld im System ist, könnte man vielleicht sowohl auf Südekums Vorschlag, als auch auf die Rente mit 70 verzichten.

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