Jahreswechsel  Hier wird Silvester auch ohne Böller ein Knaller

Susanne Ullrich
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Von Susanne Ullrich
| 23.12.2025 15:08 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 6 Minuten
Im Wangerland wird das neue Jahr mit dem Deichleuchten eingeläutet. Auf 30 Kilometern Deichlinie treffen sich Menschen, um gemeinsam die Nacht zu erleuchten. Dabei wird auf potenziell gefährliches Feuerwerk verzichtet. Foto: Tim Alex
Im Wangerland wird das neue Jahr mit dem Deichleuchten eingeläutet. Auf 30 Kilometern Deichlinie treffen sich Menschen, um gemeinsam die Nacht zu erleuchten. Dabei wird auf potenziell gefährliches Feuerwerk verzichtet. Foto: Tim Alex
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Carolinensiel und Langeoog setzen gezielt auf Lichtshows statt Feuerwerk. Auch andere Silvesterpartys am Meer laden zum Verzicht aufs Böllern ein. Wo das Jahr 2026 leise begrüßt wird – und warum.

Ostfriesland - Für manchen sind Böller und Raketen untrennbar mit dem Jahreswechsel verbunden – doch längst nicht jeder feiert Silvester am liebsten mit einem Feuerwerk. Lärm, Gefahr und Gestank sind nur drei der Gründe, die viele davon Abstand nehmen lassen. Auf der Insel Langeoog sind Feuerwerksgegner am 31. Dezember genau richtig: Hier verzichtet der Einzelhandel seit Jahren auf den Verkauf von Feuerwerkskörpern. Das Mitbringen von Pyrotechnik auf die Insel ist außerdem verboten. Darauf weist der Tourismus-Service Langeoog seine Gäste unter anderem via Newsletter im Vorfeld des Silvesterabends am 31. Dezember 2025 hin.

Silvesterraketen gehören neben Chinaböllern für viele Ostfriesen zu einer gelungenen Silvesterparty dazu. Viele Küstenorte setzen allerdings auf freiwilligen Verzicht oder gar Verbote. Foto: DPA/Christophe Gateau/Archiv
Silvesterraketen gehören neben Chinaböllern für viele Ostfriesen zu einer gelungenen Silvesterparty dazu. Viele Küstenorte setzen allerdings auf freiwilligen Verzicht oder gar Verbote. Foto: DPA/Christophe Gateau/Archiv

Der Nationalpark Wattenmeer ist ein geschütztes Weltnaturerbe. Zum Schutz der wild lebenden Tiere ist Feuerwerk innerhalb des Nationalparks streng verboten. Allerdings bezieht sich dieses Verbot eben nur auf die Fläche des Nationalparks. Die Inseln liegen zwar mittendrin, die Inselorte selbst sind aber ausgenommen. Gleiches gilt für die Küstenorte am Festland.

Petitionen für kompletten Verzicht auf Feuerwerk

Mit ihrem Ansinnen, die Knallkörper zu verbannen, sind die Langeooger dennoch nicht allein – aber längst nicht jeder Veranstalter entlang der ostfriesischen Küste und auf den Inseln praktiziert das so konsequent. Der absolute Verzicht hat in Nordfriesland schon Tradition: Auf Amrum beispielsweise herrscht seit mehr als 40 Jahren ein privates Böllerverbot. Hintergrund ist die Brandgefahr angesichts der zahlreichen reetgedeckten Gebäude. Gleiches gilt für Teile von Sylt. Föhr hat jetzt nachgelegt. Dort gilt in diesem Jahr erstmals die Regel, dass kein Feuerwerk mehr verkauft oder mit auf die Insel gebracht werden darf.

Beim Deichleuchten im Wangerland kommen die Menschen am Silvesterabend mit Fackeln und Lichterketten auf dem Deich zusammen. Foto: Tim Alex
Beim Deichleuchten im Wangerland kommen die Menschen am Silvesterabend mit Fackeln und Lichterketten auf dem Deich zusammen. Foto: Tim Alex

Diesen Verzicht wünschen sich viele Deutsche auch flächendeckend. Die Petitionen der Deutschen Umwelthilfe und der Gewerkschaft der Polizei haben gemeinsam mehr als 2,97 Millionen Unterzeichner. In Ostfriesland kommt vielerorts noch Pyrotechnik zum Einsatz. So halten es die Küstenorte am Festland und auf den Inseln mit der Knallerei:

Baltrum

Üblicherweise trifft man sich auf der Insel Baltrum in der Silvesternacht an der Strandpromenade, um das neue Jahr zu begrüßen – auch mit Feuerwerk. Darüber hinaus ist auf der kleinsten der Ostfriesischen Inseln allerdings vielerorts das Abbrennen von Feuerwerk verboten.

Borkum

Auf der Strandpromenade von Borkum wird in diesem Jahr erstmals ab 22 Uhr mit Musik und einer Multimediashow ins neue Jahr gefeiert. Die Nordseeheilbad Borkum GmbH plant am Musikpavillon eine Premiere in Kooperation mit den Medienkünstlern von Studio Eigengrau in Zusammenarbeit mit Lichtdesigner Flo Erdmann. Anstelle eines Feuerwerks sollen hier zur Begrüßung des Jahres 2026 einmalige Videoprojektionen an der Fassade der ehemaligen Nordseeklinik sichtbar werden. Das neue Veranstaltungsformat ist zugleich ein an die Feiernden gerichteter Appell der Borkumer Touristiker, privates Feuerwerk auf der Promenade zu unterlassen.

Carolinensiel

Carolinensiel setzt seit 2019 auf Laser statt Böller. Beliebtester Treffpunkt im Sielort ist der Museumshafen, in dessen Mitte der schwimmende Weihnachtsbaum hell erleuchtet ist. Das Umfeld des Hafens wird in der Zeit um Mitternacht mit einer Lichtshow zu Musik illuminiert. Darüber hinaus sind die Verzehrhütten des Wintermarktes am 31. Dezember 2025 ab 22 Uhr geöffnet. Ein Verbot fürs Böllern gibt es nicht. Dennoch wird der freiwillige Verzicht auf der Veranstaltung am Hafen von den Gästen durchaus ernst genommen, sagt Wittmunds Bürgermeister Rolf Claußen (parteilos). Der Küstenort wirbt bei seinen Gästen für den generellen Verzicht auf Knaller und Raketen „im historischen Ortskern, an der Wasserkante und bestenfalls im gesamten Nordseebad“. Ganz funktioniert das jedoch bisher nicht, bedauert Claußen.

Greetsiel

Jedes Jahr zieht es zur Jahreswende Tausende Schaulustige an den Greetsieler Hafen und auf die Promenade oberhalb des Hafens. Ungeachtet der Nähe zu historischen Häuserfassaden, Kuttern und dem Weltnaturerbe Wattenmeer sowie den vielen Menschen wird hier Jahr für Jahr eine ganze Menge privates Silvesterfeuerwerk gezündet. Das sorgt für Berge von Müll – und wiederkehrende Diskussionen über ein Verbot.

An der Promenade in Greetsiel kann es zu Silvester ordentlich voll werden. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv
An der Promenade in Greetsiel kann es zu Silvester ordentlich voll werden. Foto: Heinz Wagenaar/Archiv

Langeoog

„Böller und Raketen haben bei uns nichts verloren“, sind Rat und Verwaltung der Inselgemeinde Langeoog sich einig. Welch großen Einfluss das Abbrennen von Feuerwerk auf Mensch und Natur hat, fasst der Tourismus-Service Langeoog so zusammen: „Zum einen leiden unsere Natur und die Tiere, zum anderen landen jede Menge Feinstaub, Schwefeldioxid und Schwermetalle in der Luft – und später auch im Boden und im Wasser. Das schadet nicht nur der Umwelt, sondern auch uns Menschen.“ Feuerwerk verursacht Müll und hat ein hohes Verletzungspotenzial. Auf der Insel wird stattdessen eine Lichtshow im Rathauspark geboten.

Neuharlingersiel

Eine große Party findet in Neuharlingersiel nicht statt. Der Kurverein weist allerdings trotzdem darauf hin, dass ein Abfeuern von Feuerwerk auf dem Deich sowie am Deich und auch am Strand nicht gestattet ist.

Norddeich

Norddeich feiert am 31. Dezember 2025 die achte Auflage der „Open Air Silvesterparty am Meer“. Veranstalter ist der Tourismus-Service Norden-Norddeich. Am Strand wird bei Musik unter freiem Himmel getanzt. Ab 18 Uhr geht es los mit einer Veranstaltung für Kinder, um 21 Uhr beginnt das Partyprogramm mit Radio Nordseewelle. Zwischen Norden und Norddeich pendelt in der Silvesternacht ein Shuttlebus von 20 Uhr bis 2.30 Uhr. Im gesamten Veranstaltungsbereich ist Feuerwerk untersagt.

Norderney

Das große Feuerwerk am Kurplatz auf Norderney zieht Jahr für Jahr viele Besucher an. In bestimmten Bereichen der Insel gibt es dennoch strenge Verbote für Höhenfeuerwerk. Darauf weist die Stadt Norderney hin: Das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern ist dort nämlich ganzjährig verboten. Das gilt auch für die Norderneyer Windmühle. Innerhalb der Wurfweite, also im Umkreis von rund 25 bis 30 Metern, dürfen zudem keine handgeworfenen pyrotechnischen Gegenstände wie beispielsweise Böller gezündet werden.

Spiekeroog

Auf Spiekeroog wird das neue Jahr seit 2014 bewusst „berauschend leise“ auf dem Rathausplatz begrüßt. Ab 23 Uhr kommen dort Insulaner und Gäste zusammen, um gemeinsam zu feiern. Die Kulturstiftung Spiekeroog organisiert dies mit Unterstützung der Nordseebad Spiekeroog GmbH. Punkt Mitternacht wird das neue Jahr mit einem Wiener Walzer willkommen geheißen. Der Übergang ins neue Jahr wird mit Rücksicht auf die Natur und die tierischen Bewohner der Insel leise und dennoch stimmungsvoll gestaltet. Private Pyrotechnik ist allerdings nicht generell verboten.

Wangerland

Im Wangerland wird das neue Jahr auf besinnliche, stimmungsvolle, aber zugleich umweltverträgliche Weise eingeläutet. Die Wangerland Touristik GmbH bittet Gäste und Einheimische, sich um kurz vor Mitternacht auf der rund 30 Kilometer langen Deichlinie des Wangerlandes zu versammeln. Um Punkt Mitternacht werden dort dann die unterschiedlichsten Leuchtmittel entflammt: Öllampen, Wachsfackeln, Teelichter, batteriebetriebene Lichterketten oder auch Taschenlampen. Der gemeinschaftliche, gesellige Moment direkt an der Nordsee steht hierbei im Vordergrund. Feuerwerk und Böller sind im Bereich des Wattenmeeres sowie im Bereich bis 50 Meter hinter den Deichen nicht gestattet.

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