Krimi  In Emden gedreht – so ist der neue Tatort

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 09.12.2025 16:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Der neue Tatort „Ein guter Tag“ mit Wotan Wilke Möhring wurde jetzt im Emder Festspielhaus gezeigt. Denn: Der Film ist auch in Emden gedreht worden. Foto: Jens Doden
Der neue Tatort „Ein guter Tag“ mit Wotan Wilke Möhring wurde jetzt im Emder Festspielhaus gezeigt. Denn: Der Film ist auch in Emden gedreht worden. Foto: Jens Doden
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Den Tatort „Ein guter Tag“ mit Wotan Wilke Möhring, der teilweise in Emden gedreht wurde, konnten geladene Gäste jetzt erstmals im Festspielhaus sehen. Wie war′s? Und wann läuft er im TV?

Emden - Bei der Preview des neuen Tatorts „Ein guter Tag“ mit Wotan Wilke Möhring tummelte sich am Montag, 8. Dezember 2025, das „Who is Who“ aus Emden im Foyer des Festspielhauses. Der Hauptdarsteller Möhring selbst war – anders als in der Einladung angekündigt – wegen Dreharbeiten auf Mallorca verhindert. Sein neuer Co-Kommissar Mario Schmitt, gespielt von Denis Moschitto, wusste aber das Publikum mit Charme und Witz zu überzeugen. Auch auf der Leinwand wirkte er neben dem eher grimmigen Bundespolizei-Hauptkommissar Thorsten Falke, der von Möhring gespielt wird, erfrischend und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Der erste Part des zweigeteilten Tatorts wurde in Emden gezeigt, weil hier im Jahr 2024 Szenen gedreht worden sind. In der ersten deutsch-niederländischen Produktion in der Tatort-Geschichte pendeln die Ermittler Falke und Schmitt zwischen Groningen und Delfzijl in den Niederlanden sowie Emden und Norddeutschland. Unterstützt werden sie dabei von der niederländischen Kommissarin Lynn de Baer (gespielt von Gaite Jansen, bekannt aus britischen Serien wie „Peaky Blinders“ und „Line of Duty“). Der Fall ist knifflig: Nach dem rätselhaften Verschwinden von Joe Glauning (gespielt von Andrei Viorel Tacu) in der deutsch-niederländischen Grenzregion muss das Team herausfinden: Ist er entführt worden? Oder ermordet? Hatte er etwas mit organisierter Kriminalität zu tun?

Im zweiten Tatort-Teil sollen mehr Szenen aus Emden sein

Die norddeutsche und niederländische Landschaft ist sozusagen ein weiterer Hauptcharakter im Krimi: Sie wirkt, insbesondere durch die Drehzeit von Oktober bis Dezember, sehr grau, verregnet und atmosphärisch perfekt für Verfolgungsjagden am Deich und grausige Funde in abgelegenen Häusern. Der Schnee, der während der Dreharbeiten überraschend gefallen war, wird ebenfalls gezielt in Szene gesetzt. „Zum Wetter: Leude, wir sind hier im Norden. Büschen Wind, büschen Regen, also bitte“, sagt Wotan Wilke Möhring zum Thema. Insgesamt ist es ein brutaler Tatort. Die Fassung, die jetzt im Festspielhaus gezeigt wurde, sei allerdings nicht die, die im Fernsehen laufen werde, hieß es von den Produzenten vor Ort. Fürs TV werde es etwas abgemildert, hieß es.

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So war der Tatort in Emden
09.12.2025

Etwas enttäuschend: Beim ersten Teil werden Emder sich schwertun, Szenen, die in der Stadt spielen sollen, tatsächlich einem Ort zuzuordnen. Einiges sei in Hamburg gedreht worden, erklärten NDR-Spielfilm-Redakteur Patrick Poch und Produzentin Katinka Seidt nach dem Film dem Publikum. Auch bei Szenen in Groningen und Delfzijl passten teilweise die örtlichen Zuordnungen nicht. Das sei in der Film- und Fernsehwelt normal. Bei Dreharbeiten werde geschummelt, so Poch. Das sei auch so, damit reale Orte nicht zu sehr mit möglicherweise negativen Assoziationen verknüpft würden. Bei einer Wohnung in einer im Film-Universum gefährlichen Emder Gegend wird beispielsweise nicht klar, wo in Emden das sein soll.

Eine Emder Szene im Tatort ist ungewollt lustig

In der fiktiven Welt des Films gibt es in Emden auch einen Stadtdirektor, den es in Wirklichkeit nicht gibt. Damit wolle man vermeiden, dass negative Rückschlüsse auf einen echten Posten und eine echte Person gezogen werden, so Poch. Eine für ortskundige Emder ungewollt witzige Szene: Thorsten Falke fährt am Siel- und Schöpfwerk an der Knock vorbei, offenbar soll er von Delfzijl gekommen sein, und dreht nach einem Anruf wütend wieder um. Im Film-Universum gibt es also die Brücke nach Delfzijl, von der Emder und Niederländer im echten Leben nur träumen können. Die Straße an der Knock ist tatsächlich eine Sackgasse und endet praktisch im Sand. Im zweiten Teil „Schwarzer Schnee“ sollen aber mehr Szenen aus Emden zu sehen sein, hieß es von den Verantwortlichen.

Getrübt wurde das Seh-Vergnügen im Festspielhaus durch eine zunächst nicht optimal eingestellte Akustik. Das sprachen auch Regisseur Hans Steinbichler und Moderatorin Anja Reschke an. Es sei anfangs sehr basslastig gewesen, sodass es im Magen zu spüren gewesen sei. Das sei noch einmal korrigiert worden, sagte sie. Empfindlichen Zuschauern war es auch danach noch zu laut und brummend. Auch Wotan Wilke Möhring, der nach dem Film live per Video-Schalte zum Interview dazukam, war teilweise nur schwer zu verstehen. Das könnte aber auch an seiner Technik auf Mallorca gelegen haben. Insgesamt punktete das neue Festspielhaus: Moderatorin Anja Reschke schwärmte etwas übermütig, dass sie sich so was auch für Hamburg wünschen würden.

Der Doppel-Tatort „Ein guter Tag/Schwarzer Schnee“ ist am Sonntag, 21. Dezember 2025, im Ersten ab 20.15 Uhr zu sehen. Die beiden Folgen zusammen dauern rund 180 Minuten. Im Anschluss wird ab 0.25 Uhr eine Reportage der investigativen Journalisten des Recherche-Netzwerks „STRG_F“ gezeigt. Der Titel: „Heute Kids, morgen Killer – Rekrutiert fürs Verbrechen“. Die Reportage befasst sich mit der Mocro-Mafia, die in den Niederlanden, aber mittlerweile auch in Deutschland aktiv ist. Mitgliedern werden brutale Morde zugeschrieben, darunter auch der Mord am niederländischen Journalisten Peter Rudolf de Vries im Jahr 2021. Die Tatort-Doppelfolge und die Reportage sind im Anschluss auch in der ARD-Mediathek abrufbar.

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