Den Haag  Warum viele Niederländer die Lust auf E-Autos verlieren

Helmut Hetzel
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Von Helmut Hetzel
| 08.12.2025 20:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
E-Autos sind wenig beliebt bei niederländischen Verbrauchern. Foto: IMAGO/Steve Bauerschmidt
E-Autos sind wenig beliebt bei niederländischen Verbrauchern. Foto: IMAGO/Steve Bauerschmidt
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In den Niederlanden geht die Nachfrage nach E-Autos nur schleppend voran. Eine Studie des niederländischen Automobilclubs ANWB zeigt, welche Aspekte besonders kritisch gesehen werden.

Niederländer bevorzugen beim Autokauf in großer Mehrheit weiter die Verbrenner-Modelle Benzin und Diesel. Obwohl ein Teil der Niederländer angibt, Interesse am elektrischen Fahren zu haben, ist diese Gruppe der E-Auto-Interessierten erneut kleiner geworden.

Das geht aus einer Untersuchung des niederländischen Automobilclubs ANWB hervor. „Der Anteil derjenigen, die erwarten, innerhalb von fünf Jahren ein Elektroauto anzuschaffen, ist in diesem Jahr deutlich gesunken: von 28 Prozent auf 23 Prozent“, so der ANWB im Bericht mit dem Titel „Monitor Elektrisch Rijden 2025“.

Der Anteil an Elektroautos im niederländischen Fuhrpark liegt derzeit bei nur 6,7 Prozent – immerhin 1,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Davon sind jedoch nur rund eine Million Plug-in-Hybride oder vollelektrische Fahrzeuge. Die Studie der ANWB zeigt: Ein großes Hindernis für den Kauf eines E-Autos ist der Preis. 39 Prozent der Befragten finden Elektroautos zu teuer. Dieser Prozentsatz ist nahezu identisch mit dem Vorjahr, aber deutlich niedriger als 2023, als noch 71 Prozent das E-Auto als „zu teuer“ einstuften.

Obwohl die Lücke zwischen dem, was Menschen zu zahlen bereit sind, und dem durchschnittlichen Kaufpreis kleiner wird, bleibt elektrisches Fahren für viele Niederländer finanziell unerschwinglich. „Elektrisch fahren ist auch 2025 noch immer zu teuer“, schreibt der ANWB, obwohl die Nutzungskosten näher beieinander liegen als vor einem Jahr. Ein Elektroauto zu fahren kostet durchschnittlich 74 Cent pro Kilometer. Wer einen Benziner fährt, zahlt 67 Cent pro Kilometer.

Auch die Wiederverkaufswerte zeigen sich als Problem – Sie sinken stetig. Das liegt hauptsächlich an der geringen Nachfrage auf dem Gebrauchtmarkt: Während der Wert eines gebrauchten Teslas bei etwa 15.000 Euro liegt, kosten ein neues Auto der Tesla-Modelle 3 bis Tesla Y zwischen 35.000 und 70.000 Euro.

Vor allem Privatpersonen kaufen kaum E-Autos: „Privatkäufer haben noch nie viele E-Autos erworben“, sagt Bert de Kroon, Vorsitzender der Bovag-Autohändler, im Branchenblatt „Automotive Magazine“: „Wenn wir uns den Anteil des Privatmarkts ansehen, stellen wir fest, dass die Zahl der Verbraucher, die ein neues E-Auto kaufen, weit hinter dem Geschäftskundenmarkt zurückbleibt.“

Zudem sei der Mangel an Lademöglichkeiten zu Hause ein wichtiger Grund, noch nicht auf E-Mobilität umzusteigen. In der ANWB-Studie heißt es: „Dies ist nach wie vor mit Abstand das größte Hindernis für den Umstieg auf elektrisches Fahren.“ Der ANWB berichtet zudem, dass 30 Prozent der befragten Autofahrer angeben, dass „keinen eigenen Parkplatz zu haben“ eine Barriere darstellt, ein E-Auto zu kaufen.

Nur neun Prozent hingegen nähmen das Laden im Ausland als problematisch war. Auch Reichweitenangst, also die Sorge, mit leerer Batterie liegenzubleiben, wird weniger als Grund gegen den Kauf eines E-Autos genannt.

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