Washington Ziemliche beste Freunde: Wie Infantino und Trump die WM-Vorfreude getrübt haben
Aus sportlicher Sicht wurde der deutschen Nationalmannschaft eine durchaus machbare Aufgabe zugelost. Bei der WM-Auslosung überstrahlte die demonstrative Männerfreundschaft zwischen Fifa-Präsident Infantino und US-Präsident Trump die Veranstaltung in Washington.
Eigentlich sollte spätestens ab der Auslosung die Vorfreude auf die kommende Fußball-WM 2026 steigen. In knapp sechs Monaten findet das größte Sportereignis der Welt zum ersten Mal in drei Gastgeberländern statt. Erstmals sind sagenhafte 48 Teams dabei und statt wie bisher 64 Spiele steigen in den USA, Kanada und Mexiko 104 Spiele. Fußball also satt ab dem 11. Juni 2026.
Richtig Vorfreude kam aber in den ersten langen und vor allem bizarr anmutenden 80 Minuten der WM-Liveübertragung aus Washington nicht auf. Ganz im Gegenteil, denn ums Sportliche ging es zunächst nicht. Die Auslosung startete als gruselige Anbiederung des Fifa-Präsidenten Gianni Infantino an US-Präsident Donald Trump.
Infantino zeichnete Trump sogar mit einem eigens erschaffenden „Friedenspreis des Fußball-Weltverbandes“ aus. Trump hängte sich selbst die goldene Medaille um den Hals und sagte: „Das ist eine der größten Ehrungen meines Lebens“... Eigentlich bezeichnete sich die Fifa stets als unpolitisch. Doch bei Trump macht sie nun offenbar eine Ausnahme.
Sportlich wurde es dann doch noch. Besonders die kanadische Eishockey-Legende Wayne Gretzky hatte seinen Spaß beim Vorlesen der Teams. In Topf 4 waren vor allem viele Platzhalter, da die letzten vier WM-Tickets erst im März in den Playoffs vergeben werden. Der Kanadier war als Losfee sichtlich irritiert und sagte zwischendurch, dass alle jetzt noch verwirrter sind als vor der Auslosung.
Als Gretzky dann den letzten deutschen Gruppengegner Curaçao zog, konnte sich Julian Nagelsmann im Publikum ein Grinsen nicht verkneifen. Deutschland hat dem Überraschungsteam und WM-Neuling Curaçao, der Elfenbeinküste und Ecuador eine machbare Gruppe zugelost bekommen.
Nachdem bei den beiden vergangenen Weltmeisterschaften nach der Vorrunde Schluss war, sollte sich das DFB-Team dieses Mal schon für die K.o.-Runde qualifizieren. Sollte sich Deutschland als Gruppenerster durchsetzen, droht aber schon im Achtelfinale Mitfavorit Frankreich.
Jetzt liegt es am DFB-Team, durch attraktiven Fußball dafür zu sorgen, dass die unpolitische Freude am Fußball die politischen Spielchen der Fifa doch noch überstrahlt.