Trainingszeiten fehlen Sport in Weener droht der Hallenkollaps
Überfüllte Gruppen, fehlende Hallenzeiten: Weeners Sportvereine stehen vor dem Kollaps und fordern dringend Lösungen von Stadt und Landkreis.
Weener - Der Sport in Weener steht an einem Scheideweg: Die Trainingsgruppen platzen aus allen Nähten, die Übungszeiten rücken immer weiter in die späten Abendstunden, und Alternativen? Fehlanzeige. Immer häufiger müssen die Vereine Kinder, Jugendliche und sogar Erwachsene abweisen – schlichtweg, weil die Kapazitäten erschöpft sind. Darauf machen der TuS Weener, die Sportfreunde Möhlenwarf und der TuS Holthusen in einer gemeinsamen Erklärung aufmerksam, die auch von Teutonia Stapelmoor und dem Heidjer SV unterstützt wird.
„Was über Jahre mit Improvisation und persönlichem Einsatz kompensiert wurde, ist nun an einem Punkt, an dem es nicht mehr tragbar ist“, heißt es in dem eindringlichen Appell. Trotz des unermüdlichen Engagements der Ehrenamtlichen, die Trainingspläne jonglierten, Gruppen zusammenlegten und alles daran setzten, dem Nachwuchs ein verlässliches Angebot zu bieten, fehlt es an nachhaltigen Lösungen und echten Perspektiven.
Badminton-Abteilung steht auf der Kippe
Der Frust der Vereine hat einen klaren Grund: Es mangelt an Hallenzeiten. „Eine faire Verteilung ist so kaum möglich“, sagt Tobias Brinkschröder, Vorstand Öffentlichkeitsarbeit beim TuS Weener, im Gespräch mit unserer Redaktion. Laut dem Brandbrief der Vereine stehen sogar ganze Abteilungen auf der Kippe. Besonders betroffen ist die Badminton-Abteilung des TuS Weener, die Dieter Bußmann vor über 40 Jahren mit aufgebaut hat. Nach mehreren Einschränkungen und dem Verbot weiterer Spielfeldmarkierungen steht die Abteilung nun vor dem Aus. „Wir haben derzeit rund 40 Kinder und Jugendliche im Trainings- und Spielbetrieb“, wird Bußmann zitiert. „Im Moment sind alle Verantwortlichen total enttäuscht – und die Angst ist groß, die komplette Abteilung zu verlieren.“
Doch wie konnte es so weit kommen? Neben den drei städtischen Turnhallen an den Grundschulen Möhlenwarf, Stapelmoor und Holthusen sowie der vereinseigenen Halle des TuS Weener standen bis vor wenigen Jahren noch drei weitere Hallen des Landkreises zumindest teilweise für den Vereinssport zur Verfügung. Doch dann wurde die Sporthalle an der Oberschule wegen Baufälligkeit geschlossen. Nun fällt mit der Halle der ehemaligen Pestalozzischule eine weitere weg, nachdem der Landkreis das Gebäude samt Halle zum 1. Dezember 2025 an das Lern- und Förderzentrum am Deich verkauft hat.
Die ehemalige Halle der Pestalozzischule wird ein Jahr lang saniert
„Ab dem 1. Dezember 2025 werden umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten im gesamten Gebäude durchgeführt, die mindestens ein Jahr dauern. In dieser Zeit kann das gesamte Gebäude nicht genutzt werden“, teilt Michael Finke, Vorstand beim Lern- und Förderzentrum am Deich, auf Anfrage mit. Kurzfristig ist die Halle also nicht nutzbar. Längerfristig, also frühestens in einem Jahr, wäre eine Nutzung durch Vereine denkbar – vorausgesetzt, die Finanzierung wird so geregelt, dass sie mit dem Vereinsrecht des Lern- und Förderzentrums vereinbar ist.
Denn das Lern- und Förderzentrum kann sich die Betriebskosten für eine volle Nutzung der Halle nicht leisten. Nach Angaben des Landkreises Leer liegen die jährlichen Kosten für Wasser, Licht, Heizung und Reinigung im hohen fünfstelligen Bereich, erläutert Finke. „Das können wir uns nicht leisten und dürfen das auch nicht.“ Ein gemeinnütziger Verein darf nur Geld ausgeben, wenn es dem Vereinszweck dient – sonst droht der Verlust der Gemeinnützigkeit. Wenn die Vereine die Halle künftig nutzen wollen, muss die Finanzierung also anderweitig gesichert werden.
Die Vereine müssten für die Nutzung der Halle bezahlen
Klartext: Die Vereine, die die Halle bislang kostenlos nutzen konnten, sollen künftig zahlen. Das stößt auf Widerstand. „Die Summen, über die gesprochen wurde, können wir uns nicht leisten“, sagt Brinkschröder. Landkreissprecher Philipp Koenen verweist darauf, dass den Vereinen zusätzliche Hallenzeiten an der Floorenstraße – auch samstags – zur Verfügung gestellt wurden. Dass der Landkreis die Kosten für die Pestalozzi-Halle übernimmt, sei nie vorgesehen gewesen.
Auch Weeners Bürgermeister Heiko Abbas (CDU) wurde vom Brandbrief der Vereine überrascht. „Bei der Stadt Weener stehen die Tore für die Sportvereine und das Ehrenamt immer offen. Dort, wo Politik und Verwaltung helfen können, tun wir dies auch – wie zuletzt bei der Erhöhung der Zuschüsse für die Jugendarbeit, die Platzpflege, für Einzelmaßnahmen wie das neue Flutlicht in Holthusen oder an anderen Stellen,“ teilt Abbas mit. Die Stadt habe zudem eine neue, mit allen Vereinen abgestimmte Fördersatzung erlassen und weitere Gespräche im Rahmen der Haushaltsberatungen in Aussicht gestellt.
Vereine fordern einen Sportentwicklungsplan für Weener
Für die Vereine bleibt das jedoch wenig tröstlich. Sie fühlen sich von der Stadt Weener, die laut Brinkschröder immer der erste Ansprechpartner ist, im Stich gelassen. „Wir würden uns mehr Unterstützung wünschen“, sagt der Vereinsvorstand. In ihrem Schreiben fordern sie einen Sportentwicklungsplan für die Stadt Weener, der gemeinsam mit Stadt- und Kreisverwaltung erarbeitet werden soll, um den Sportstandort zukunftsfähig zu machen.
„Schon vor einigen Jahren sind wir mit diesem Anliegen an die Stadt herangetreten“, sagt Brinkschröder. Passiert sei nichts. Das räumt auch Abbas ein. Die Umsetzung sei bislang an fehlenden Personalkapazitäten gescheitert. Für Gespräche zeigt sich der Rathauschef aber offen. Auch der Landkreis signalisiert Gesprächsbereitschaft, sollte eine Abstimmung notwendig sein. Koenen erinnert daran, dass der Landkreis gemeinsam mit der Stadt Weener dabei sei, eine neue, moderne Dreifeld-Turnhalle an der Oberschule zu bauen, um Perspektiven für Schul- und Vereinssport zu schaffen.
Kurzfristig ist das keine Lösung, aber im kommenden Winter könnte die neue Halle – sofern sie rechtzeitig fertig wird – für Entspannung sorgen. Auch Brinkschröder sieht darin einen Hoffnungsschimmer: „Parallel dazu wollen wir auch den Vorstoß für einen Kunstrasenplatz starten. Auch das könnte für Entlastung bei Trainingszeiten sorgen.“ Mittelfristig bleibt die Forderung nach einem Sportentwicklungsplan, nachhaltigen Nutzungskonzepten und einer besseren Abstimmung zwischen Schule, Stadt und Vereinen bestehen.