Hannover  Wer an Homöopathie glaubt, soll seine Globuli bitte selber zahlen

Jonas E. Koch
|
Von Jonas E. Koch
| 29.11.2025 17:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Viele homöopathische Medikamente werden aktuell noch von den Kranenkassen finanziert. Foto: dpa/ Marijan Murat
Viele homöopathische Medikamente werden aktuell noch von den Kranenkassen finanziert. Foto: dpa/ Marijan Murat
Artikel teilen:

In der Ampelkoalition hätten die Grünen die Übernahme von homöopathischen Behandlungen durch die Krankenkassen beenden können, wollten aber nicht. Nun gibt es endlich ein spätes Bekenntnis zur Evidenz. Immerhin.

Ja, homöopathische Mittel wirken – zumindest als Placebo. Studien zeigen, dass der Placebo-Effekt sogar dann Symptome lindern kann, wenn der Patient weiß, dass das Mittel an sich wirkungslos ist. Aber: Darüber hinaus lässt sich für homöopathische Medikamente keine medizinische Wirkung nachweisen.

Glauben kann man aber, was man will. Jeder vierte Deutsche ist einer Studie des Institut Allensbach zufolge jedenfalls ohne Einschränkung von der Wirksamkeit von Homöopathie überzeugt. Jeder Zweite glaubt zumindest teilweise an eine Wirkung. Wer also homöopathische Mittel als Zuckerkügelchen abtut, hat zwar die Wissenschaft auf seiner Seite – befindet sich in der Debatte aber in der Minderheit.

Um sich im scharfen Wettbewerb zu profilieren, bieten viele große Krankenversicherungen ihren Kunden deshalb die ärztlich-homöopathische Behandlung bei einem Vertragsarzt an, manche zahlen auch bestimmte rezeptfreie homöopathische Arzneimittel bis zu einem jährlichen Höchstbetrag. Das ist zwar gesetzlich nicht vorgeschrieben, für Krankenassen aber freiwillig möglich.

60 Prozent der Bevölkerung hat der Studie zufolge bereits homöopathische Arzneimittel eingenommen. Dass die Allgemeinheit für diese Glaubensfrage aufkommt, wollte Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach bereits in der Ampel-Koalition ändern, doch die Grünen blockierten ihn.

Auch knapp die Hälfte der Deutschen will, dass die Kosten weiterhin erstattet werden. Doch nun ändern die Grünen ihren Kurs. Auf dem aktuellen Parteitag fordert die Partei: Aus dem Solidarsystem soll künftig kein Geld mehr in diese Glaubensfrage fließen.

Richtig so! Wer an die Wirksamkeit homöopathischer Mittel glaubt, kann das gerne tun – soll die dann aber bitte selbst bezahlen. Die Ausgaben der Kassen für Homöopathie sind angesichts des Gesundheitssystems vergleichsweise gering. Aber es geht ums Prinzip: Warum sollten ausgerechnet Globuli über das Solidarsystem quersubventioniert werden, wenn niemand beweisen kann, dass das auch etwas bringt?

Ähnliche Artikel