Weihnachten Trübe Stimmung in Ostfrieslands Einzelhandel
Wenn‘s um Weihnachtsgeschenke geht, will man ja eigentlich nicht so aufs Geld schauen. In diesem Jahr tun das aber offenbar immer mehr Menschen in Ostfriesland. Der Handel ist in Sorge.
Ostfriesland - Man muss die Stimmung in Ostfrieslands Einzelhandel wohl als ziemlich mau bezeichnen. Mehr als jeder dritte Einzelhändler (37 Prozent) erwartet für das vierte Quartal, also das bereits angelaufene Weihnachtsgeschäft, eine noch schlechtere Geschäftslage als im dritten Quartal dieses Jahres. Das teilte die Industrie- und Handelskammer (IHK) für Ostfriesland und Papenburg auf Nachfrage unserer Redaktion mit. Nur sechs Prozent gehen demnach von einer günstigeren Geschäftslage für ihre jeweilige Einzelhandelsbranche aus. Dabei gilt die Weihnachtszeit für den Einzelhandel als der wohl wichtigste Umsatzbringer.
„Insbesondere die Kaufzurückhaltung bereitet unserem Einzelhandel Sorgen“, sagte Wiebke Eilts, Referentin für Tourismus, Handel und Dienstleistungen der ostfriesischen IHK, unserer Redaktion. Lediglich vier Prozent der ostfriesischen Einzelhändler gingen von einer größeren Konsumneigung ihrer Kunden aus, 54 Prozent hingegen würden mit einer zurückgehenden Konsumneigung rechnen. „Bei der Konsumneigung hat unsere Konjunkturumfrage einen Saldo von minus 50 ergeben“, fasste Eilts das Ergebnis zusammen. Zur Erläuterung: Eine Null steht dabei für gleichbleibenden Konsum. Und: Im Jahr 2021 hat der Saldo laut Eilts noch bei plus 38 gelegen.
„Die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust nimmt zu“
Dieser drastische Rückschritt in dem für Ostfriesland so wichtigen Einzelhandel spiegelt sich auch auf bundesweiter Ebene wider. Die Leute wollen einfach weniger Geld ausgeben. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag des Handelsverbandes Deutschland (HDE) planen die Menschen im Schnitt 263 Euro für Geschenke ein – rund 34 Euro weniger als im Vorjahr. Die Preissensibilität der Kunden werde das Weihnachtsgeschäft dominieren, sagte bereits Anfang November der Geschäftsführer der Handelsberatung BBE, Johannes Berentzen. „Schnäppchenjagd wird zur wichtigsten Disziplin beim Weihnachtseinkauf.“
Auch Kai Hudetz vom Kölner Handelsforschungsinstitut IFH erwartet sparsame Weihnachten. „Die Unsicherheit der Menschen ist groß, die Angst vor dem Arbeitsplatzverlust nimmt zu.“ Es sei nicht zu erwarten, dass Verbraucher sich unbesorgt ins Getümmel stürzen. Und nach einer Unternehmensumfrage des Münchner Ifo-Instituts sind die Spielwarengeschäfte überdurchschnittlich pessimistisch; nur bei den Buchhändlern sind laut Ifo die Optimisten in der Mehrheit.
„Hier steckt keiner den Kopf in den Sand“
Genau wie die IHK Ostfriesland hat auch der Einzelhandelsverband (EHV) Ostfriesland die aktuelle Lage im Blick. „In der Tat hat sich das Konsumklima im Laufe dieses Jahres verschlechtert“, sagte Jörg Thoma, Hauptgeschäftsführer des ostfriesischen Einzelhandelsverbandes im Gespräch mit unserer Redaktion. „Die Signale aus der Politik sind einfach nicht gut.“ Die Einzelhändler setzten aber darauf, dass die Kunden wieder ihren Weg in die Innenstädte finden. „Wir hoffen darauf, das Vorjahresniveau wieder erreichen zu können“, sagte Thoma. Vor allem Bücher, Spielwaren, Unterhaltungselektronik, Schmuck und Kosmetikartikel seien traditionell sehr stark. Thoma: „Die Vorzeichen mögen vielleicht nicht gut sein. Aber hier steckt keiner den Kopf in den Sand.“
Sowohl der Einzelhandelsverband als auch die IHK üben sich in Optimismus. „Unsere Geschäftsinhaber tun alles, um ihre Läden und die Innenstädte attraktiv zu gestalten“, betonte Thoma. „Gleichzeitig hören wir, dass Beleuchtung und die Events, die von vielen Handels- und Gewerbevereinigungen sowie Stadtmarketingorganisationen auf die Beine gestellt werden, zuversichtlich stimmen, da dies eine Atmosphäre erzeugt, die Menschen in die Innenstadt zieht“, fügte Eilts von der IHK an. „Hier zeigt sich, wie wichtig das Engagement der Standortgemeinschaften für das Weihnachtsgeschäft ist.“