Osnabrück  Im neuen Frankfurter "Tatort: Licht" geraten die Ermittler emotional an ihre Grenzen

Frank Jürgens
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Von Frank Jürgens
| 29.11.2025 14:00 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) tappen im Dunkeln. „Tatort: Licht“. Foto: HR/Sommerhaus/Tatiana Vdovenko
Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) tappen im Dunkeln. „Tatort: Licht“. Foto: HR/Sommerhaus/Tatiana Vdovenko
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Ihr zweiter Fall führt die Frankfurter Ermittler Maryam Azadi (Melika Foroutan) und Hamza Kulina (Edin Hasanovic) in düstere Abgründe. Kann der „Tatort: Licht“ mit der sehr guten ersten Episode mithalten?

Vor sechs Jahren verschwanden die damals dreijährige Viktoria Reiter und ihr Vater Julian. Die letzte Spur der beiden endet am Mainufer. Da der Vater unter anderem unter psychischen Problemen und übermäßigem Alkoholkonsum litt, geht die Polizei von einem erweiterten Suizid aus. Aber trotz einer damals groß angelegten Suchaktion wurden keine Leichen gefunden.

Anna Reiter (Maren Eggert), die völlig verzweifelte Mutter von Viktoria, kann und will sich damit nicht abfinden. Sie ist fest davon überzeugt, dass ihre Tochter noch lebt. Bis heute hält sie Kontakt zu Maryam Azadi (Melika Foroutan), die damals als Kommissarin in der Vermisstenstelle für den Fall zuständig war. Als Anna auf einer Social-Media-Plattform 5000 Euro für jeden noch so kleinen Hinweis verspricht, wird es gefährlich.

Azadi geht im Alleingang einem Hinweis nach, der zu einer dubiosen Licht-Sekte führt. Sowohl Anna als auch ihr neuer Ehemann, der die Kommissarin regelrecht anfleht, die Ermittlungen endlich einzustellen, verschwinden plötzlich. Offenbar hat Anna den Tod eines Obdachlosen zu verantworten. Und Azadi findet sich zwischen allen Stühlen wieder.

„Eine Mutter sucht ihr Kind. Seit sechs Jahren sucht sie ihr Kind. Was sie braucht, ist Klarheit und Gewissheit. Schickst du sie nach Hause, wenn sie mit einem neuen Ansatz kommt?“, fragt Azadi ihren Kollegen, der sie zu bremsen versucht. Azadi lässt den Fall viel zu nah an sich heran und gerät dabei selber emotional an ihre Grenzen.

Es geht um Hoffnung, die aus Verzweiflung geboren wird und die Gefahr in sich trägt, trügerisch zu sein. Dass dieser Fall nicht gut enden kann, wird schnell klar.

Der neue Frankfurter „Tatort“ mit dem Ermittlerduo Azadi und Kulina konnte vor acht Wochen mit der ersten Episode „Dunkelheit“ aus dem Stand heraus überzeugen. Fast neun Millionen Zuschauer, sehr gute Kritiken und beinahe ausnahmslos positive Zuschauerkommentare sprechen für sich.

Da will auch diese nunmehr zweite Folge mit dem Titel „Licht“ nicht enttäuschen. Senad Halilbašić, von dem erneut das Drehbuch stammt, und Rick Ostermann (Regie) gelingt ein mitreißender Fall, der in menschliche Abgründe und zu einer dubiosen Sekte führt.

Deren Mitglieder verweigern sich jeglichem zivilisatorischen Fortschritt und geben insbesondere vor, sich von Licht ernähren zu können. Manchmal, so erfahren die Ermittler ganz nebenbei, werden auf dem Anwesen der Sekte auch ganz einfach Menschen „vom Dunkel verschluckt“.

Optisch äußerst reizvoll umgesetzt, verschmelzen hier Gegenwart und Vergangenheit zu einem Cold Case, der es in sich hat.

„Tatort: Licht“. Sonntag, 30. November, 20.15 Uhr im Ersten und in der ARD Mediathek.

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