Aufmerksamkeit im Netz  So ist Ostfriesland schon viral gegangen

Eva van Loh
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Von Eva van Loh
| 28.11.2025 12:30 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Diese Ostfriesland-Karte soll an das Intro der Serie „Game oft Thrones“ erinnern und wurde für die Kampagne erstellt. Foto: Ostfriesland Tourismus GmbH
Diese Ostfriesland-Karte soll an das Intro der Serie „Game oft Thrones“ erinnern und wurde für die Kampagne erstellt. Foto: Ostfriesland Tourismus GmbH
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Aufmerksamkeit zu erregen ist im Zeitalter des Internets der Schlüssel zum Erfolg. Auch Ostfriesland hat es schon einige Male in die digitalen Schlagzeilen geschafft. Doch was bringt das eigentlich?

Aurich/Ostfriesland - Ein eigenes Tee-Emoji, ein Serien-Intro im Ostfriesland-Stil oder eine Nachricht an den frisch gewählten US-Präsidenten. Das sind nur drei der Strategien, die die Aufmerksamkeit des Internets in der Vergangenheit auf Ostfriesland lenken sollten. Doch was bringt es Ostfriesland eigentlich, viral zu gehen? Und wie oft hat die Region das schon geschafft?

Wer sich wohl mit am meisten mit dem Marketing für Ostfriesland beschäftigt, ist die Tourismusagentur Ostfriesland Tourismus GmbH. Sprecherin Wiebke Leverenz erinnert sich gut an die Projekte aus den vergangenen Jahren. Das Ostfriesentee-Emoji, das gemeinsam mit der Digitalagentur Mo1n im Jahr 2023 entworfen wurde, hat es bis zu TV Total und zum NDR geschafft. Auch wenn das Design nie als offizielles Emoji eingeführt wurde, hat das Projekt viel Aufmerksamkeit erregt. Bis heute werden die Mitarbeiter der Ostfriesland Tourismus GmbH noch darauf angesprochen, sagt Leverenz. „Diese Geschichten hallen bei uns noch lange nach. Sowas lohnt sich für uns auf jeden Fall.“

Humor als Schlüssel zum Erfolg

Auch an ein Video der Agentur aus dem Jahr 2019 erinnern sich heute noch viele. „Ostfriesland: Das Land der Entdeckungen“ – eine Art Trailer für die Region im Stil des Intros der Serie „Game of Thrones“. Heute hat das Video auf YouTube etwa 130.000 Aufrufe. Nicht wenig für eine kleine Region wie Ostfriesland. Auch bei den Zuschauern scheint das Projekt gut angekommen zu sein. „Wenn kreative Köpfe mit Gespür für Trend und Qualität bei der Arbeit sind, dann entsteht sowas wie hier in Ostfriesland. Chapeau an das Team! Und tolles Ergebnis“, schreibt ein Nutzer. „Das ist das Paradebeispiel für gutes Marketing heutzutage“, schreibt ein anderer.

Ein Aspekt, den Ostfriesland.travel laut Leverenz gern in die Kampagnen einfließen lässt, ist Humor. „Damit wird Ostfriesland schließlich auch in Verbindung gebracht“, sagt sie. „Wenn man auf sich als Region aufmerksam macht und gleichzeitig damit Leute zum Lachen bringen kann, ist das natürlich perfekt.“ Das zeigt sich auch in dem meistgesehenen Video auf dem YouTube-Kanal der Ostfriesland Tourismus GmbH. „Ostfriesland Second“ hat bis heute über 300.000 Aufrufe gesammelt und sprang im Jahr 2017 auf den Trend auf, die „America First“-Politik des US-Präsidenten Donald Trump zu parodieren. Auch zahlreiche andere Länder und Regionen veröffentlichten ähnliche Videos.

Kann auch Aurich viral gehen?

Große Projekte sind bisher für die nahe Zukunft nicht geplant, sagt Leverenz. „Wir reagieren mit solchen Projekten eben oft auf Trends und aktuelle Ereignisse. Das kommt manchmal von einem Tag auf den anderen.“ Oft bleibe wegen der Schnelllebigkeit des Internets kaum die Zeit für lange Planung.

Auf die Frage, ob auch eine Stadt wie Aurich das Potential hat, viral zu gehen, reagiert Leverenz mit Zuversicht. „Mit der richtigen Kampagne kann das jede Stadt schaffen“, sagt sie. Der Landkreis Aurich wurde sogar schon mal für eine Werbeaktion benutzt. Im Jahr 2007 wurden die ersten 100 Modelle des Toyota Auris hier angemeldet. Natürlich mit dem Kennzeichen AUR IS. Diese Autos wurden dann für Test- und Werbezwecke verwendet und waren zum Beispiel auf Plakaten zu sehen.

Schaden Klischees dem Ruf der Region?

Doch was, wenn die Region nicht durch eine gezielte Kampagne von Touristikern viral geht, sondern von allein? Im vergangenen Jahr erschien auf dem Kanal „2 Bored Guys“ ein Video mit dem Titel „Ostfriesland ist so ein Fiebertraum“. Es geht um eine Dokuserie von Spiegel TV aus dem Jahr 2003, bei der die Reporter die Polizei Esens bei ihrer Arbeit begleitet haben. Kurz vor dem Erscheinen von „Ostfriesland ist so ein Fiebertraum“ wurde die Serie auf dem YouTube-Kanal von SpiegelTV erneut hochgeladen. Das Video von 2 Bored Guys hat bis heute über eine Million Aufrufe gesammelt. Sowohl im Video selbst als auch in den Kommentaren wird viel über die typisch ostfriesische Art der Protagonisten gelacht. Gerade das plattdeutsche Wort „Slötel“ hat es vielen angetan. Ist das Lachen über die Ostfriesen schlechte PR für die Region?

Leverenz sieht das nicht so. „Aber ich denke, alles, was in irgendeiner Form Ostfriesland aufmerksam macht, ist grundsätzlich erstmal positiv“, sagt sie. „So werden die Leute vielleicht neugierig und wollen herausfinden, wie es in Ostfriesland wirklich ist. Daher sehe ich das ganz entspannt.“ Ostfriesenwitze hätten dem Tourismus an der Nordsee auch nicht geschadet, so Leverenz. „Ich denke schon, dass die Leute das auch etwas mit einem Augenzwinkern sehen und wissen, dass das Klischee so nicht stimmt.“

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