Eisenbahnbrücke  Vollsperrung fällt mitten ins Emder Delftfest

Stephanie Tomé
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Von Stephanie Tomé
| 27.11.2025 11:49 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Eisenbahn-Klappbrücke in Emden ist ein Nadelöhr. Foto: DPA/Archiv
Die Eisenbahn-Klappbrücke in Emden ist ein Nadelöhr. Foto: DPA/Archiv
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Die Probleme mit der Eisenbahnbrücke über den Emder Binnenhafen reißen nicht ab. Nun kommt eine neue Hiobsbotschaft von der Bahn: Im Sommer 2026 soll die Brücke drei Wochen lang voll gesperrt werden.

Emden - Die Eisenbahnbrücke über den Emder Delft bleibt ein Dauerproblem – und nun kommt es noch dicker: Die Deutsche Bahn (DB) kündigt für den 18. Juli bis 8. August 2026 eine dreiwöchige Vollsperrung an. Ausgerechnet in dieser Zeit findet in Emden das Delftfest statt.

Die Brücke gilt seit mehr als einem Jahrzehnt als störanfällig. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Ausfällen, vor allem an heißen Sommertagen. 2022 mussten unter anderem Ausflugsfahrten der AG Ems mehrfach abgesagt werden, weil die Brücke sich bei Temperaturen über 28 Grad nicht zuverlässig öffnen ließ – ein Problem, das laut Bahn auf temperaturbedingte Einschränkungen der historischen Technik zurückzuführen war. Eine Sprecherin erklärte seinerzeit, dass die Stahlkonstruktion bei lang anhaltender Hitze die Öffnung verweigere.

Nachrüstung 2025 – und nun noch mehr Baustellen

Nachdem es an der Brücke in den vergangenen Jahren immer wieder Reparaturarbeiten gegeben hatte, waren zuletzt der Brückenantrieb und die Steuerung erneuert worden. Doch damit ist die Modernisierung nicht abgeschlossen: Für den Sommer 2026 plant die Bahn weitere umfangreiche Eingriffe. Betroffen sind unter anderem die Drehlager, tragende Elemente und die Gleise im Bereich der Brücke. Diese Arbeiten könnten nur in einem Stück ausgeführt werden und machten eine vollständige Sperrung für drei Wochen erforderlich, heißt es in der aktuellen Mitteilung der Deutschen Bahn.

Die Brücke bleibt in diesem Zeitraum sowohl für Züge als auch für den Schiffsverkehr geschlossen. Der Termin wurde laut Bahn in Abstimmung mit den Eisenbahnverkehrsunternehmen und Volkswagen Emden festgelegt – unter anderem aufgrund der dortigen Betriebsferien.

Delftfest betroffen – Bahn bedauert Kollision

Dass die Sperrung mitten in das Delftfest fällt, sei nicht beabsichtigt, betont eine Bahnsprecherin: „Wir sind uns der Bedeutung dieses wichtigen Events für die Stadt bewusst.“ Man versuche, künftige Arbeiten außerhalb großer Veranstaltungen zu legen. Dennoch habe man die Interessen des Güter- und Personenverkehrs berücksichtigen müssen. Die Instandhaltungsarbeiten an der Eisenbahnbrücke seien ein zentraler Beitrag, um die Verkehrssicherheit und die regionale Infrastruktur langfristig zu erhalten, so die Bahn.

Für die Schifffahrt ist die Brücke ein Nadelöhr: Kann sie nicht hochgeklappt werden, sind größere Schiffe vom und zum Delft abgeschnitten oder aber eingesperrt. Eine Brückensperrung während des Delftfests, das vom besonderen maritimen Flair im Delft lebt, könnte damit nicht nur logistische Probleme mit sich bringen – sie trifft das Herzstück und damit die Identität der Veranstaltung. Wie das Fest dennoch zu einem Erfolg werden kann, liegt nun in den Händen der Stadt als Veranstalter, die bei der Planung dieses Mal einiges mehr zu berücksichtigen hat als sonst.

Stadt reagiert mit Unverständnis

Die Stadt Emden hat kein Verständnis dafür, dass die Bahn bei ihrer Planung keine Rücksicht auf das Delftfest nimmt. Man habe die Bahn frühzeitig „sehr deutlich“ auf die Wichtigkeit einer verlässlichen Brückenöffnung hingewiesen und das Wochenende des Delft- und Hafenfestes als möglichen Startpunkt für die Sanierung „klar abgelehnt“, heißt es in einer Pressemitteilung von Donnerstag, 27. November 2025. „Zudem wurden alternative Zeiträume und Varianten angeregt, um mögliche Auswirkungen zu minimieren.“ Die von der Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing GmbH angeregte Öffnung direkt im Anschluss an das Delft- und Hafenfest sei von der Bahn als nicht möglich zurückgewiesen worden.

Eine Terminverschiebung des Festes wiederum sei aufgrund langfristiger Bindungen von Schaustellern und Gewerbetreibenden sowie des engen Veranstaltungskalenders in Emden nur schwer realisierbar. „Dennoch werden gemeinsam mit den Veranstaltern alle Optionen geprüft, um die Auswirkungen für Programm, Schiffe und Besucherinnen und Besucher so gering wie möglich zu halten“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. Man hätte sich „etwas mehr Spielraum bei der zeitlichen Ausgestaltung gewünscht“, wird Martje Merten, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing GmbH, zitiert.

Diskussion über zweite Brücke?

Dass die marode Brücke bereits einmal dem maritimen Flair im Delft zu einem besonderen Zeitpunkt im Veranstaltungskalender einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, zeigte sich unter anderem auch im Jahr 2021: Die Sperrung der Brücke beeinträchtigte seinerzeit das Bild des vorweihnachtlichen Emdens. Mehrere auswärtige Traditionsschiffe konnten in dem Jahr nicht im Ratsdelft festmachen.

Mit der Erneuerung der Technik verspricht sich die Bahn eine verlässlichere Funktion – insbesondere bei sommerlichen Temperaturen, die in der Vergangenheit zu den meisten Störungen führten. Die nun geplanten Arbeiten an der Brücke könnten Diskussion über eine zweite Brücke in Emden wieder befeuern. Politik und Wirtschaft drängen seit Jahren auf eine zusätzliche Verbindung, um sowohl den Güterverkehr als auch den Tourismus abzusichern.

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